Bis zu vier Tage Sonderurlaub gewährt die SRH ihren Mitarbeitern für ehrenamtliches Engagement. Die Dozentin Michelle Hett hat diese genutzt, um mit der Hilfsorganisation „Together for Better Days“ ein Flüchtlingsheim in Griechenland mit aufzubauen.

Der Boden: steinig und hart. Pappkartons statt Matratzen als Schlafuntergrund. Eine öffentliche Toilette für mehrere Hundert Menschen. Sauberes Trinkwasser – Fehlanzeige. Auch wenn Michelle Hett in den vergangenen Jahren bereits an mehreren Hilfsprojekten mitgewirkt hat, die Zustände in den griechischen Flüchtlingscamps bei Thessaloniki haben die Irin zutiefst erschüttert. „Es fehlt an allem“, sagt sie. „Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.“

Angefangen hat Michelle Hett, Dozentin an der SRH Hochschule Heidelberg, trotzdem. Noch vor ihrer Abreise nach Griechenland sammelte sie Hilfsgüter und Spenden für das Projekt der Hilfsorganisation „Together for Better Days“, die aktuell eine ungenutzte Lagerhalle in Thessaloniki in ein Heim umbaut, um die Lebenssituation von etwa 800 Flüchtlingen zu verbessern.

„Dank der gro.zügigen Geldspenden einzelner Kolleginnen haben wir einen Sportplatz aufbauen können“, erzählt Michelle Hett stolz. Wie bereichernd Sport in einer solchen Situation sein kann, weiß sie aus Erfahrung: „Menschen aus den unterschiedlichsten Altersgruppen, männlich und weiblich, kommen beim Sport zusammen, um einen Moment lang Spaß zu haben und ihre Sorgen zu vergessen“, erklärt sie.

Aus früheren Projekten hat Michelle Hett auch gelernt, dass es manchmal die kleinen Dinge sind, auf die es ankommt: alte Smartphones, Schuhe für die Kinder gegen den harten Boden, frisches Obst, Luftballons. Die Marketingabteilung der SRH Hochschule steuerte Papier und Malstifte bei. „Wir mussten uns Spiele einfallen lassen, die in den Camps funktionieren“, sagt Michelle Hett, für die es keine größere Motivation gibt, als Kindern in dieser Notlage ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Die Reise nach Thessaloniki war für Michelle Hett ihre persönliche Antwort auf die Flüchtlingskrise. Die vier Tage Sonderurlaub, die sie von der SRH Holding im Rahmen der Flüchtlingsinitiative erhielt, waren dabei ein weiterer Ansporn. „Es geht uns alle etwas an“, sagt sie. Ihr Zimmer teilte sie sich zusammen mit ihrer Tochter, die zuvor bereits ein Jahr lang in griechischen Flüchtlingscamps gearbeitet hatte. Auch ihretwegen reiste Michelle Hett nach Griechenland: „Ich hatte das Bedürfnis, zu erfahren, was sie antreibt, weshalb sie so viel Zeit ihres Lebens in die Arbeit mit diesen Menschen investiert“, sagt Hett.

Bereits am Tag ihrer Ankunft waren sie als erfahrene Helferinnen gefordert: Michelle Hett hatte gerade Erste-Hilfe-Pakete für die Volunteers vor Ort fertig gestellt, als der erste Notfall eintraf: Ein Helfer hatte sich das Kinn aufgeschlagen und musste genäht werden. Nach zwei Anfragen, die ins Leere liefen, machte Michelle Hett ein Krankenhaus ausfindig, das einer Behandlung zustimmte. „In solchen Situationen merkt man erst, wie verwöhnt wir hierzulande mit unserer Infrastruktur sind“, sagt sie.

Für die 15 bis 30 Helfer vor Ort – die Zahl variierte täglich – gehörte improvisieren zum Alltag. „Haben Sie schon mal für 30 Personen an einem offenen Feuer gekocht?“, fragt Michelle Hett. „Man kommt als Helfer in Situationen, die einem für immer in Erinnerung bleiben werden!“ Auch die vielen Begegnungen mit den Menschen gehören für Michelle Hett zu dem Wertvollsten, was sie aus Griechenland mitgenommen hat: „Meine Tochter hatte sich während ihres ersten Aufenthalts in Griechenland um eine Familie mit zwei kleinen Kindern gekümmert. Obwohl die Suche nach ihnen eigentlich aussichtslos war, ist es uns gelungen, sie in ihrem Camp ausfindig zu machen. Die Freude der Kinder, als sie sie wiedergesehen haben, war einfach unbeschreiblich!“

Zurück in Deutschland hat Michelle Hett mit gemischten Gefühlen zu kämpfen. „Angesichts der immensen Flüchtlingsprobematik, vor der wir stehen, kommt einem das persönliche Engagement wie ein kleiner Tropfen Wasser im Ozean vor.“ Doch aus Griechenland erreichen sie auch positive Nachrichten: Gerade sind die ersten Flüchtlinge in das Heim eingezogen, das sie zusammen mit der Hilfsorganisation „Together for Better Days“ aufgebaut hat. Aus diesen zieht Michelle Hett ihren Mut und ihre Kraft. „Es hat etwas unheimlich Befriedigendes, etwas erreicht zu haben, was dazu führt, dass es anderen besser geht.“ Und so sucht sie gerade nach Möglichkeiten, das Projekt an der Hochschule weiter zu verankern.