Wenn der erste Job schiefgeht, ist das noch kein Beinbruch. Aber was passiert nach dem zweiten Fehlstart? Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg gibt wertvolle Tipps für die Berufsstarter.

Natürlich kann es passieren, dass der erste Job schiefgeht. Wie bei einer Berufsanfängerin, die mit ihrer Arbeit nicht zurechtkam und sich im Unternehmen unwohl fühlte: Nach neun Monaten kündigte sie und nahm eine attraktive Stelle bei einem Automobilzulieferer an. So weit, so gut. Doch dann geriet der neue Arbeitgeber in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste 300 von seinen 8000 Mitarbeitern entlassen. Da die junge Frau einen zweijährigen Zeitvertrag unterschrieben hatte, war es einfach, ihr zu kündigen. So verlor sie ihre zweite Stelle, wieder nach neun Monaten.

Nun fängt die Sache an, riskant zu werden. Die dritte Anstellung sollte sitzen, und das für mindestens fünf Jahre. Gleichgültig wie gut die Stellenwechsel begründet sind: Jetzt greift eine Fünf-Jahre-Regel, eine Art ungeschriebenes Gesetz, das bei Einstellungsentscheidungen eine wichtige Rolle spielt.

Die Regel ist leicht nachvollziehbar, wenn man die Leistung eines Arbeitnehmers bezogen auf seine Position näher betrachtet. Typischerweise lassen sich zwischen Antritt und letztem Arbeitstag folgende Phasen unterscheiden:

  • Probezeit und Einarbeitung. Ein neu eingestellter Mitarbeiter muss sich orientieren. Für das Unternehmen ist er erst allmählich produktiv tätig, seine Einarbeitung beansprucht gleichzeitig Zeit der Kollegen und Vorgesetzten.
  • Produktivphase. Der neue Mitarbeiter kennt seine Vorgesetzten und Kollegen, weiß über die Strategien des Unternehmens und seiner Abteilung und ist vertraut mit seinen Aufgaben. Er arbeitet produktiv, erbringt Leistung für das Unternehmen.
  • Frustrationsphase. Häufig folgt dann eine Phase, in der die Zufriedenheit nachlässt. Die Gründe können ganz unterschiedlich sein: Die Strukturen im Unternehmen ändern sich; Aufgaben, Kollegen und Chefs passen nicht mehr. Oder der Mitarbeiter muss nach einem Gespräch mit seinem Vorgesetzten feststellen, dass er beruflich nicht weiterkommt.
  • Neuorientierungsphase. Der Mitarbeiter sucht nach einer neuen Herausforderung. Zunächst sucht er im eigenen Unternehmen nach einer neuen Stelle, dann möglicherweise auch außerhalb.

Die Phasen addieren sich auf rund fünf Jahre, in denen der Mitarbeiter für seinen Arbeitgeber jedoch nur zwei bis drei Jahre seine volle Leistung erbringt. Bleibt er weniger als fünf Jahre, geht das auf Kosten der produktiven Jahre und die Gesamtleistung des Mitarbeiters sinkt. Bei nur zwei Jahren hat er Kosten verursacht, dem Unternehmen jedoch kaum Nutzen gebracht.

Was folgt daraus? Über eine einmalige Fehlentscheidung beim Berufseinstieg dürfte jeder Arbeitgeber hinwegsehen. Doch wer mehrmals nach kurzer Zeit gewechselt hat, weckt die Befürchtung, es wieder zu tun – und hat gegenüber solide erscheinenden Kandidaten das Nachsehen.

Achten Sie deshalb bei der Karriereplanung auf die ungeschriebene Fünf-Jahre-Regel. Legen Sie im Vorstellungsgespräch überzeugend dar, dass Sie mit einer Perspektive von mindestens fünf Jahren antreten.