Bei den Calwer BWL-Studierenden stand mit der Auslandsabteilung (Foreign Department) ein großes Highlight an. Auf Anregung des Akademischen Leiters des Campus Calw, Prof. Stephan Schöning, wurden im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der polnischen Privatuniversität SWPS Warsaw University of Social Sciences and Humanities interkulturelle Teams gebildet. Auf diesem Weg lernten Calwer Studierende nicht allein Studierende aus Polen, sondern auch aus Indien, Zimbabwe, Südkorea, Kirgisistan, Ecuador, der Ukraine, China und Georgien kennen. In Gruppen bearbeiteten die Studierenden verschiedene Themen:

Eine deutsch-georgische Studierendengruppe widmete sich dem Thema “City-Tourismus” und der Fragestellung, ob übermäßiger Tourismus die Städte für ihre Bewohner unbewohnbar macht. Als Ergebnis hielten sie fest, dass in allen drei Ländern Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, dass aber die Unterschiede in den Zahlen der Touristen die Chancen oft zu Risiken verkehren. Deutschland hat unter den drei betrachteten Ländern die größte Anzahl von Touristen, dies vor allem in den beiden Städten München und Hamburg. So übernachteten 13,8 Millionen Besucher 2017 allein in Hamburg, in München 17,1 Millionen. In Polen sind Danzig und Krakau die beiden Städte mit den höchsten Übernachtungsgästezahlen, nämlich im Jahr  2016 770.000 Touristen in Danzig und 9.100 in Krakau. Das georgische Batumi  dagegen besuchten 2018  nur etwa  497.000 Touristen und Tiflis im Jahr 2016 rund 211.900 Touristen. Vor allem für ein Land wie Georgien, das sich gerade entwickelt, ist Tourismus für die Wirtschaft noch wichtiger als in Polen oder Deutschland, vor allem auch weil die Industrie nicht so ausgebaut ist wie in den beiden anderen Ländern. Erstaunlich war das Ergebnis, dass in den betrachteten Städten die Einstellung der Bewohner gegenüber dem Tourismus und den Touristen grundsätzlich offen und freundlich und nur im verschwindend geringen Maß feindselig ist.

Eine Dreiergruppe beschäftigte sich mit „Corporate Social Responsibility“ (CSR).  Zwischen den drei betrachteten Ländern Süd-Korea, Polen und Deutschland haben sich viele Gemeinsamkeiten ergeben, beispielsweise, dass nicht nur „die Großen“, sondern auch mittelständische Unternehmen aktiv CSR leben. Die  Studierenden fanden auch heraus, dass die Verbraucher in allen drei Ländern dem Trend folgen, sofern – die wichtige Einschränkung – sie es sich finanziell leisten können, die Produkte von Firmen, die sich zu ihrer CSR bekennen, zu erwerben. Einig waren sie sich auch darüber, dass je nach Landeskultur CSR auch als unerwünschte Einmischung in die Sitten und Gebräuche des Landes gesehen werden kann, weshalb vor allem für ausländische Investoren interkulturelle Kompetenzen unabdingbar sind.

Nachhaltig und regional produzierte Lebensmittel sind im Trend. Allerdings sind weder in der Schweiz noch in Polen oder Deutschland regionale Lebensmittel auch immer „automatisch Bio-Lebensmittel“. Nach Ansicht einer Gruppe von vier Studierenden kristallisierten sich fehlende Kontrollinstanzen und  Greenwashing“ als die größten Probleme heraus.

Während in Polen und in Deutschland die Frage nach neuen Arbeitsformen wie nach Home-Office immer größer wird und die „Work-Life-Balance“ intensiv diskutiert wird, sind neue Arbeitsformen und Arbeitsbedingungen, die an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sind, in Ecuador eher sekundär. Die Gründe dafür sind leider leicht nachvollziehbar: Ecuador ist ein Entwicklungsland, hat 27 Millionen Einwohner, wovon nur 4 Millionen zur arbeitenden Bevölkerung gehören. 40 % der Kinder müssen arbeiten, da sonst die Familien nicht überleben könnten.

Machen „übertriebene“ Sicherheitsbestimmungen Events wirtschaftlich uninteressant? Drei Studierende untersuchten die Situation in Polen, Deutschland und Großbritannien. Ihr Fazit:  Die Sicherheit der Besucher ist absolut notwendig, die Sicherungsmaßnahmen aber sind zunehmend teuer. In allen betrachteten Ländern ist deswegen die Anzahl von kostenlosen Events zurückgegangen und die Eintrittspreise für kostenpflichtige Veranstaltungen sind teilweise erheblich gestiegen. Drohen die erwarteten Einnahmen die Kosten nicht zu decken, kommt es vermehrt zu Absagen von Events.

Eine deutsch-indische Studierendengruppe widmete sich dem Thema “Social Entrepreneurship”, also sowohl dem Wirken von gemeinnützigen Organisationen als auch dem freiwilligen sozialen Engagement von Unternehmen. Während in Deutschland Unternehmen in fast allen gesellschaftlichen Bereichen sozial aktiv sind, konzentrieren sich die polnischen Unternehmen hauptsächlich auf die Bereiche Erziehung, Gesundheit, die Integration von Behinderten und die Reinegration von „Gestrandeten“, die aufgrund von außergewöhnlichen sozialen Gegebenheiten an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden sind. Indische Unternehmen dagegen fokussieren im sozialen Bereich hauptsächlich den Gesundheits- und den medizinischen Bereich. Für alle aber war es offensichtlich, dass die Kombination zwischen sozialem und wirtschaftlichem Tun herausfordernd ist und bleibt. Sie wünschten sich vermehrte Unterstützung durch die Regierungen und weniger Bürokratie.

Roboter und künstliche Intelligenz sind in den drei betrachteten Ländern Deutschland, Polen und den USA vorhanden und in allen Bereichen auf dem Vormarsch. Jobs werden zwar vernichtet werden, dafür werden andere Arbeitsplätze geschaffen werden. Was unabdingbar bleibt, ist die menschliche Kontrolle und Kreativität, um nicht alles „über einen Kamm zu scheren“, sondern auch in einer zunehmend computerisierten und digitalisierten Umgebung erfolgreich arbeiten und leben zu können.

Um die zunehmende Durchsetzung und Bedeutung von Diversity in Deutschland und in Polen ging es in einer anderen Gruppe in absolutem Kontrast zu Botswana, der Heimat einer Studierenden in Polen: Dort ist die Gleichberechtigung der Geschlechter noch in den Kinderschuhen, die Frau wird als minderwertig angesehen, die sich primär um Haushalt und Familie zu kümmern hat und die, sofern sie überhaupt arbeiten darf, in Unternehmen ausschließlich minderwertige Tätigkeiten ausüben darf.

Als Projektbetreuer begleiteten auf deutscher Seite die Professoren Alexander Dürr und Claudia Ossola-Haring sowie die Dozentin Esther Burkart das Projekt. An der SWPS berieten Agnieszka Golińska und Prof. Jakub Brdulak die Studierenden. Die Ergebnisse waren sehr ansprechend und zeigten eindrücklich die Vielfalt der Kulturen. „Es war anstrengend und herausfordernd, aber es war eine wunderbare Erfahrung“, so eine Teilnehmerin. Oder um es mit den Worten von Prof. Brdulak zu sagen: „Personally, I think this project is great!“