Ein Unternehmen gründen während des Studiums, kann das gehen? Die vier Master-Studenten der SRH Hochschule Heidelberg, Felix Mühlbach, Felix Eitler, Maximilian Moser und  Christian Michaeli (auf dem Bild v.l.o. mit der ersten Mitarbeiterin Miriam Funke) beweisen es mit ihrem Start-up Compleat! Wir-Online Reporterin Jana Ladwig schaut hinter die Kulissen der spannenden Gründungsgeschichte.

Anfangs wurden sie belächelt, nach dem Motto: „Die Fitness-Boys machen jetzt einen Foodtruck auf.“ Doch schnell wurden aus Kritikern Fans, denn die Idee der vier Master-Absolventen der SRH Hochschule Heidelberg schlug voll ein. „Unser Studiengangsleiter hat es damals ganz passend gesagt. Er meinte, es ist schon ein bisschen wild, wenn auf einmal vier BWLer, die keine Ahnung vom Kochen haben, den Gastronomiemarkt aufrollen wollen. Und da hatte er schon Recht.“ Felix lacht, während er mir von dieser Anekdote erzählt. Aber so bizarr der Gedanke anfangs auch klang, heute sind die vier Jungs Gründer eines erfolgreichen Start-ups mit über 15 Mitarbeitern.

Das Start-up, das anfangs Mission Nutrition hieß, trägt jetzt den Namen Compleat. „Wir mussten den Namen ändern, da wir für unsere Expansion exklusive Namensrechte brauchen. Für Mission Nutrition haben wir diese Rechte nicht erhalten“ erzählt Felix. Durch gemeinsames Brainstorming kamen sie schließlich auf den Namen Compleat. „Compleat steht für alle Nährstoffe, die ihr braucht, für die Vervollständigung eures Workouts, für die Komplettierung eures gesunden Lifestyles“, so beschreiben die Gründer den Neuanfang auf Social Media. Doch was verbirgt sich hinter Compleat?

 Wer gerne ins Fitnessstudio geht, genauer gesagt ins Venice Beach in Heidelberg oder Heppenheim, der hat diesen Namen sicher schon gehört, denn dieser ist schwer zu übersehen. Die Foodtrucks des Unternehmens stehen direkt vor dem Eingang der beiden Studios und locken die Besucher mit gesundem und ausgewogenem Essen an. Man kann dabei entweder aus vorgefertigten Bowls auswählen oder selbst Zutaten nach Belieben zusammenstellen. Das Unternehmen zielt dabei insbesondere auf die Fitnessgänger ab, die nach dem Training nicht noch Lust haben, zuhause zu kochen.

Angefangen hat alles während des Master-Studiums an der SRH Hochschule Heidelberg. Die vier Gründer sind durch und durch SRH-Studenten. Alle haben ihren Bachelor in BWL an der SRH gemacht, wenn auch in unterschiedlichen Jahrgängen, und sie fanden dann im Master-Studiengang International Management and Entrepreneurship in einem Kurs zusammen. Ein Block des Studiums bestand darin, innerhalb von fünf Wochen ein Projekt zu entwickeln und dieses zu präsentieren. Die vier Jungs, alle selbst begeisterte Fitnessstudiogänger, jedoch nicht gerade begeisterte Köche, kamen schließlich auf die Idee, gesundes Essen vor Fitnessstudios zu verkaufen. Sie entwickelten das theoretische Projekt weiter und stellten dieses, ohne Erwartungen zu hegen, der Fitnessstudio-Kette Venice Beach vor. „Wir dachten am Anfang gar nicht, dass wir es wirklich machen“, erzählt Felix. Doch dass die Kette Interesse an einer Kooperation hat, das hat sie dann tatsächlich überrascht. Plötzlich stand eine Kooperation, ohne dass überhaupt ein Unternehmen existierte. „Dann haben wir halt angefangen“, erzählt Felix. Innerhalb von drei bis vier Monaten sollte das Konzept stehen. Dafür opferten die Jungs ihr Auslandssemester und nutzten das dafür angesparte Geld als Startkapital. Sie kauften einen Foodtruck und fingen an, ihre Idee in die Realität umzusetzen. Vom Einkauf über die Zusammenstellung der Zutaten bis hin zum Marketing übernahmen sie alles selbst. Dazu gehörten auch Testverkäufe und Caterings, die bei Felix in der Küche gekocht wurden. In dieser Phase hat ihnen das Gründer-Institut besonders unter die Arme gegriffen. Nicht nur kamen sie dadurch an günstige Räumlichkeiten und handfeste Unterstützung durch Expertenteams unterschiedlichster Fachrichtungen, das Gründer-Institut half auch dabei, erste Aufträge zu vermitteln, da das Start-up noch keine Referenzen aufweisen konnte. So kamen langsam die ersten guten Bewertungen und somit auch wertvolles Feedback. Auch am Campusfest der SRH durften die Studenten ihre Produkte vorstellen.

Das Besondere an dieser Gründung? Die gesamte Probephase lief während des Master-Studiums ab. Gelernte Inhalte konnten die Jungs so direkt im eigenen Unternehmen umsetzen und sogar ihre Masterthesis über Themen schreiben, die das Start-up voranbringen. In diesem Rahmen entstand auch die Idee einer erweiternden App, die ein Vertriebsinstrument und gleichzeitig einen kostenlosen digitalen Ernährungsberater darstellen soll. Mit diesem Konzept bewarben sich die Gründer für das EXIST-Stipendium – und auch dieses Vorhaben war von Erfolg gekrönt: Seit Oktober 2019 erhalten sie das Individualstipendium, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des Europäischen Sozialfonds, das innovative und technologieorientierte Gründungsvorhaben unterstützt – und ihnen ein monatliches Gehalt sowie eine Soforthilfe von 30.000 Euro sichert. Von diesen Mitteln wollen die Jungs einen weiteren Foodtruck kaufen, der die anderen beiden ergänzen soll. Das Stipendium erhalten sie für ein Jahr, doch die Jungs planen, auch danach weiter durchzustarten. Geplant ist ein flächendeckendes Netz an Foodtrucks erst in der Rhein-Neckar Region und später auch überregional als Franchise-Unternehmen sowie ein Lieferservice. Auch die App soll in die Praxis umgesetzt werden, was aber laut Felix noch etwa zwei Jahre dauern wird. Genug Zeit haben die Gründer nun allemal, seit diesem Jahr sind sie mit dem Master-Studium fertig und konzentrieren sich jetzt in Vollzeit auf das Projekt. Auf die Frage, ob es ihnen manchmal auch zu viel wird, antwortet Felix: „Eigentlich nicht, denn wir brennen alle für das, was wir machen!“ Und genau darin scheint das Erfolgsrezept von Compleat zu liegen.