Wer in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, kann nicht einfach zu Hause bleiben. Das kann sehr belastend sein. Prof. Helena Dimou-Diringer und Dr. Alexandra Edinger von der Heidelberger Akademie für Psychotherapie (HAP) geben Tipps, um diese Herausforderung zu bewältigen.

Systemrelevante Berufe sind Berufe, die für das Weiterfunktionieren einer Gesellschaft essenziell sind. Sie können in Krisenzeiten nicht ausgesetzt werden. Viele dieser systemrelevanten Berufe können auch nicht von zu Hause ausgeführt werden, denn die Mitarbeiter werden vor Ort gebraucht. Hierzu gehören z. B. Pflegekräfte, Ärzte, medizinisches Personal, Reinigungskräfte, Lieferanten, Köche, Apotheker, Psychotherapeuten u . v. m. Diese Menschen stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie müssen in einem Ausnahmezustand normal weitermachen und tragen noch mehr Verantwortung als sonst. Das betrifft auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRH.

Was Ihnen in diesen turbulenten Zeiten helfen kann, erfahren Sie hier:

1. Ihre Arbeit ist wertvoll

Machen Sie sich den Wert Ihrer Arbeit klar: Sie ermöglichen gerade dem Rest der Gesellschaft, zu Hause zu bleiben, um sich zu schützen. Sie halten alles am Laufen. Klopfen Sie sich hierfür ruhig auch mal auf die eigene Schulter!

„Selbstverständlich sind wir in solchen Zeiten vor Ort“ – auch solche Sätze hört man. Wenn die Alternative Homeoffice keine Alternative darstellt und es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, mehr denn je, dann kann das Berufsethos helfen.

Ist Ihr Beruf Ihre Berufung? Falls ja, besinnen Sie sich darauf! Sie haben Ihre Arbeit aus einem bestimmten Grund gewählt. Erinnern Sie sich selbst an diese Gründe.

2. Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht

Unterstützen Sie sich in schwierigen Zeiten mit sogenannten Selbstbestärkungen. Konkret heißt das, dass Sie sich hilfreiche Sätze, wie z. B. „Genau deshalb wollte ich diesen Beruf: Ich helfe anderen und leiste einen wichtigen Beitrag!“ wie ein Mantra vorsagen können.

„Ich habe diesen Beruf selbst gewählt“ – wo andere nur abwarten können, unternehmen Sie in einem systemrelevanten Beruf aktiv etwas, um das Leben am Laufen zu halten. Sie übernehmen Verantwortung und haben dabei die Kontrolle. Ihr Wirken nimmt direkten Einfluss auf die Gesellschaft – das kann in Zeiten der Ohnmacht und Hilflosigkeit ein gutes Gefühl sein.

3. Hygiene als Selbstfürsorge

Denken Sie häufig zuerst an Ihre Mitmenschen und vergessen dabei manchmal sich selbst? Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke, dass Hygiene eine Form der Selbstfürsorge bedeuten kann:

Nehmen Sie sich und Ihre Gesundheit ernst und schützen Sie sich durch geeignete Maßnahmen. Ergänzen Sie das Hygieneprogramm doch auch einmal durch eine pflegende, wohl riechende Handcreme. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass es uns besser geht. Wer etwas für sich tut, auch oder gerade im stressigen Alltag, der schätzt sich wert, erkennt seine Bedürfnisse an und begegnet diesen adäquat: eine wichtige Voraussetzung nicht nur für körperliche, sondern auch für psychische Gesundheit.

Und erinnern Sie sich daran: Wenn die bekannten Hygiene- und Sicherheitsstandards eingehalten werden, ist das Infektionsrisiko in systemrelevanten Berufen nicht höher als bei Menschen, die zu Hause bleiben können.

4. Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein     

Seien Sie geduldig mit sich: Sie vereinen gerade eine Menge verschiedener, höchst anspruchsvoller Rollen.

Sie nehmen eine wichtige Schlüsselposition ein: Sie erfüllen die Anforderungen Ihres Berufs und sind darüber hinaus besonnener Zuhörer, bisweilen Therapeut und Problemlöser in einem, bevor Sie sich zu Hause Ihren privaten Pflichten gegenüber sehen.

Dabei überschreiten die aktuellen Anforderungen häufig das Tätigkeitsprofil: In Zeiten sozialer Isolation stellen der Pflegeberuf, Ärzte, etc. Ansprechpartner dar, die Stabilität in eine wankende Welt bringen. Häufig sind diese Kontakte für viele Menschen die einzigen sozialen Kontakte an einem Tag, in einer Woche, in einem Monat.

Jeder ist ein wichtiges Glied in einer Kette, die nur besteht, wenn alle Teile zusammenhalten. Oder wie sonst sollte die Arbeit in einem Krankenhaus ablaufen, wenn Reinigungskräfte nicht die Basis hierfür schaffen oder LKW-Fahrer das benötigte Material liefern würden? Nichts würde funktionieren.

Bei allem Idealismus ist es aber nun einmal auch so, dass der Job gemacht werden muss. Wo sich viele Menschen im Homeoffice schwer tun, über Homeschooling und Höhlenkoller klagen, stehen Krankenpfleger, Ärzte, Reinigungskräfte und viele mehr jeden Morgen auf und tun, was getan werden muss.

5. Das Positive sehen

Und wenn die Moral mal ganz am Boden ist: Systemrelevant bedeutet relevant – also wichtig und v. a. krisensicher! Ihr Beruf wird benötigt und zwar egal, wie es um die Welt gerade steht. Irgendwie beruhigend – oder?

An dieser Stelle danken wir allen Menschen, die täglich zur Arbeit gehen und dabei eigene Ängste überwinden. Sie halten die Gesellschaft zusammen! Seien Sie stolz auf sich, Sie leisten gerade Unfassbares.

Zum Beitrag „Corona contra geben – unsere Expertentipps I“ zum Thema „Ich habe Angst davor, mich mit dem Virus zu infizieren“ geht es hier: https://wir-online.news/corona-contra-geben-unsere-expertentipps/