a) Safety first! – Der Sicherheitssuchende

Sicherheit ist ein zentrales, menschliches Bedürfnis. Viele Menschen fühlen sich aktuell durch Unsicherheit bedroht. Um ein Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen, neigen manche zu sogenanntem Sicherheitsverhalten:

Durch bestimmte Verhaltensweisen versuchen sie, Herr der Lage zu werden: Die einen horten Toilettenpapier, Nudeln und Mehl, die anderen checken mehrmals täglich die Nachrichten-App. Wieder andere untersuchen ihren Körper genauer und häufiger als sonst, sie „horchen in sich hinein“: Habe ich ein Kratzen im Hals gespürt? War der Husten trocken? Verspüre ich Druck auf der Brust? All diese, in anderen Zeiten als übertrieben wahrgenommenen Maßnahmen, helfen dabei, Ängste zu regulieren und die Fassung zu wahren. Das ist so lange unproblematisch, bis dieses Verhalten Sie selbst oder andere stört.

Was tun?

1. Verordnen Sie sich selbst eine Diät von all dem Sicherheitsverhalten. Setzen Sie sich hierfür konkrete Grenzen:

  • Checken Sie z. B. nur noch einmal am Tag die Nachrichten
  • Kaufen Sie nur zwei Gläser Pesto statt fünf.

Netter Nebeneffekt: frei werdende Kapazitäten, die Sie in schönere Dinge investieren können.

2. Orientieren Sie sich ein Stück weit an Typ d), dem Verdränger – ein bisschen Verdrängung ist gut und gesund, das wusste schon Freud. 😉

b) Wird schon! Der Optimist

Es gibt diese Menschen, denen die Krise nichts anzuhaben scheint: Sie behalten eine positive Sicht bei und nutzen die frei gewordenen Kapazitäten für Dinge, die sonst zu kurz kommen. Statt sich an eventuellen Reibereien, die sich zu Hause aufgrund des Homeschooling ergeben, aufzuhängen, freut sich der Optimist über den ausgefallenen Elternabend, auf den er sowieso keine Lust hatte – beneidenswert.

Die gute Nachricht? Das kann man lernen!

Die zugrundeliegende Einstellung dieser Menschen lautet: Ich habe Kontrolle über mein Leben. Anders also als der Pessimist (siehe unten). Wie man optimistischer werden kann, lernen sie weiter unten (siehe Typ c) Der Pessimist).

Was tun?

… sich freuen, dass man zu dieser Spezies gehört.

c) Wir sind dem Untergang geweiht! – Der Pessimist

Sie haben es schon immer gewusst, diese Pessimisten: Die Menschheit ist früher oder später dem Untergang geweiht und nun ist es soweit. Entsprechend Murphys Gesetz „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schief gehen“, leben diese Menschen völlig desillusioniert in dieser (manchmal wirklich schrecklichen) Welt. Dabei übersehen sie jedoch die durchaus vorhandenen, positiven Aspekte des Lebens.

Einer pessimistischen Grundhaltung liegt die folgende Annahme zugrunde: Ich bin anderen und den Umständen ausgeliefert.

Diese Grundhaltung führt sehr häufig dazu, dass die Dinge im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung tatsächlich schief laufen. Der etwas abgedroschen wirkende Spruch „Du bist, was du denkst“ trifft also zu.

Was tun?

Schaffen Sie sich Bereiche, in denen Sie Kontrolle erfahren können. Das heißt konkret: Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand!

  • Sie wollen die Ihrer Ansicht nach grundlosen, an Sie gerichteten Vorwürfe Ihres Partners nicht länger hinnehmen? Suchen Sie aktiv das Gespräch!
  • Sie wünschen sich mehr soziale Kontakte? Greifen Sie zum Handy!
  • Sie sehen nur das Schlechte? Notieren Sie jeden Abend mindestens eine Sache, für die Sie dankbar sind, die gut gelaufen ist!

Ja, es ist unbequem, aber nur so erfahren wir Positives und fühlen uns nicht länger ohnmächtig. Ihre pessimistische Sichtweise wird schnell ins Wanken kommen.

d) Freud sei Dank Der Verdränger

Das psychoanalytische Konzept der Verdrängung meint die Verschiebung von Bedrohlichem in das Unbewusste – kurzum: Das, was wir nicht wahrhaben wollen, vergessen wir ganz einfach, um uns nicht länger damit auseinandersetzen zu müssen.

Ganz konkret fallen hierunter Aussagen, wie: „Corona ist doch nur ein Hype – völlig übertrieben!“ – also das Kleinreden des Risikos, das von der aktuellen Lage ausgeht. Prinzipiell stellt diese Art des Umgangs mit Angst erst einmal eine erfolgreiche Strategie dar. Das Problem: Verdrängung hilft langfristig nicht – die Angst ist trotzdem da und wird sich ihren Weg bahnen.

Außerdem kann Verdrängung dazu führen, sich leichtsinnig zu verhalten, was wiederum für einen selbst und andere gefährlich enden kann.

Was tun?

Klar, niemand setzt sich gerne mit unangenehmen Themen auseinander, v. a. nicht mit der Angst. Aber machen Sie sich klar: Angst ist nur ein Gefühl und nicht an sich gefährlich.

Wie alle Gefühle – kommt es, geht aber auch wieder. Oder trauern Sie immer noch genauso stark wie mit 16 Ihrer Jugendliebe hinterher? Also!

Finden Sie die Mitte: Ein gesundes Maß an Verdrängung ist völlig ok, um funktionieren zu können, aber seien Sie sich auch dem Ernst der Lage bewusst.

Übrigens ist die Angst gar nicht so schlecht, wie ihr Ruf: Sie kann helfen, uns auf das Wichtige im Leben zu besinnen und zeigt, dass es offenbar (gute) Dinge in unserem Leben gibt, die wir nicht verlieren wollen.

Hier geht es zu den bisher erschienenen Tipps der Reihe „Corona contra geben“:

Ansteckungsangst

Belastungen in systemrelevanten Berufen

Homeschooling