Sie sind da: Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen! Das bedeutet auch, dass die Kinder so langsam wieder in die Schule gehen müssen. Nicht jedes Kind findet das cool. Wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie von Prof. Dr. Helena Dimou-Diringer und Dr. Alexandra Edinger.

„Endlich!“ denken viele Eltern. Anderen wiederum bereitet die bevorstehende Rückkehr ihrer Kinder in die Schule vielleicht Magenschmerzen, jetzt, wo sich alle so langsam an den neuen Alltag zu Hause gewöhnt haben. Stück für Stück kehrt die Normalität zurück und wir müssen darauf reagieren. Konkret bedeutet das:

  • Mögliche Ängste der Kinder aufgreifen und diesen begegnen
  • Umgewöhnung und Strukturierung des sich verändernden Alltags

Klingt erst mal nach einer Mammut-Aufgabe! Aber keine Sorge: Sie schaffen das.

1. Schreck lass nach!

Möglicherweise hat Ihr Kind Sorge, sich in der Schule mit dem Virus zu infizieren.

Auf unserer Seite der Heidelberger Akademie für Psychotherapie  (www.hap-ambulanz.de) haben wir wertvolle Tipps aus unterschiedlichsten Quellen (z. B. WDR, BzGa, Unicef, Logo, etc.), auch im Umgang mit den Kleinsten, zusammengestellt. Hier erfahren Sie z. B., wie Sie Ihrem Kind das Virus erklären können, wie schon die Kleinsten einen guten Umgang mit der neuen Situation schaffen und wie Sie auf Ängste Ihres Kindes eingehen können – und keine Sorge: Dazu müssen Sie kein Therapeut sein!

2. Kein Bock!

Angst ist gar nicht das Thema Ihres Kindes? Es hat einfach nur keine Lust, die Freiheiten der letzten Wochen aufzugeben?

Begegnen Sie dieser Situation ganz entspannt: Die Schule startet nicht von 0 auf 100. Voraussichtlich erleben die Kinder einen schrittweisen Wiedereinstieg. Aber egal wie, besprechen Sie mit Ihrem Kind die positiven Seiten des Wandels: Es wird wieder seine Freunde sehen, mit dem Schulbeginn warten weitere Lockerungen, wie z. B. die Wiederaufnahme von Hobbys. Wetten, dass Ihr Kind das so noch gar nicht gesehen hat? Wichtig ist, den ersten Schritt zu gehen: Ist der erste Tag geschafft, fallen die folgenden viel leichter – versprochen.

3. Dauerbrenner: Hygiene

Üben Sie mit Ihrem Kind die Hygiene- und Abstandsregeln ein. Gehen Sie dabei spielerisch vor: Auf unserer Seite (s. o.) haben wir bereits hilfreiche Internetseiten zusammengestellt, die beim Einüben des richtigen Händewaschens und weiterer Maßnahmen helfen können.

Profitipp: Nutzen Sie die sogenannte „Teach-back“-Methode. Das bedeutet, dass Sie sich von Ihrem Kind die richtigen Hygieneregeln erklären und zeigen lassen. Somit vermeiden Sie Machtkämpfe sowie Widerstand und ihr Kind erlebt sich wirkungsvoll.

4. Business as usual

Ihnen kommt die Situation vielleicht gerade sehr neu und daher nur schwer bewältigbar vor! Aber vergessen Sie nicht: Eigentlich sind Sie genau darin Profi. Greifen Sie auf Ihre jahrelange Erfahrung zurück!

Jedes Jahr das Gleiche: Nach den Sommerferien beginnt wieder der Alltag – eine Herkules-Aufgabe! Aber auch kürzere Ferien haben diesen Effekt: Vieles war entspannt, es gab morgens kaum Zeitdruck und von einem auf den anderen Tag ist wieder alles anders. Nutzen Sie dieses Prinzip und bereiten Sie Ihre Kinder, ähnlich wie nach den Sommerferien, auf den wieder beginnenden Schulbesuch vor. Unsere Tipps können Sie in Ihrem Vorgehen unterstützen:

a) Bereiten Sie mit Ihrem Kind gemeinsam den Schulranzen vor; am besten schon freitags vorher: Fehlende Dinge können so noch stressfrei besorgt werden.

b) Trainieren Sie das frühe Aufstehen: Fangen Sie damit am besten schon ein paar Tage vor dem eigentlichen Schulbeginn an – so stellt sich der Biorhythmus der ganzen Familie um. Kinder im Grundschulalter benötigen übrigens ca. 10-11 Stunden Schlaf pro Nacht. Belohnen Sie das frühe Aufstehen mit einem leckeren Frühstück oder gemeinsamen Spiel – so fällt die Umstellung leichter.

c) Gestalten Sie einen netten Einstieg: Verwöhnen Sie Ihr Kind in der ersten Schulwoche etwas mehr als sonst. Legen Sie ihm etwas Süßes in die Brotbox, wecken Sie es sanfter als sonst und holen Sie es vielleicht sogar mal ab, wenn es ansonsten läuft bzw. Bus oder Bahn nimmt.

5. Picken Sie sich die Rosinen heraus

Klar, die Umstände könnten schöner sein, aber neben Stress und Angst hat die Corona-Krise viele Familien enger zusammen gebracht und Rituale entstehen lassen, für die im „normalen“ Alltag vielleicht keine Zeit war.

Nehmen Sie doch ein paar Dinge mit: Vielleicht hat es ihr Jüngster genossen, einmal in der Woche mit Papa zu kochen (und Sie vielleicht auch?) oder aber, dass die ganze Familie abends noch Monopoly spielte.

Neben extra Familienzeit erzeugen Sie hiermit ganz beiläufig noch einen netten Effekt: Schon solche kleinen Rituale reichen nämlich aus, um ein Gefühl von Sicherheit in einer sich schnell verändernden Welt zu etablieren – das hilft, den Übergang in die Schule zu erleichtern, auch für Sie.

6. Die Rolle rückwärts meistern

Die letzten Wochen haben es gezeigt: An Ihnen ist eine Lehrerin/ein Lehrer verloren gegangen! Sie haben das Home Schooling nicht verteufelt, sondern genossen. Sie haben die Verantwortung nicht als Bürde, sondern als Herausforderung und große Befriedigung wahrgenommen.

Und jetzt? Alles vorbei – Sie sind wieder ausschließlich Mutter bzw. Vater.

Auch wenn Ihnen etwas fehlen wird: Vermeiden Sie Übergriffigkeit. Ab jetzt ist wieder eine Lehrerin bzw. ein Lehrer hauptverantwortlich für die Bildung Ihres Kindes. Tragen Sie keine Machtkämpfe mit Lehrern aus. Sie könnten Ihrem Kind hiermit schaden.

Die frei gewordenen Ressourcen können anderweitig genutzt werden. Kümmern Sie sich mal wieder um sich, wenn die Kinder in der Schule sind und wenn Sie der Gedanke gar nicht mehr los lässt: Engagieren Sie sich! Es gibt zahlreiche ehrenamtliche Möglichkeiten, Menschen zu unterstützen (z. B. Deutschkurse für Menschen mit Migrationshintergrund oder Nachhilfe geben – ist alles auch online möglich!).

7. Und wieder mal: Geduld!

Nicht alle Fragezeichen werden sofort aufgelöst! Vieles wird erst einmal in der Schwebe bleiben. Genaue Planungen bleiben somit unmöglich.

Denken Sie daran: Ihrem Kind geht es nicht anders. Eben noch hat es tagelang bunte Blätter und E-Mails mit zahlreichen Aufgaben der einzelnen Lehrer bearbeitet und nun sitzt es wieder in der Schule. Die Art zu lernen verändert sich, vielleicht muss noch Stoff aufgeholt werden? Es ist nicht zu erwarten, dass alle Haushalte gleich gut mit den Anforderungen zurechtgekommen sind. Wahrscheinlich wird der Lernstoff nicht nahtlos weitergeführt, da sich zunächst alle auf ein gemeinsames Niveau einpendeln müssen – und das braucht Zeit. Setzen Sie sich bzw. Ihr Kind also nicht unter Druck, sollte es etwas hinterherhinken.

8. Übrigens …

Alle Eltern, die jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil sie sich insgeheim sehr, sehr freuen, dass die Schule wieder startet: Müssen Sie nicht! Millionen Eltern geht es genauso …  – haben wir gehört. 😉

Hier geht es zu den bisher erschienenen Tipps der Reihe „Corona contra geben“:

Ansteckungsangst
Belastungen in systemrelevanten Berufen
Homeschooling
Homo Corona
Konflikte meistern
Immun gegen Corona
Corona-Blues
Corona-Virus und Freundschaften