Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 ist zwar in vollem Gange, dauert jedoch vermutlich noch ein wenig. Wie Sie derweil Ihre Psyche gegen Corona impfen können, erfahren Sie von Prof. Helena Dimou-Diringer und Dr. Alexandra Edinger von der Heidelberger Akademie für Psychotherapie (HAP).

Maskenpflicht, Homeoffice und Mindestabstand: Wir tun gerade alles Erdenkliche, um uns vor einer Ansteckung zu schützen und körperlich gesund zu bleiben. Klar, der körperliche Aspekt der Krise ist sehr präsent: Die Tatsache, dass schwere Krankheitsverläufe verzeichnet werden, alarmiert viele Menschen und führt zu umfassenden Schutzmaßnahmen. Das ist natürlich auch richtig so.

Aber was ist mit unserer psychischen Gesundheit? Viele Menschen bangen um ihre Jobs. Das geht mit finanzieller Unsicherheit einher. Der Balanceakt zwischen Homeschooling und Homeoffice wird zunehmend belastend und viele leiden unter der Kontaktsperre. Die psychologische Komponente dieser Krise wird häufig vernachlässigt. Doch auch unsere Psyche will gepflegt und geschützt werden. Denn der Stress, dem wir momentan ausgesetzt sind, kann krank machen. Muss er aber nicht.

1. Social Distancing? Virtual Dating!

Social Distancing – ein unglücklich gewähltes Schlagwort. Dabei ist v. a. die räumliche Trennung zu Freunden und Verwandten gemeint. Sozial sollte es aber dennoch zugehen. Und zwar mehr denn je. Nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Medien und Kanäle, um in Kontakt zu bleiben, wie z. B. Videochat, Telefon, Mail sowie Sprachnachrichten. Auch virtuell lässt sich gemeinsam eine Tasse Kaffee trinken oder musizieren. Soziale Kontakte sind gerade in Krisenzeiten das A und O, weshalb diese unbedingt aufrechterhalten werden sollten. Konzentrieren Sie sich auf Personen, die Sie verstehen, bestärken, Ihnen einfach guttun.

2. Alles anders? Nicht alles!

Alles ist neu, wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt. Über Nacht hat sich die Welt verändert und wir erkennen sie nicht wieder.
Aber STOPP! Erinnern Sie sich daran, was Sie schon alles geschafft haben. Ihre Fähigkeiten und Stärken sind nicht einfach verpufft. Sie verfügen nach wie vor darüber. Wir neigen aktuell allzu schnell dazu, nur eine Momentaufnahme zu betrachten. Dabei ist gerade jetzt wichtig, den Blickwinkel zu weiten.

Die folgenden Fragen können dabei helfen:
Was mache ich gerne? Was kann ich gut? Was schätze ich an mir? Was schätzen andere an mir? Welche Menschen geben mir Kraft und machen mich glücklich?

Vergegenwärtigen Sie sich außerdem, was Sie in Ihrem Leben schon alles gemeistert haben! Es ist wichtig, dass Sie wieder Sicherheit gewinnen und sich Ihre vielfältigen Stärken klar machen. Ja, die Krise hat vieles verändert, aber Sie sind immer noch die/der Alte – vertrauen Sie darauf.

3. Lachen – auch unter der Maske gesund!

Vielen Menschen ist das Lachen vergangen. Schade, denn Humor kann helfen, mit Krisen umzugehen. Lachen Sie also, auch wenn Ihnen nicht danach ist. Das Internet ist voll von lustigen Videos und GIFs. Und bestimmt haben Sie in der neuen Corona-Welt auch schon skurrile Situationen im Supermarkt oder der Drogerie beobachtet – teilen Sie diese mit Ihrer Familie und Freunden.

4. Die Perspektive machts!

„Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht“ – dieses Zitat von Jean Anouilh bringt es auf den Punkt.

Ein und dieselbe Situation kann von zehn unterschiedlichen Menschen zwölf Mal anders wahrgenommen werden. Das erklärt auch, warum die aktuelle Krise an manchen Menschen scheinbar spurlos vorüber geht, während andere am Limit sind – die Bewertung der Situation ist der Knackpunkt.

Wer sich vor allem als Opfer wahrnimmt, der fühlt sich ohnmächtig und bleibt handlungsunfähig. Treten Sie aus der Opferrolle heraus und werden Sie aktiv: Helfen Sie, wo Sie können, nehmen Sie Einfluss. Unterstützen Sie z. B. andere und tun Sie Gutes. Egal, ob Sie den lokalen Einzelhandel oder die Gastronomie unterstützen oder für Ihren älteren Nachbarn einkaufen gehen – Sie helfen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. Anderen zu helfen, ist immer ein gutes Gefühl. Sie handeln aktiv und lindern Probleme, die die aktuelle Krise aufwirft. Dadurch stellt sich ein Gefühl von Kontrolle ein – die beste Medizin gegen Unsicherheit und Hilflosigkeit.

5. Hinnehmen, was einfach nicht zu ändern ist

Sie sind ein Macher (bzw. eine Macherin)? Ihnen gelingt alles? Sie kontrollieren für gewöhnlich die Situation? Tja, jetzt nicht!

Die schlechte Nachricht lautet: Gerade können Sie an der Grundsituation rein gar nichts ändern. Niemand ist dafür verantwortlich und wir sitzen alle im selben Boot. Und obwohl wir die Krise nicht verursacht haben, müssen wir doch mit ihr umgehen – unfair! Ja, aber es bringt uns nicht weiter, mit diesem Umstand zu hadern. Das hat übrigens auch nichts mit Resignation zu tun!

Es geht darum, Handlungsspielräume auszumachen und diese zu nutzen (siehe Punkt 4). Aber leider gibt es auch Bereiche, die wir nicht in der Hand haben – und die gilt es zu akzeptieren. Fragen, wie: „Warum?“, „Warum gerade jetzt?“ und Co. sind nicht hilfreich. Wir finden keine Antwort darauf und drehen uns nur im Kreis. Dadurch bleiben wir handlungsunfähig und können keinen tatsächlichen Einfluss auf die Situation nehmen, da wir uns mit Dingen aufhalten, die wir einfach nicht ändern können.

Sparen Sie sich diese Energieverschwendung und konzentrieren sich lieber auf das, worauf Sie Einfluss nehmen können.

6. Pflegen Sie den Kontakt zu wichtigen Menschen – insbesondere zu sich selbst!

Die Auswahl an Menschen, mit denen wir aktuell unsere Zeit verbringen, ist deutlich eingeschränkt. Die perfekte Chance, die verbleibenden Verbindungen aktiv zu pflegen.

Eine häufig vernachlässigte Beziehung sollte dabei besonders in den Fokus rücken: nämlich die zu sich selbst. Wann haben Sie das letzte Mal ein spannendes Buch gelesen, lagen in der Wanne oder sind einfach mal ihren Gedanken nachgehangen? Eben! Ein wichtiger Aspekt bei diesem Wellnessprogramm für die Seele liegt aber auch auf Ihrem Körper: Pflegen und halten Sie ihn fit. Bewegung, ein gesunder Lebensstil und Entspannung sind hierbei wichtige Stichworte. Es geht allerdings nicht um „richtiges oder falsches Verhalten“, darum täglich Sport zu machen oder nur noch Salat zu essen, wenn man darauf gar keine Lust hat.

Es geht darum, sich selbst gut zu behandeln. Hören Sie auf sich: Was tut Ihnen gut, was können Sie sich gönnen? Das kann dann auch mal die Schwarzwälder Kirschtorte sein. Okay, vielleicht nicht die ganze Torte auf einmal. 😉

Hier geht es zu den bisher erschienenen Tipps der Reihe „Corona contra geben“:

Ansteckungsangst
Belastungen in systemrelevanten Berufen
Homeschooling
Homo Corona
Konflikte meistern