1. „Wir sind im Krieg“

Mitte März diesen Jahres machte der französische Präsident Macron sein Volk auf den Ernst der Lage mit folgendem, etwas dramatischem Satz aufmerksam: „Wir sind im Krieg“. Betrachtet man die durch Covid-19 eingetretenen Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene hinkt der Vergleich insofern, als dass zu Kriegszeiten klar war, wer Feind und wer Freund ist. Das ist heute anders: Potenziell stellt jeder Mensch eine Gefahr für die eigene Gesundheit dar. Dieser Umstand ist besonders und verändert alles. Wir behandeln uns gegenseitig manchmal wie Schwerverbrecher. Diese Impulse sind erst einmal nachvollziehbar, wir dürfen aber nicht vergessen, dass sich wiederholt und regelmäßig gezeigtes Verhalten verfestigen kann, frei nach dem Motto: „Übung macht den Meister“. Wenn wir also in ein paar Monaten wieder normal miteinander umgehen und eben nicht Meister im Misstrauen sein wollen, sollten wir jetzt schon die Weichen dafür stellen. Versuchen Sie also, den übergreifenden Argwohn abzulegen und die Bäckereifachverkäuferin nicht wie einen Superschurken zu behandeln.

2. Schau mir in die Augen!

Als soziale Wesen ziehen wir viele nonverbale Informationen aus den Gesichtsausdrücken unseres Gegenübers. Laut Expertenmeinung sind bis zu 80 Prozent der Signale im Rahmen unserer Kommunikation nonverbal – mit Maske dürfte dieser Prozentsatz drastisch sinken! Tatsächlich bleibt nur noch gut ein Drittel des Gesichts unverhüllt. In unserer westlichen Kultur betrachten wir v. a. die Mundpartie, um das Gesagte richtig deuten zu können – und die fällt gerade aus. Das führt zu Verunsicherung: Wie hat der andere den Satz gerade gemeint? Ernst oder doch ironisch?

In asiatischen Ländern ist das ganz anders: Hier werden nonverbale Informationen eher aus der Augenpartie bezogen. Diese offenbart nämlich genauso viel. Das sollte uns bewusst sein, wenn wir mit anderen interagieren. Ein Lächeln wird nicht nur über die Mundpartie, sondern auch über die Augen ausgedrückt: die Ringmuskeln um die Augen ziehen sich bei einem (echten!) Lächeln zusammen.

Tatsächlich verzichten viele Menschen aktuell auf das Aussenden nonverbaler Signale, da sie davon ausgehen, hinter der Maske unsichtbar zu sein! Das ist ein Trugschluss. Also nichts wie ran: Blickkontakt aushalten lernen und sich mehr auf die Augen konzentrieren. So können Sie Ihren Schwarm im Übrigen auch ganz souverän mit einem Kompliment zu seinen/ihren blaugrünen Augen mit den gelben Sprenkeln beeindrucken. 🙂

3. Die Maske als Unsichtbarkeitsschild?

In der Öffentlichkeit gilt häufig ein Vermummungsverbot. Hintergrund ist die leichtere Identifikation von Straftätern – z. B. bei einem Banküberfall oder bei öffentlichen Demonstrationen. Die Vermummung bietet also Schutz und ein Gefühl der Anonymität. Das führt im Rahmen der aktuellen Maskenpflicht dazu, dass Unfreundlichkeit zunimmt.

Die Maske als Unsichtbarkeitsmantel und somit Freibrief für rüdes Verhalten? Nein, die Maske soll eigentlich nur eine Ansteckung verhindern und nicht ein soziales Miteinander.

Die Grundlage dafür schaffen Sie:

a) Bleiben Sie selbst freundlich, denn: Unfreundlichkeit ist ansteckend! Also selbst disziplinieren, auch unter der Maske lächeln und höflich bleiben, auch wenn Sie gestresst sind. Somit dienen Sie als Vorbild und werden feststellen, dass sich Ihre Laune ebenfalls verbessert.

b) Reduzieren Sie andere Menschen nicht auf ihr Infektionspotential, sondern betrachten Sie sie weiterhin als das, was sie sind: Menschen!

Vermutlich werden Sie häufiger mit unfreundlichen Zeitgenossen konfrontiert sein. Probieren Sie dann mal folgendes:

c) Lassen Sie die schlechte Laune bei Ihrem Gegenüber und nehmen Sie sich diese nicht an. Die Launen Anderer haben in aller Regel überhaupt nichts mit Ihnen zu tun. Häufig hängt dem Anderen noch ein Beziehungsstreit oder ein anderes Problem nach. Bei Fremden können Sie auch einfach weitergehen, ohne näher auf die Situation einzugehen. Sie müssen nicht jeden Kampf ausfechten, das schont die Nerven.

d) Eigene Gelassenheit und Freundlichkeit können äußerst entwaffnend sein, da der Kontrast zu dem unfreundlichen Verhalten des Anderen sehr deutlich wird. Sollten Sie also angegriffen werden, dann bleiben Sie cool: Wenn Sie nicht mit einem Gegenangriff reagieren, kann schließlich auch kein Kampf stattfinden.

e) Fragen Sie Ihr Gegenüber, was los ist: Insbesondere, wenn es um engere Kontakte geht, lohnt sich das Nachhaken. Häufig werden Sie erfahren, dass eigentlich etwas ganz anderes hinter dem unfreundlichen Verhalten steckt. Außerdem fühlt sich der Andere gesehen und muss nun erst einmal erklären, was hinter seinem Verhalten steckt und kann nicht einfach weiterhin unfreundlich sein. Wichtig: Bei allem Verständnis dürfen und sollten Sie anschließend selbstverständlich klar machen, dass Sie so nicht mehr angegangen werden möchten, denn Sie sind auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen.

f) Alles auf Anfang: Sollte es trotzdem mal zur Auseinandersetzung gekommen sein, ist es dennoch nicht zu spät, um souverän zu reagieren. Starten Sie nochmal neu, z. B. mit folgendem Satz: „Das Gespräch ging gerade in eine falsche Richtung – wollen wir nochmal von vorne anfangen?“ – Ihr Gegenüber wird bestimmt nicht abgeneigt sein.

4. Soziale Kompetenz – das neue It-Piece

Soziale Kompetenz, also der angemessene Umgang mit anderen Menschen, ist gefragter (und notwendiger) denn je! Da uns aktuell nur  noch wenige Kanäle für die zwischenmenschliche Interaktion zur Verfügung stehen (siehe Punkt 2) ist es umso wichtiger, eigene Bedürfnisse klar auszudrücken, um Missverständnisse zu vermeiden. Ebenso gilt: Nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Mitmenschen. Schlechte Laune ist nicht nur nicht hilfreich, sondern auch noch ansteckend – vielleicht noch mehr als das Corona-Virus!

Ich-Botschaften helfen, die richtige Message auszusenden: Beschreiben Sie Ihre Gefühle und vermeiden Sie Vorwürfe (Besser: „Ich fühle mich nicht gesehen“, anstatt: „Du hast schon wieder vergessen, mich anzurufen“).

5. Aggressionen zähmen

Die zahlreichen Einschränkungen und Verbote stressen gewaltig und hinterlassen uns reizbarer als sonst. Ständig wird man zurechtgewiesen („Setzen Sie eine Maske auf!“; „Sie benötigen einen Einkaufswagen“, …) und vieles macht keinen Spaß mehr.

Wenn Sie sich immer öfter insgeheim die Frage stellen „Was würde Klaus Kinski tun?“, dann sind Sie reif für unseren Anti-Aggressions-Tipp: Körperliche Bewegung baut Stress ab und manchmal ist es wichtig, dem Druck nachzugeben! Tun Sie dies lieber auf sozial verträgliche Weise: Also Musik laut aufdrehen, um den Block rennen und ins Kissen schreien! Sie dürfen sich dabei natürlich auch vorstellen, wie Sie Ihren nervigen Kollegen so richtig in die Schranken weisen! Die Gedanken sind schließlich frei. 🙂

Hier geht es zu den bisher erschienenen Tipps der Reihe „Corona contra geben“:

Ansteckungsangst
Belastungen in systemrelevanten Berufen
Homeschooling
Homo Corona
Konflikte meistern
Immun gegen Corona
Corona-Blues
Corona-Virus und Freundschaften

Schulfit