Viele Menschen haben momentan Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Prof. Helena Dimou-Diringer und Dr. Alexandra Edinger von der Heidelberger Akademie für Psychotherapie (HAP) erklären, wie Sie mit dieser Angst konstruktiv umgehen können.

Sie können sich vor einer Ansteckung schützen, indem Sie die empfohlenen Sicherheits- und Hygienestandards gewissenhaft einhalten. (z. B. www.bzga.de).Um mit der eigenen Angst konstruktiv umzugehen, ist zudem ein Realitäts- oder Faktencheck sinnvoll. Konkret heißt das: Informieren Sie sich und beherzigen Sie die folgenden Schritte:

1. Checken Sie die Fakten. Bleiben Sie Realist. Denken Sie in Wahrscheinlichkeiten, nicht in Möglichkeiten!

Wie wahrscheinlich ist es, an einer Infektion zu erkranken?
Sehr hoch in einem Zeitrahmen von zwei Jahren und bei Wiederaufnahme eines normalen Lebens ohne Einschränkungen.

ABER: Was bedeutet das?

Stellen Sie sich lieber die Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf des COVID-19 zu erleiden?
Sehr gering, wenn nicht unwahrscheinlich, wenn Sie nicht zu einer höheren Altersgruppe gehören und an keiner Vorerkrankung leiden.

Und: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben?
Nahezu null, wenn Sie nicht zu einer Risikogruppe gehören; die Wahrscheinlichkeit an einem Autounfall zu sterben liegt unschätzbar höher als an COVID-19.

Das deutsche Gesundheitssystem gilt als eines der besten weltweit, sowohl was die Qualität der Versorgung als auch die Quantität im Sinne von Intensivbetten pro Einwohner angeht. Machen Sie sich bewusst, dass die Sicherheitsvorkehrungen und Freiheitseinschränkungen in erster Linie NICHT Ihnen als gesunden Menschen gelten, sondern den Risikogruppen. Es geht weniger um Ihre Gesundheit, als vielmehr um Solidarität und Ihre soziale Verantwortung.

2. Seien Sie genau!

Was bedeuten die Informationen, die Sie erhalten?
Heißen Infizierte z. B. tatsächlich Infizierte oder sind damit positiv Getestete gemeint? Die meisten positiv Getesteten erleben eher einen milden Verlauf und bemerken diesen z. T. gar nicht oder nehmen diesen lediglich als Erkältung wahr.

Hören Sie von einem Todesfall, schauen Sie genauer hin: Wie alt wurde der Patient, litt er an Vorerkrankungen? Verursachte COVID-19 den Tod oder ein anderes Leiden? Außerdem ist Risikogruppe nicht gleichzusetzen mit Risikopatient! Nur, weil Sie vielleicht ein erhöhtes Risiko aufweisen, an COVID-19 zu erkranken, heißt das nicht, dass die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen muss.

Beachten Sie hierzu unbedingt auch den nächsten Punkt. Ein Realitäts- bzw. Faktencheck kann nur vor dem Hintergrund seriöser Informationen funktionieren.

3. Suchen Sie die Informationsquellen sorgfältig aus! 

Welchen Informationsquellen kann ich vertrauen?
Aktuell kursieren im Internet zahlreiche, z. T. irreführende Informationen rund um COVID-19. Hier kann es schnell passieren, dass man an unseriöse oder schlecht recherchierte Informationen gerät. Informieren Sie sich daher ausschließlich auf seriösen Seiten, wie z. B. der Landes- und Bundesregierung oder der Internetseite des Robert Koch-Instituts. Verlässliche Zahlen bietet darüber hinaus die Seite der Johns-Hopkins Universität in Baltimore (USA). Weiterhin können Sie über Seiten des ZDF und ARD auf neueste Nachrichten zugreifen. Weitere hilfreiche Internetseiten finden Sie untenstehend.

Wolf im Schafspelz: Wie erkenne ich unseriöse Informationen?
Hinweise auf unseriöse Informationen können sein: das Fehlen von Quellenangaben, Nachrichten bzw. Videos, die Sie per Whatsapp erreichen. Leiten Sie diese nur nach Überprüfung der Quelle weiter: Wurden einzelne Sätze vielleicht nur aus dem Kontext gerissen und somit die zugrundeliegende Aussage verändert? Seien Sie ebenfalls vorsichtig bei Informationen in den sozialen Medien, wie Instagram, Twitter oder Facebook.

Ein weiteres Zeichen, dass es sich womöglich um unseriöse Informationen handeln könnte, sind bunte, besonders auffällige Artikelüberschriften oder solche, die sehr reißerisch formuliert sind. Vertrauen Sie hierbei auch auf Ihr Gespür.

Und sonst?
Besprechen Sie sich außerdem mit anderen Menschen, teilen Sie Ihre Sorgen und holen sich weitere Meinungen ein. Suchen Sie auch Kontakt zu Menschen, die fachlich mit der Thematik vertraut sind und bei allem Wissensdurst: Gönnen Sie sich auch mal eine Pause von den Nachrichten zur aktuellen Pandemie! Faustregel: sich 1 x pro Tag informieren ist völlig ausreichend.

Fake News verführen zu falschen Einschätzungen und damit zu falschem Handeln! Es ist wichtig, den Ernst der Lage zu erkennen, ohne dabei in Panik zu verfallen.

Hilfreiche Seiten im Netz

Zusammenfassend gilt zu sagen:

  • Sachlich bleiben, sich sachlich informieren
  • Setzen Sie auf ganzheitliche Informationen: wenn Sie von Infektions- und Todeszahlen hören, betrachten Sie auch die Rate der Genesenen und vergegenwärtigen sich, wie viele Fälle auch unentdeckt bleiben
  • Genau prüfen: insbesondere bei Todesfällen: Todesalter und Vorerkrankungen hinterfragen
  • Zahlen in Relation setzen: Infektionszahlen mit anderen Erkrankungen vergleichen und die Anzahl der Todesfälle in Relation zur Bevölkerungszahl setzen
  • Hinterfragen Sie Ihre eigene Angst: warum habe ich so viel Angst vor dem Corona-Virus, wo andere Gefahren doch viel wahrscheinlicher und bedrohlicher sind (Autounfall, Influenza)?

Zu unserem nächsten Expertentipp „Belastungen in systemrelevanten Berufen“ geht es hier: https://wir-online.news/corona-contra-geben-unsere-experten-tipps-ii/