„Ist Entspannung plötzlich anstrengend geworden?“ Das fragt Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig, während ihre Mutter in Quarantäne zuhause sitzt und ihr Vater mit aller Mühe versucht, sein Geschäft am Laufen zu halten. „Wie konnte meine größte Sorge dann sein, dass ich lieber am Neckar liegen würde, als zuhause zu entspannen?“

Den ganzen Tag zuhause bleiben, den Pyjama einfach den ganzen Tag anlassen und gemütlich fernsehen. Schwupps…da weiß man nicht mehr, welcher Tag, geschweige denn, welche Uhrzeit es gerade ist.

Einen Tag nur faulenzen und fernsehen, das hört sich nach meiner absoluten Kindheitsfantasie an. Wie oft habe ich versucht, meine Mutter davon zu überzeugen, dass es mir schlecht geht und ich deshalb auf keinen Fall in die Schule gehen kann. Leider habe ich mich mit der Falschen angelegt, das Fernsehkabel lag von da an jeden Tag auf ihrem Schreibtisch bei der Arbeit…

Was ich mir als Kind so oft gewünscht habe, scheint plötzlich nicht mehr ganz so attraktiv. Aus einem Tag sind nun schon mehrere geworden und wann sich die Lage wieder beruhigt, ist unsicher.

Anfangs erschien die Lage noch harmlos. Freitag war ich noch auf der Arbeit, alles lief normal. Die Corona-Pandemie war zwar zentrales Gesprächsthema, doch von Panik keine Spur. Es wurden noch Witze gemacht, ob man sich denn am Montag wiedersieht oder ob die Büros geschlossen werden. Nachmittags kam dann die Nachricht, dass das Seminar, welches ich am Wochenende belegen sollte, abgesagt werden musste. Ich muss zugeben, so niedergeschlagen war ich da auch wieder nicht. Ich freute mich auf ein freies Wochenende. Noch dazu war das Wetter unschlagbar gut! Normalerweise würde mich ein solches Wetter sofort in meine Lieblingscafés ziehen, doch diesmal nicht. Trotzdem wollten mein Freund und ich ein bisschen an die frische Luft kommen und beschlossen deshalb, am Neckar joggen zu gehen. Von Krisenstimmung war nichts zu merken. Freunde grillten gemeinsam, Familien picknickten und auch in den Cafés waren alle Tische belegt. Ich fühlte mich wie im falschen Film, hatten die Leute keine Nachrichten geschaut…?

Ich muss zugeben, ich fühlte mich unwohl. Während ich die Leute verurteilte, dass sie in der jetzigen Lage überhaupt daran denken konnten, sich mit Freunden zu treffen, war ich selbst Teil dieser Szenerie. Die Joggingrunde fiel deshalb kleiner aus als üblich und wir zogen uns schnell wieder in die Wohnung zurück. Netflix wurde angeschaltet und es fühlte sich an wie ein normaler entspannter Sonntag.

Das Wochenende ging schneller rum als gedacht, doch spätestens am Dienstag, Tag 2 der sozialen Isolation, überkam mich endgültig die Langeweile. Die Handlungen meiner Lieblingsserien schienen nicht voranzukommen, mein Buch war ausgelesen und die Wohnung fühlte sich plötzlich um einiges kleiner an als zuvor. Der Blick aus dem Fenster hob meine Stimmung auch nicht an. Von draußen dröhnte KC Rebell, eine Gruppe von mindestens fünf Leuten spielte Fußball und die Neckarwiese war voll mit Eis essenden Menschen. Zu meiner Langeweile und dem Frust kam nun also auch noch eine gehörige Portion Wut auf die Leute, die da draußen die Sonne genossen. Wie gerne würde ich auch da draußen sitzen…

Doch die aktuelle Lage hielt mich davon ab. Während meine Mutter in Quarantäne zuhause sitzt und mein Vater mit aller Mühe versucht, sein Geschäft am Laufen zu halten, wie konnte meine größte Sorge dann sein, dass ich lieber am Neckar liegen würde, als zuhause zu entspannen? Ist Entspannung plötzlich anstrengend geworden?

Dienstagnachmittag war es dann soweit: Freiwillig, aus eigener Motivation heraus und mit vollem Tatendrang fing ich an meinen Kleiderschrank auszumisten. Ein Beweisbild ging an dieser Stelle an meine Mutter, die mit der gesamten Emoji-Bandbreite reagierte. Ich fühlte mich wie Marie Kondo, so viel Ordnung war schon lange nicht mehr in meinem Schrank. Meinem Aufräumwahn war damit aber noch kein Ende gesetzt, auch sämtliche anderen Schränke mussten dran glauben.

Der Vorteil, wenn man aufräumt – man findet Dinge, die man schon ewig nicht mehr in der Hand hatte. So kam mein verstaubter Zeichenkoffer wieder zum Vorschein, der nun wieder im Einsatz ist. Meine tollste Entdeckung? SIMS. Das Computerspiel, dass mich früher, wie viele andere Mädchen, stundenlang beschäftigt halten konnte, erlebt in den kommenden Tagen wohl ein Revival. In dem Sinne geht vielleicht doch ein Kindheitstraum in Erfüllung. Und wenn man mal ehrlich ist, zuhause zu bleiben ist doch eigentlich wirklich nicht schwer.

Was ist eure tollste Entdeckung in der Corona-Zeit? Schickt eure Geschichte mit Bild an Wir-Online: janna.vongreiffenstern@srh.de, wir veröffentlichen sie gerne!