Die Physiotherapeutin und SRH Mitarbeiterin Nadine Gallenbach hat bei den Paralympischen Spielenin Rio das Schweizer Team betreut.

Die Zusage kam Ende Juli. Wie auch die Athleten, erfahren die Betreuer bei den paralympischen Spielen sehr knapp vorher, ob sie dabei sind oder nicht. Vorher heißt es Bangen und Hoffen. Freuen konnte ich mich erst, als ich die schriftliche Zusage in den Händen hielt. Schon mit 16 Jahren wollte ich Physiotherapeutin werden und hatte den Traum, bei den Paralympics mit einer Mannschaft bei der Eröffnungsfeier ins Stadion einzulaufen.

Olympia war wie ein Sog für mich: 2004 war ich als Volunteer bei den Paralympics in Athen, 2008 als Zuschauerin in Peking. Doch zuschauen reichte mir nicht. Von November 2007 bis August 2015 arbeitete ich in der Schweiz als Physiotherapeutin in einem Zentrum für Querschnittgelähmte. Nach meiner Weiterbildung zur Sportphysiotherapeutin wollte ich unbedingt eine paralympische Sportart betreuen und bin so über eine Kollegin nach Nottwil gelangt. Dort befindet sich das europaweit größte Zentrum für Querschnittgelähmte und der Stützpunkt für die paralympischen Sportarten in der Schweiz. Ende 2008 wurde ich Nachwuchsverantwortliche und Team-Physio der Schweizer Handbike Nationalmannschaft. Seither betreue ich das Team bei Trainingslagern, Weltcups und Weltmeisterschaften.

2012 wurde mein paralympischer Traum wahr: Ich lief als offizielles Teammitglied mit der Schweizer Delegation in das voll besetzte Stadion in London ein. Es war unglaublich toll und ich wünschte mir seitdem, auch in Rio 2016 wieder dabei sein zu dürfen. 2015 wechselte ich an die Fakultät für Therapiewissenschaften der SRH Hochschule Heidelberg. Da ich jedoch nach wie vor als Betreuerin der Schweizer Handbike Nationalmannschaft arbeitete, erfüllte ich weiterhin die Voraussetzungen für die Nominierung bei den Paralympics in Rio.

Die Vorbereitungen für die Spiele begannen bereits vor etwa zweieinhalb Jahren. Wir bekamen Infos, Kleideranproben und Medienschulungen, Kollegen reisten vorab nach Brasilien, um sich vor Ort alles anzuschauen und es wurde im Hintergrund viel organisiert. Im Medical Team erstellten wir eine Liste an benötigten Arbeitsmaterialien: von Medikamenten über Tapeverbände bis hin zu Behandlungsliegen und Kühlwesten.

Um für die 22 Schweizer Athleten optimale Bedingungen zu schaffen, reiste ich zusammen mit zwei weiteren Physiotherapeuten und 19 weiteren Betreuern schon etwas vor Beginn der Paralympics an. Vor Ort waren wir für die Betreuung der Athleten vor, während und nach den Wettkämpfen verantwortlich. Wir behandelten sie mit Massagen, Physiotherapie, Tapes oder begleiteten sie zu Dopingkontrollen oder Medienterminen. Manchmal war ich auch damit beschäftigt, den Mechaniker im Handbikesport zu unterstützen, Luft in die Reifen zu pumpen oder Stoßstangen zu montieren – alles Dinge, die man normalerweise als Physiotherapeut nicht macht. Aber genau das macht den Reiz von Olympia aus.

Neben den Handbikesportlern war ich mit meinen Kollegen auch für die Athleten der anderen Sportarten zuständig, in denen die Schweiz bei den Paralympics in Rio vertreten war: Leichtathletik, Tischtennis, Schwimmen, Reiten, Bogenschießen, Sportschießen, Paracycling. Ich hatte in Rio eine tolle, intensive Zeit mit dem Schweizer Team, den Athleten aber auch Freunden aus dem deutschen Team. Es war auch sehr anstrengend, doch nach ein paar Tagen Erholung an der Copacabana bin ich wiederhergestellt.

Autorin: Nadine Gallenbach.