Wie kann Digitalisierung Studium und Lehre an unserer Hochschule verbessern? Und wie sieht Hochschule in fünf, zehn oder 20 Jahren aus? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Student Digital Transformation Agents Anna Rehm und Björn Hoppenheit. Auf Wir-Online stellen sie sich vor und sprechen von den Herausforderungen, die in ihrer neuen Rolle auf sie warten.

Die Idee der Student Digital Tansformation Agents, kurz SDTA, entstand in Zusammenarbeit mit dem Hochschulforum Digitalisierung, einer Initiative des Stifterverbands und des CHE Zentrums für Hochschulentwicklung. Das Konzept, das von Petra Kling, Sandra Neuner und Carolin Sutter entwickelt und von Petra Kling und Kerstin Fink in der Hochschule implementiert wurde, startete im Januar 2021. Ziel der SDTA ist es, die studentische Perspektive in die strategischen Entscheidungen der Hochschule einzubeziehen. Darüber hinaus hat auch der Senat sie offiziell als studentische Beauftragte für Digitalisierung ernannt. So werden sie in der zukünftig geplanten Studierendenversammlung das Ressort „Digitalisierung“ leiten.

In einem Gespräch über Microsoft Teams stellen sich Anna und Björn vor, erzählen von ihrem ersten Monat im Amt und geben einen Ausblick.

Wer seid ihr und welche Erfahrung bringt ihr im Bereich Digitalisierung mit?

Anna: Mein Name ist Anna Rehm und ich studiere Psychologie an der SRH Heidelberg im Bachelor im dritten Semester. Vor dem Studium habe ich bereits Erfahrung mit dem Thema Digitalisierung gemacht, indem ich bei einer Studierendeninitiative Leiterin des IT- und Marketingbereichs war. Neben dem Studium bin ich außerdem ehrenamtlich bei „Über dem Tellerrand“ tätig. Dort beschäftigen wir uns mit der Integration von Flüchtlingen, aktuell auch digital.

Björn: Ich bin Björn Hoppenheit. Ich studiere im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre. Vor dem Studium habe ich eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht und danach neun Jahre bei der Marine gedient. Während des Studiums engagiere ich mich in einer studentischen Unternehmensberatung.

Was bringt ihr mit? Was sind eure größten Stärken?

Björn: Bei mir persönlich ist es die Berufserfahrung, die ich mitbringe, weil ich schon in vielen verschiedenen Bereichen an Digitalisierungsprojekten gearbeitet habe. Zum anderen bin ich gut vernetzt in der Fakultät für Wirtschaft.

Anna: Bei mir sind es die gewissen Hard Skills, die ich durch mein Studium mitbringe, wie z.B. Programmierkenntnisse für die Online-Umfrage oder eben die Erfahrung in der IT- und Marketingleitung. Aber vor allem schätze ich meine Stärken so ein, dass ich auch sehr gut vernetzt bin in der Hochschule insgesamt. Aber ich habe auch viele Kontakte zu anderen Universitäten, auch im Ausland. Die meisten davon haben im Moment ebenfalls Online-Lehre. Viele mit Problemen, viele aber auch mit tollen Beispielen, wie es gut laufen kann.

Warum liegt euch das Thema Digitalisierung so am Herzen?

Björn: Die Digitalisierung ist gerade heutzutage allgegenwärtig. Bedingt durch Corona mussten auch wir als Studierende schnell damit umgehen können, wir mussten uns anpassen. Zusätzlich zu dem Punkt ist Digitalisierung enorm wichtig für die Zukunft. Egal, in welcher Branche man später arbeiten möchte, man hat immer mit der Digitalisierung zu tun und wenn man da nicht auf dem aktuellen Stand bleibt und sich weiterbildet, kann man schnell den Faden verlieren.

Anna: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir sind eine Generation, die mit der Digitalisierung aufgewachsen ist, aber ich kriege oft mit, dass der Umgang mit der Digitalisierung immer mehr zur Selbstverständlichkeit bei Jüngeren wird. Digitalisierung wird mich immer begleiten auf meinem beruflichen Werdegang und ich will mich mehr informieren und in die Tiefe gehen, um mitzuhalten. Aus dem Grund finde ich es auch interessant, die SRH im Bereich der Digitalisierung zu unterstützen. Mir ist aber vor diesem Hintergrund wichtig, das CORE-Prinzip für das digitale Zeitalter weiterzuentwickeln.

Anna, du bist an der SRH Akademie für Hochschullehre angesiedelt, Björn im Team Qualität & Entwicklung. Wie unterscheiden sich eure Schwerpunkte?

Björn: Bei mir geht es primär um die Mitkonzeption von hochschulweiten Studien und Befragungen. Wir sind relativ am Anfang, deswegen ist es noch schwer, unsere Arbeitsfelder zu clustern, aber ich denke, das wird sich zukünftig noch zeigen.

Anna: Meine Stelle ist mehr für die Digitalisierung in der Lehre ausgeschrieben. Im Moment arbeiten wir aber intensiv als Team, da unsere Projekte eine große Überschneidung haben.

Eure Arbeit hat im Januar 2020 begonnen. Wie lautet euer Resümee des ersten Monats?

Björn: Wir fokussieren uns bis jetzt auf die Auswertung der Interviews bzw. die Erstellung eines Fragebogens. Wir sammeln Informationen von allen Fachschaften und versuchen, diese dann auszuwerten. Dadurch kriegen wir jetzt schon sehr viele Einblicke in die verschiedenen Fakultäten und konnten uns weit vernetzen. Wir hatten beispielsweise Kontakt zum internationalen Kreis, wir waren bei Fakultätsleitungskreissitzungen dabei und werden demnächst bei Gruppensprechersitzungen teilnehmen.

Anna: Nach unseren Gesprächen mit vielen Lehrenden und Mitarbeitenden, den Gruppensprechern und Fachschaftsvorsitzenden sind wir aktuell dabei eine Online-Umfrage zu entwerfen, an der sich alle Studierenden beteiligen können.

Habt ihr das Gefühl, das Thema Digitalisierung trifft auf eine große Resonanz?

Anna: Auf jeden Fall! Die Bereitschaft der Studierenden zur Teilnahme an den Interviews war sehr hoch. Das Engagement und Interesse der Studierenden ist spürbar, vermutlich unter anderem auch aufgrund der aktuellen Lage, in der jeder mit Online-Lehre konfrontiert ist.

Auf was freut ihr euch am meisten in Bezug auf eure Arbeit als Digi Agents?

Björn: Ich freue mich am meisten auf die freie Gestaltung der Arbeit. Dadurch, dass es eine Stelle ist, die es davor nicht gab, haben wir viel Gestaltungsfreiheit. Wir haben das Glück, dass wir Projekte selbst ins Leben rufen können und aktiv Themen mitgestalten können, die uns interessieren.

Anna: Ich freue mich auch sehr auf die Projekte, gerade weil wir dort in den persönlichen Austausch treten. Genau das ist ja auch unser Ziel!

Welchen Nutzen bietet ihr als Digi Agents für die Studierendenschaft?

Anna: Unser Job ist es, Transparenz für die Studierenden zu schaffen. Sie sollen durch uns Einblicke bekommen und uns als Sprachrohr nutzen können

Wie könnt ihr als Digi Agents die Hochschularbeit der SRH Hochschule Heidelberg unterstützen?

Anna: Die Hochschule will die Studierenden durch uns systematisch in die Entscheidungen einbeziehen und unsere Impulse und Meinungen aufgreifen. Aktuell können wir vor allem die fakultätsübergreifende Kommunikation unterstützen. An vielen Stellen haben wir gemerkt, dass der Austausch zwischen den Fakultäten nicht so aktiv ist wie gewünscht. Unsere Ergebnisse von der Online-Umfrage sollen an die Fakultäten weitergegeben werden, damit die Lehrenden und Mitarbeitenden wissen, wie die Resonanz der Studierenden ist. Damit soll der Austausch auch mit den Studierenden verbessert werden.

Wir haben nun viel über eure neue Rolle gesprochen, aber was sind eure persönlichen Erfahrungen mit digitalisierter Lehre an der SRH Hochschule Heidelberg?

Anna: Es hat gewisse Vorteile in Bezug auf die Flexibilität. Ich bin frei darin, wo ich mich aufhalte – ob bei meiner Familie oder bei meinem Freund. Ich habe eine etwas längere Anfahrt zur Hochschule, von daher ist es so entspannter. Es hat aber auch Nachteile für mich. . Die Lehrveranstaltungen sind zum Teil aufgezeichnet. Sie  laufen zwar gut und haben ein hohes Niveau, trotzdem fehlt die Interaktion. Aber bei unserer Arbeit geht ja gerade darum, diese Welten zu vereinen, wenn Corona vorbei ist. Die Flexibilität und die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen, aber gleichzeitig die Interaktion beizubehalten.

Björn: Ich habe Live-Vorlesungen online, aber auch da ist es teilweise schwer zu interagieren, gerade wenn viele in einem Meeting sind. Dann ist zum einen die Internetkapazität überlastet, zum anderen ist es schwer, den respektvollen Umgang miteinander zu wahren. Man weiß eben nicht, wie der andere, der die Kamera nicht an hat, reagiert oder ob er gerade sprechen wollte. Es gibt also viele Faktoren, die die Lehre erschweren.

Wie könnte digitalisierte Lehre in Zukunft aussehen?

Anna: In  unserem Projekt „Zukunftswerkstatt“ gehen wir zunächst die Themen Blended Learning, die richtige Kommunikation und die Vernetzungskanäle an. Wichtig ist uns dabei vor allem, dass Blended Learning nicht falsch verstanden wird. Die SRH Hochschule Heidelberg ist nach wie vor ein Präsenzstandort und soll das auch bleiben.

Was braucht ihr von der Hochschule, um eure Aufgabe bestmöglich umzusetzen?

Björn: Offene Türen! Wir brauchen motivierte, engagierte Mitarbeitende und Studierende, die bereit sind mit uns zu reden, mehr brauchen wir eigentlich gar nicht.