Katrin Feldermann, Vertretungsprofessorin für Soziale Arbeit an der SRH Hochschule Heidelberg, berichtet bei Radio Regenbogen über ihr Engagement in Brasilien.

Ihre Kollegin wurde erschossen. Sie selbst stand auf der Fahndungsliste des brasilianischen Drogenkartells und musste fliehen. Katrin Feldermann lehrt an der SRH Hochschule Heidelberg Soziale Arbeit und führt seit 2006 ihren Verein AmiGOs, der sich für die medizinische und psycho-soziale Unterstützung von Mädchen in Brasilien einsetzt. „Ich bin ein Mensch, der sich Ungerechtigkeit und Leiden zwar sehr zu Herzen nimmt. Ich leite diese Gefühle jedoch sofort um und ziehe daraus die Energie und den Mut, den man braucht, um die Welt ein wenig zu verändern“, sagt Feldermann.

Sie selbst kam als Praktikantin 2002 in die Favelas nach Rio de Janeiro. „So grausam das Leben dort an vielen Stellen war, so liebevoll und herzlich wurden wir empfangen und so sinnvoll und nachhaltig erschien mir unsere Arbeit.“ Als eine Kollegin von einem Querschläger der Polizei getötet wurde, zogen sich die Organisationen aus den Favelas zurück. Feldermann gründete ihre eigene Organisation, zunächst mit Schwerpunkt auf die Arbeit in den Favelas von Rio.

Nachdem das Drogenkommando in ihrer Favela wechselte, musste sie 2008 fliehen und arbeitet seitdem im Nordosten Brasiliens. Der Verein AmiGOs bietet Capoeira-Gruppen für Jungen und Mädchen sowie Handarbeitsunterricht an und verkauft die dort erstellten Produkte in Deutschland. Außerdem betreut eine Gynäkologin als Kooperationspartnerin des Vereins minderjährige Schwangere, wie Feldermann erzählt: „Das letzte Mädchen war elf Jahre alt zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und hätte ohne unsere Hilfe wahrscheinlich nicht überlebt.“

Ihre Studierenden bindet Katrin Feldermann eng in ihre humanitäre Arbeit ein: „Ich wachse nach wie vor an dieser Tätigkeit, und es ist mir ein Herzensanliegen, meinen Studierenden das Gleiche zu ermöglichen.“ Für Sozialarbeiter sei es wichtig, die Rolle und den Berufsstand stets kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten zur Solidarisierung und Vernetzung zu erarbeiten. „In der humanitären Hilfe lässt sich erleben, wie sich die verschiedensten Lebensumstände anfühlen. Diese Erfahrung fließt wiederum ein in die eigene Arbeit.“

Weitere Informationen gibt es unter www.amigos-eine-welt.de. Zum Fachtag über pädagogische Konzepte der Sozialen Arbeit erwartet die SRH Hochschule Heidelberg voraussichtlich am 20. oder 21.11.2018 hochkarätigen Besuch, etwa die Menschenrechtskämpferin Yvonne Bezerra de Mello aus Brasilien, über die bereits zwei Filme bei der Berlinale gezeigt wurden, oder den Capoeira-Meister Nenel, Sohn des Begründers der Capoeira Regional, Mestre Bimba. Näheres dazu demnächst auf www.hochschule-heidelberg.de.

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