Thomas Sonnenburg (Fotograf: Thomas Köhler) ist ein Promi, der nach einem TV-Format bei RTL nicht ins Dschungel-Camp muss, wie er selbst sagt. Lieber vermittelt er an der SRH Hochschule Heidelberg den Studierenden, wie das Arbeitsfeld „Streetwork“ funktioniert, wie öffentliche Einrichtungen und Stiftungen ticken und wie die Studierenden perspektivisch in ihrem Beruf gute Beziehungsarbeit leisten.

Bekannt wurde Sonnenburg durch die RTL-Serie „Die Ausreißer“, die durchaus auch kontrovers diskutiert wurde. „Aber die Serie hat das Thema ´Streetwork´ aus der Blackbox geholt“, erkannte Prof. Dr. Martin Albert von der SRH Hochschule Heidelberg schon vor acht Jahren. Er holte Thomas Sonnenburg zunächst für einen Workshop, dann für einen Lehrauftrag an die Hochschule. Seitdem ist Sonnenburg zu Blockseminaren in Heidelberg, um den Studierenden der Sozialen Arbeit „geballte Kompetenz zu vermitteln“, wie Sonnenburg sagt. Was ist ein Streetworker? Was heißt es, akzeptierend zu arbeiten? Wie wichtig ist Öffentlichkeitsarbeit in diesem Job? Die Studierenden sind zwischen 18 und 46 Jahre alt und stellen eine große Bandbreite an Charakteren dar. „Wenn ich an die SRH Hochschule komme, dann tauche ich in dieser Zeit in eine völlig andere Welt“, freut sich Sonnenburg immer. „Die Studierenden gieren nach neuem Wissen.“ Und sie profitieren natürlich von seinem immensen Erfahrungsschatz. Etwa 20 Prozent von ihnen wollen in Richtung „Streetwork“ gehen, schätzt er. Das Gehalt sei inzwischen durchaus anständig. Auch Frauen ergreifen diesen Beruf: „Ich habe tolle, sehr starke Frauen kennen gelernt, aber jede(r) sollte es sich natürlich gut überlegen“, meint Sonnenburg. „Es ist einer der schönsten Berufe – wenn auch riskant und nicht gerade beziehungsfreundlich“, gibt er zu.

Aber der bekannte Fernsehstreetworker zeigt nicht nur diese Perspektive auf: Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der Thomas Sonnenburg Akademie GmbH, die u.a. Persönlichkeitsentwicklungs-Programme für Arbeitslose anbietet. Der Erziehungswissenschaftler nennt ein Beispiel: „Nach einem 10-wöchigem Programm waren im Jahr 2017 von 39 arbeitslosen Teilnehmern anschließend 21 in einem sozialversicherungspflichtigen Job tätig. Das ist eine super Quote! Da haben sogar die Jobcenter-Mitarbeiterinnen manchmal Freudentränen in den Augen“, schmunzelt er. Knapp 600 Menschen hat Sonnenburg in den letzten zwei Jahren bislang deutschlandweit in seiner Akademie erfolgreich begleitet.

So ist der 55-Jährige heute nach wie vor aber auch als Fachmann und TV-Experte gefragt. Seinen Promi-Faktor setzt er höchstens für seine Ehrenämter als Lesebotschafter der Stiftung Lesen, als Jurymitglied für den deutschen Lesepreis oder in der Telekom-Stiftung ein. „Ich muss nicht ins Dschungel-Camp“, sagt er und kommt lieber an die SRH!

Medientipps:

Interview des Südkuriers mit Thomas Sonnenburg, 10. Oktober 2018

Film von Thomas Sonnenburg über die Prostituierten-Beratungsstelle „Amalie“ in Mannheim, die von der SRH-Absolventin Julia Wege geleitet wird