Spielregeln für Bewerbung und Beruf – Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke Heidelberg und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg, möchte mit seiner ab sofort monatlich erscheinenden Kolumne Berufsanfängern den Einstieg in die Unternehmenswelt erleichtern.

Etwas befremdet betrachteten wir ein geschnürtes Paket, das uns eine Bewerberin auf eine Position im Vertrieb geschickt hatte. Als der Personalleiter schließlich die Schnur löste, schnellte ihm ein auf einer Feder befestigter Clown entgegen. Die Erklärung fand sich im Anschreiben der Bewerberin, in dem sie versicherte: „Mit mir wird das Leben in Ihrem Vertrieb nie langweilig.“

Ein anderes Mal öffneten wir eine mehrflügelige Mappe aus rauer Wellpappe – und staunten nicht weniger: Da lächelte uns eine Frau auf einem roten Sofa entgegen, mit einer Katze in ihrem Schoß, die sie liebevoll streichelte. Wir suchten damals nach einer Chefsekretärin, keineswegs nach einer Verkäuferin in einer Tierhandlung. Auch gab es keinerlei Hinweise darauf, der potenzielle Chef könnte ein Katzenliebhaber mit der Lieblingsfarbe rot sein. Auch nach gründlichem Studium der Bewerbungsunterlagen fand sich weder für das Sofa noch für das Tier eine Erklärung. Ein subtiler Hinweis auf die Besetzungscouch und die Schmusekatze? Hoffentlich nicht!

Die Beispiele könnte ich fortsetzen: Da erreichen uns Bewerbungen mit knallbunten Mappen, edel geriffelten Mappen oder Mappen mit aufgeklebtem Holzherzchen. Im Inneren finden sich großformatige, künstlerisch aufwändige Fotos, die Bewerber in allen denkbaren Posen zeigen. Zum Beispiel Pfeife rauchend, die Füße auf dem Schreibtisch.

Das Motiv, das hinter diesen Verrücktheiten steht, ist ja nachvollziehbar. Jedem Bewerber ist natürlich klar, dass seine Bewerbung auf einem großen Stapel landet. Und um aufzufallen, greift er zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Nur: Eine Bewerbung ist kein Gag. Dafür steht für beide Seiten zu viel auf dem Spiel. Als Bewerber sollten Sie darauf vertrauen, dass der Personalleiter Ihre Unterlagen gewissenhaft prüft. Es liegt ja auch in seinem Interesse, die geeigneten Kandidaten für ein Vorstellungsgespräch zu finden. Und da zählen die nüchternen Fakten: Anhand von Lebenslauf und Zeugnissen prüft er, inwieweit ein Bewerber die formalen und fachlichen Kriterien für die ausgeschriebene Position erfüllt.

In dieser frühen Phase ist der Bewerbungsprozess eine weitgehend rationale Angelegenheit. Im Unterschied zum späteren Vorstellungsgespräch: Dann treffen sich Menschen, die einander mit den Sinnen wahrnehmen, und es kommt darauf an, auch als Person zu überzeugen. Der erste Eindruck, wenn Sie zur Tür hereinkommen, Ihr Lächeln, der Händedruck – binnen Sekunden entscheidet sich: sympathisch, nicht sympathisch.

Eine schriftliche Bewerbung jedoch hat erst einmal den Zweck, Kompetenz und Eignung für eine Stelle zu belegen. Mancher Bewerber verliert diese simple Tatsache aus den Augen und versucht, durch allzu eigenwillige Methoden Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die Praxis zeigt jedoch: Defizite im Lebenslauf oder bei den Zeugnissen können weder ein rotes Sofa mit Schmusekatze noch ein hüpfender Clown ausgleichen. Fallen Sie lieber durch Professionalität auf: Die besten Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung haben Sie mit sorgfältig zusammengestellten Unterlagen und einem Anschreiben, mit dem Sie auf die Anforderungen aus der Stellenausschreibung eingehen. So schlicht, so einfach.