Während die Förderung durch das Erasmus+ Programm „Key Action 107“ in diesem Jahr ausläuft, ist Prof. Zoran Jeličić aus Serbien nun noch einmal als Gastprofessor nach Heidelberg gekommen.

Er war der erste Gastprofessor, der uns seit Ausbruch der Pandemie für zwei Wochen in Heidelberg besucht hat. Ein Grund, ihn nach seinen Erfahrungen und Plänen zu fragen und einen Blick zurück auf das Programm KA 107 zu werfen.

Seit 2015 wird das Erasmus+ Projekt der SRH Hochschule Heidelberg mit der Universität Novi Sad in Serbien von der EU und dem DAAD gefördert. Insgesamt wurden so rund 260.000 Euro an Fördermitteln realisiert. Es ist ein Erfolgsmodell, für das sich Prof. Dr. Achim Gottscheber von der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Architektur besonders engagiert und das inzwischen viele zufriedene Teilnehmer:innen und einen regen Austausch von In- und Outgoings verzeichnet: Seit 2015 sind 23 Studierende aus Novi Sad in den Masterstudiengängen Informatik und Architektur sowie im Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft an unsere Hochschule gekommen, 19 sind nach Serbien gereist. 27 Dozent:innen waren zu Gast in Heidelberg, während sieben Dozent:innen in Novi Sad lehrten oder zur Weiterbildung waren. Das Mobilitätsprogramm KA107 für Partnerländer ermöglichte es, auch das gemeinsame Forschungsgebiet der Robotik zwischen Prof. Dr. Achim Gottscheber (Heidelberg) und Prof. Dr. Branislav Borovac (Novi Sad) zu vertiefen.

Studierende und Lehrende profitieren
Gottscheber berichtet: „Von dem Erasmus-geförderten Austausch in Forschung und Lehre profitieren nicht nur die Studierenden, sondern auch die Professorinnen und Professoren, die neben ihren Gastvorlesungen auch Forschungsinhalte diskutieren konnten.“ Ab 2021 gilt Serbien als normales EU-Erasmus-Programmland, so dass die Kooperation mit der Universität Novi Sad unter neuen Bedingungen fortgesetzt werden kann.

Austausch von Corona geprägt

Der Austausch fiel in eine ereignisreiche Zeit, die am Ende sehr stark von Corona geprägt war. So strandeten vier Stuierende des Masterstudiengangs Information Technology im Jahr 2020 in Novi Sad, als sie dort ihre Masterarbeit schrieben: Monatelang saßen sie in Serbien fest. So berichten Sanjay Raju Sudarshana Raju, Sarath Nandagopal Rajini, Molugu Surya Virat und Krishna Teja Gadiparthi: „Die SRH Hochschule Heidelberg hat in dieser Zeit viel Verständnis für unsere Situation gezeigt und hat uns finanziell unterstützt, bis wir wieder sicher in Deutschland waren.“ Auch die Universität Novi Sad hielt die Studierenden über die Nachrichten in der Stadt und über die Grenzen hinaus auf dem Laufenden. Anja Loos vom International Office unterstützte die vier Gestrandeten in der Heimat, wie sie erzählt: „Hier hat sich gezeigt, wie hilfsbereit und flexibel die Menschen überall auf der Welt sind. Auf so viel Bereitschaft und Verständnis auf internationaler Ebene zu stoßen, war für mich sehr aufbauend und ich bin sehr froh, dass es uns gemeinsam mit den Behörden in Serbien, der Frankfurter Bundespolizei und der Ausländerbehörde in Heidelberg und Mannheim gelungen ist, alle rechtlichen Probleme, die uns im Weg standen, zu überwinden und unsere Studierenden sicher nach Hause zu bringen.“ Das Fazit der Studierenden: „Diese Reise war zweifelsohne eine einzigartige Erfahrung für uns. Jeder Moment war voll von Lernen und Spaß.“

Ein Netzwerk von Beziehungen

So war der Besuch von Zoran Jeličić im Juli 2021 der krönende Abschluss des Forschungsprozesses, wie Bettina Pauley, Leiterin des International Office, berichtet: „Im Laufe von sechs Jahren hat sich aus einer Kooperation zweier Professoren ein Beziehungsgeflecht entwickelt, an dem mehr als 77 Personen beteiligt sind. Prof. Zoran Jeličić liebt Heidelberg und kommt gerne, um zu lehren. Er unterstützt aber auch persönlich SRH-Studierende bei ihren Abschlussarbeiten an der Fakultät für Technische Wissenschaften in Novi Sad und motiviert seine Studierenden, nach Heidelberg zu kommen. Daraus hat sich eine fachliche Zusammenarbeit und Freundschaft entwickelt, die wir gerne fortsetzen.“ Der Austausch wird auch weiterhin im Rahmen von Erasmus+ möglich sein, allerdings mit geringerer finanzieller Unterstützung.

Natürlich spielte Covid-19 auch bei Zoran Jeličićs Besuch in Heidelberg eine große Rolle, wie er im Interview berichtet:

Herr Jeličić, Sie sind unser erster Gastprofessor nach Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020. Fühlen Sie sich sicher?

Eine der größten Herausforderungen für Bildung und Forschung beim Wiederaufbau nach der COVID-19-Pandemie wird sein, die internationale Vernetzung, die während der Krise verloren gegangen ist, wiederherzustellen. Der erste Schritt liegt sicherlich im Gefühl der Sicherheit, das ich hier in Heidelberg habe. Man könnte sagen, dass wir hier an der SRH Hochschule dem Leben, das wir vor COVID-19 geführt haben, am nächsten sind.

Wie viele Studierende sehen Sie in der Gegenwart?

Die ingenieurwissenschaftlichen Kurse an der SRH Hochschule Heidelberg sind für den laborgestützten Unterricht und für kleinere Gruppen ausgelegt. Wir integrieren digitalen Unterricht in die Präsenz, so dass ich die Möglichkeit habe, etwa ein Dutzend Studierende persönlich zu treffen.

Was sind Ihre zukünftigen Forschungspläne in Zusammenarbeit mit der SRH Hochschule?

Wir haben unsere Zusammenarbeit vor ein paar Jahren begonnen. Ich hoffe wirklich, dass wir unsere Zusammenarbeit im Rahmen von europäischen Forschungs- und Bildungsprojekten fortsetzen können, vor allem in den Bereichen der IT, der eingebetteten Steuerungssysteme und KI-Anwendungen.