Mit dem Projekt JobFit bereitet die SRH Hochschule Heidelberg Schüler der Region aufs Leben vor: Das Training fördert emotionale und soziale Kompetenzen sowie eine gesunde Selbstwahrnehmung.

„Hey Steven, komm mit, Fußball geht los!“ „Ne, geht nicht, Alter. Schreibe morgen eine Deutscharbeit und muss lernen.“ „Warum lernen? Ist doch egal!“ „Meine Mutter macht sonst Ärger.“ „Komm, scheiss aufs Lernen. Kannst du nach dem Fußballspielen machen.“ „Also gut. Ich lerne danach.“

So hört sich der JobFit- Unterricht am Montagmorgen an der Friedrich-Ebert- Werkrealschule in Sandhausen an. „Hat Steven in diesem Rollenspiel der Situation wiederstanden und sich druchgesetzt?“, fragt Sabrina Stein, Lehrerin für Gesundheit und Soziales, ihre Schüler. „Teilweise“, antworten diese, denn immerhin habe er einen Kompromiss gefunden. In der klassenübergreifenden Einheit, die Stein gemeinsam mit Technik- Lehrer Michael Fritz leitet, bespricht sie mit ihren Schülern anhand von Rollenspielen und praktischen Aufgaben Lösungsansätze für schwierige Situationen: vom pünktlichen Aufstehen am Morgen über Gruppenzwang oder Beleidigungen bis hin zur Aggressivität.

Entwickelt wurde das JobFit- Training von Kinder- und Jugendpsychologen der Universität Bremen. Supervidiert werden die Lehrer von Wissenschaftlern der SRH Hochschule Heidelberg. „Leider wird Erziehung immer mehr in den Schulsektor verlagert. Daraus resultiert ein häufig defizitäres Arbeits- und Sozialverhalten“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Carsten Diener, Prorektor für Forschung und Praxistransfer an der SRH Hochschule Heidelberg. „Wir unterstützen die Lehrer dabei, den Schülern Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder Eigenverantwortung zu vermitteln.“

Christa Ernst, Rektorin der Friedrich-Ebert-Werkrealschule, sieht das JobFit- Training als Bereicherung: „Durch die wissenschaftliche Unterstützung gewinnen unsere Lehrkräfte eine andere Perspektive auf das Thema Berufsorientierung und erhalten neue Ideen für ihren Unterricht.“

Nicht zuletzt profitieren aber auch die Schüler von dieser Art Unterricht. Sabrina Stein ist am Ende der Doppelstunde überrascht, wie emotional und intensiv diskutiert wurde. Auf einer „Kreuz-Ass-Karte“ lässt sie die Schüler eintragen, was sie aus dem JobFit-Training mitgenommen haben. Die Schülerin Evelyn schreibt auf ihre Karte: „Nicht aufgeben, an mich glauben.“ Sie steckt sie in ihr Mäppchen, wo sie immer greifbar ist.