Was macht eigentlich… das Gründer-Institut in Zeiten von Corona? Auch die Start-Ups sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, wie Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig berichtet.

Die Räumlichkeiten des Gründer-Instituts erscheinen leerer als sonst. Es weht kein beruhigender Geruch von frischem Kaffee durch die Gänge, keiner wuselt hektisch mit dem Ideenboard unterm Arm herum und es findet kein reger Austausch zwischen den Türen statt. Doch der Schein trügt, noch immer rauchen die Köpfe. Noch immer werden neue Ideen generiert und Konzepte umgesetzt, nur eben im Home-Office.

Die Corona-Krise setzt viele der Gründer*innen unter Druck. Prof. Bernhard Küppers, Leiter des Gründer-Instituts der SRH Hochschule Heidelberg, zeigt sich besorgt: „Im Gegensatz zu etablierten Unternehmen können sich Start-ups in der Regel nicht aus dem laufenden Geschäft oder mit Hilfe von Bankkrediten finanzieren. Sie sind auf Wagniskapitelgeber angewiesen, die so in Innovation und den Aufbau von Arbeitsplätzen investieren. Vor allem Start-ups, die sich aktuell in der Finanzierungsphase befinden, sind nun existentiell gefährdet.“ Er verweist darauf, dass es besonders jetzt wichtig sei, die jungen Gründer*innen nicht hängen zu lassen und die Zeit zu nutzen, um Pilotprojekte voranzubringen. Für die Gründer*innen lautet sein Tipp: „Potentielle und bereits aktive Gründer*innen, aber auch die Mitglieder*innen ihrer Teams können die Zeit nutzen, ihre Ideen und ihre jeweilige Fragestellung auf Herz und Nieren zu prüfen.“ (Interview mit Bernhard Küppers)

Felix Kirschstein, Referent im Gründer-Institut, hat den SRH Studierenden im Modul V bereits 114 Stunden in vier verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Entrepreneurship angeboten. „Die COVID-19-Krise bietet definitiv Chancen, sowohl inhaltlich als auch methodisch“, sagt er. „Inhaltlich neue Ansprüche an Sicherheit und ortsunabhängige Zusammenarbeit machen die Tür auf für innovative Geschäftsideen. Ebenso ist die methodische Lernkurve enorm hoch, die Situation übt einen positiven Druck aus, sodass wir uns alle stärker mit digitalen Lösungen für Lehre, Kommunikation und Projektzusammenarbeit auseinandersetzen.“

Zu seinen Veranstaltungen meint er: „Natürlich ist das `Offline-Miteinander´ nicht zu ersetzen. Mischformen wie Blended Learning oder digitales Upfront mit sozialer Interaktion im Nachgang wie beim Inverted Class Room Concept sind meiner Meinung nach die effizienteren Konzepte der Zukunft – und wir haben als Präsenzhochschule die besten Grundlagen dafür. Man sieht es bei den Corporates: Man muss nicht immer um die Welt fliegen für Meetings, ein Teil davon kann auch hochwertig digital abgebildet werden. Dennoch: Eine wichtige Basis an Veranstaltungen soll und muss – zur Sicherstellung der wichtigen sozialen Interaktion und Qualität der Lehre, dass alle Studierende inhaltlich gleichwertig qualitativ hochwertig aktiviert werden können – offline abgebildet werden.“

Das Team von Compleat Food folgt Prof. Bernhard Küppers Rat. Da das Geschäft für das Food Start-up durch die Pandemie eingebrochen ist, widmet sich das Unternehmen nun teils von daheim aber auch vom Office aus der Überarbeitung des Geschäftsmodells. Felix Eitler (auf dem Bild links neben seinem Kollegen Christian Michaeli zu sehen) erzählt: „Wir müssen regelmäßig ins Gründer-Institut, da hier unsere Lager sind und das Geschäft ja auch weiter laufen muss. Also wird die Ware an den Foodtruck nach Heidelberg gebracht, der trotz eingeschränkter Öffnungszeiten und geschlossenen Fitnessstudios weiterläuft.“ In diesen Zeiten packen die Gründer noch mehr selbst an: „Der Tagesablauf beginnt mit Emails checken, Ware ausliefern, ab und zu selbst im Foodtruck arbeiten – da wir unsere Mitarbeiter aktuell nicht dafür bezahlen können.“

 

Das Catering Start-up Sindbad lebt ebenfalls vom direkten Kundenkontakt und musste sich im Zuge der Corona-Krise auf viele Änderungen einstellen. Gründer Vincent Hartung berichtet von den Schwierigkeiten, die das Home-Office für ihn und sein Team bereit hielt: „ Die Arbeit im Homeoffice war zunächst mit einigen Schwierigkeiten verbunden, da man in der eigenen Wohnung Platz für Unterlagen, Bildschirme und Ordner schaffen musste. Es kam öfter vor, dass man dringend benötigte Schreiben im Gründer-Institut vergessen hatte und sich dann auf den Weg in die Kurfürsten-Anlage machen musste. Natürlich war es auch anfangs nicht einfach, sich im Kopf auf die ungewohnte Arbeitssituation einzustellen. Ein Spaziergang zwischendurch musste sein, damit einem die Decke nicht auf den Kopf fällt. Es war aber schön, keinen morgendlichen Stau auf dem Weg zur Arbeit ertragen zu müssen.“ Doch die Krise bietet für Sindbad auch Lernpotenzial, wie der Gründer erzählt: „Im Bereich Digitalisierung hatten wir großen Nachholbedarf, auch das wurde uns durch unsere Zeit im Homeoffice bewusst. Zunächst war es für uns schwierig, uns jederzeit absprechen und Informationen zukommen zu lassen. Mittlerweile nutzen wir verschiedene Apps und häufige Videokonferenzen, um Arbeitsprozesse unabhängig voneinander zu realisieren und uns abzustimmen. Es ist auf jeden Fall eine gute Sache, dass wir zu einer moderneren Arbeitsweise gezwungen wurden und damit einen neuen Schritt in Richtung Digitalisierung sind. Wir freuen uns allerdings, wenn wir wieder in unsere Büros im Gründer-Institut ziehen können und hoffen darauf, dass auch der Gastromarkt in naher Zukunft wieder anläuft. Bis dahin halten wir unser Unternehmen mit neuen Ideen und Konzepten am Laufen.“ Eine neue Idee des Start-ups sind beispielsweise Home-Office Boxen, die für jeden Arbeitstag eine vorgekochte Mahlzeit enthalten.

Für das Start-Up tye GmbH  hat sich in Bezug auf den Kundenkontakt nichts geändert. Dieser läuft ohnehin ausschließlich über das Telefon oder Zoom Web Meetings ab. Auch sonst stellt die Krise für die Mitarbeiter keine große Umstellung dar, schon vor Corona arbeitete die Hälfte des Teams ab und zu von zu Hause aus. Markus Beck, Geschäftsführer der tye GmbH, einem digitalen Assistenten für Costumer-Relationship-Management, erzählt: „Seit dem 13. März arbeiten wir alle im Home-Office. Jetzt sind wir über Heidelberg, Mannheim, Darmstadt, St. Pölten, Wien und Barcelona verteilt.“ Täglich um 12 Uhr trifft sich das Team online, um sich über Aufgaben und Challenges auszutauschen. Dieser gemeinsame Termin ist wichtig, da die Mitarbeiter in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten können. „Wir haben Lerchen und Nachteulen in unserem Team, sodass wir gestaffelt 20 Stunden am Tag erreichbar sind. Der Vertrieb startet um 8:30 Uhr, da unsere Kunden auch dann anfangen. Wann jemand anfängt liegt ganz an der einzelnen Person: Solange starke Leistung erbracht wird, sind uns Arbeitszeiten egal“, erzählt Beck. „Doch nur alles digital zu machen, macht nicht glücklich“, meint der Geschäftsführer. „Wir vermissen die gemeinsamen Treffen, Mittagessen und den Feierabend einzuläuten.“

Auch für Alexander Rißland hat sich nicht viel geändert. Aktuell arbeiten er und sein Team an einer neuen Version der App Smatched. „Die App ermöglicht, durch das Interagieren mit Werbung  coole Prämien, wie bspw. Freibier zu verdienen“, wie er erklärt. Da sie ihre Projekte alle remote aufgebaut haben, bringt Corona die Entwicklung nicht durcheinander.

Alexander Rißland ist über Smatched hinaus seit August 2019 auch an der SolaVieve Technologies GmbH beteiligt. „Es handelt sich dabei um eine präventive Gesundheitsanwendung, die den Anwendern hilft, einen gesünderen ausgewogeneren Lebensstil zu führen. Dies geschieht durch ganzheitliches KI-basiertes Coaching und telemedizinische Sitzungen mit einer Vielzahl von Gesundheitsexperten“, erzählt er. Ihre tägliche Routine hat sich auch bei diesem Projekt nicht grundlegend verändert. Für das Start-Up ergeben sich sogar neue Chancen in der derzeitigen Krise, meint Alexander Rißland: „Dadurch, dass wir eine präventive Lösung im Kampf gegen Krankheiten wie u.a. auch Corona schaffen, wurden uns viele neuen Türen von Fonds und Investoren geöffnet, die ein großes Interesse an unserer Plattform zeigen. Somit sind wir aktuell auf Hochtouren und versuchen schnellstmöglich die ersten Projekte fertigzustellen.“

Das Gründer-Institut bietet nicht nur den Start-ups ein Zuhause, sondern führt auch Praktikanten in die Welt des Entrepreneurship ein. Student David Geuder macht seit März ein Praktikum im Gründer-Institut mit dem Fokus Marketing und Event. Dieses gestaltet sich nun anders, als erwartet. Doch auch im Homeoffice-Praktikum kann David eine Menge lernen. „Schon vor dem Lockdown waren die Themen Homeoffice, New Work und digitales Nomadentum inhaltlich verankert, sodass ich von Anfang an gut gewappnet für den Tagesablauf mit Laptop und flexibler Gleitzeit war“, erzählt er.

Auch wenn man in den letzten Wochen kaum jemanden im Gründer-Institut antrifft, kann man sich sicher sein, dass der schöpferische Prozess auf Hochtouren läuft. Gerade in Krisenzeiten braucht es neue Ideen und Innovationen. Wir sind gespannt, mit welchen kreativen Lösungen die Gründer aus der Krise heraustreten. In einem kann man sich aber sicher sein: Neue Probleme, die uns in dieser Zeit konfrontieren, brauchen kreative Lösungen und an Kreativität mangelt es den Gründern am wenigsten.