Heute wird´s persönlich: Wie wichtig Feedback für die Karriere ist, erklärt Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg.Als ich vor gut 25 Jahren erstmals Führungsverantwortung übernahm, schickte mich das Unternehmen zusammen mit sieben weiteren frisch gekürten Abteilungsleitern auf ein Führungsseminar. Die Veranstaltung fand in einem Seminarhotel statt und bestand aus drei Blöcken zu je einer Woche. Tagsüber befassten wir uns mit Themen wie Projektleitung, Mitarbeitergespräch und Stressbewältigung, abends saßen wir beim Bier zusammen.

Am Ende der dritten Woche forderte uns die Trainerin zu einer Feedbackrunde auf. Jeweils einer von uns sollte sich vorne auf einen Stuhl setzen – und die anderen redeten über ihn, als sei er nicht im Raum. Der Clou bei der Sache: Wer auf dem Stuhl saß, musste schweigend zuhören.

Also setzte ich mich auf den Stuhl. Die sieben Kollegen unterhielten sich über mich. Immerhin hatten sie mich drei Wochen lang intensiv kennengelernt – tagsüber im Seminar, abends beim Bier. Am Anfang war zu spüren, dass ihnen meine Anwesenheit noch bewusst war. Doch sehr bald redeten sie immer unbefangener. Und damit wirklich offen und ehrlich. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Dieses Feedback hat mir sehr geholfen. Es änderte meine Selbstwahrnehmung an einem bestimmten Punkt. Dafür bin ich heute noch dankbar.

Für eine erfolgreiche Karriere sind Rückmeldungen wie diese ein zentraler Baustein. Sie bestätigen das eigene Tun oder helfen, Fehler zu erkennen. Vor allem aber geben sie Orientierung und helfen, sich selbst kennenzulernen – und damit auch zu beurteilen, ob ein Berufsweg oder eine Position grundsätzlich passt.

Das Schöne dabei ist, dass im beruflichen Alltag Rückmeldungen oft von selbst kommen, sofern man nur gut hinhört. Andererseits ist Vorsicht geboten: Manches Feedback ist interessengeleitet und wird vielleicht sogar in der Absicht gegeben, den anderen zu manipulieren.

Um Feedback richtig einzuordnen, braucht es daher eine gewisse kritische Distanz. Achten Sie darauf, wer eine Rückmeldung ausspricht und welche Motive ihn wohl bewegen. Selbst wenn dahinter kein strategisch-taktisches Kalkül steht, sondern die Anerkennung ehrlich gemeint ist, bleibt eine wichtige Einschränkung: Das Feedback spiegelt immer nur die Wirklichkeitskonstruktion des Gebers wider, die sich von den Sichtweisen anderer Menschen unterscheidet. Dennoch stellt ein aufrichtig gemeintes Feedback ein Stück Wahrheit dar, das für die eigene Orientierung sehr wertvoll sein kann. Wichtig ist es aber, zu wissen, was man aus einem Feedback für sich mitnimmt.

Der generelle Rat an dieser Stelle lautet: Holen Sie Feedback bei Menschen ein, von denen Sie ausgehen können, dass sie es ehrlich meinen – die also weder in einem Abhängigkeits- noch in einem Konkurrenzverhältnis zu Ihnen stehen. Eine gute Gelegenheit dafür kann ein externes Seminar sein – man lernt sich kennen und geht meist auseinander, ohne sich wiederzusehen. Oder fragen Sie Freunde. Nutzen Sie die Chancen, die sich Ihnen bieten, um ein ehrliches Feedback zu erhalten. Sie werden sowohl beruflich als auch privat davon profitieren.