Corona hat den ganzen Hochschulalltag umgekrempelt, und manchmal läuft auch etwas quer. Wie die Studierenden die Ausnahmesituation an der SRH Hochschule Heidelberg erleben, von Online-Vorlesungen bis hin zur digitalen Prüfung im horizontalen Querformat – Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig berichtet in einer kleinen Serie.

Die Mensa Cube ist geschlossen, in der Bibliothek herrscht gähnende Leere…. Der Campus ist zwar leer, doch das neue Semester ist schon in vollem Gange. Seitdem am 16. März die Hochschulen des Landes geschlossen wurden, findet das Studium an der SRH Hochschule Heidelberg digital statt. Die gesamte Hochschule befindet sich im Online-Modus.

Lena Kirrmaier, 23 Jahre alt, studiert Soziale Arbeit an der SRH Hochschule Heidelberg. Genauer gesagt, hat sie soziale Arbeit studiert, denn seit dem 31. März ist sie eine erfolgreiche Bachelor-Absolventin. Nichtsdestotrotz oder vor allem deshalb hatte die Hochschulschließung besondere Auswirkungen auf ihr Studium.

Mitte März war Abgabe der Bachelor-Arbeiten. „Transgenerationale Weitergabe von Bindungstrauma – Präventions- und Interventionsmöglicheiten der Sozialen Arbeit“, lautete Lenas Thema. „Es ging darum, wie sich Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in der eigenen Kindheit auf die Erziehungsfähigkeit auswirken und was soziale Arbeit da machen kann“ erzählt die Studentin.

Mit der Abgabe war nur der halbe Teil der Prüfung geschafft. In der letzten Märzwoche standen die Kolloquien zur Bachelor-Thesis an. Als eine Woche davor die Info kam, dass die Hochschule nicht mehr zugänglich sei, machte sich Unsicherheit bei den Studierenden breit. Würde die Prüfung überhaupt stattfinden? Lena begann sich Sorgen zu machen. Zum 01.04 hatte sie schon eine sichere Arbeitsstelle, was würde passieren, wenn sie die Prüfung nicht ablegen könnte…?

Die Hochschule reagierte schnell. Kurz darauf kam die Information, dass die Kolloquien online durchgeführt würden. Dazu legten die Erstprüfer auf Microsoft Teams Chats mit den Zweitprüfern und den Prüflingen an, sodass das Kolloquium über Videochat absolviert werden konnte. Lena war erleichtert, dass die Prüfung stattfinden würde. Kommilitonen, die vor ihr dran waren, nahmen ihr ebenfalls den Stress. „Macht euch keine Gedanken“ schrieb eine Studentin in den Kurschat.

Die Vorbereitung gestaltete sich für Lena nicht anders als für eine normale Prüfung. „Ich habe ja aber auch keinen Vergleichswert, eine Bachelorprüfung macht man ja nicht jeden Tag“, fügt sie hinzu.

Der Videochat-Testlauf einen Tag vor ihrer Prüfung lief reibungslos ab. Am 24. März war es dann soweit. Die Studentin machte es sich am Esszimmertisch gemütlich, kurz zuvor hatte sie noch überprüft, ob das Licht so passt. Ganz in Homeoffice-Manier trug sie eine schicke Bluse zur gemütlichen Jogginghose. „Man sieht ja nur den oberen Teil“, lacht sie. In Jogginghose zur Bachelor-Prüfung, das hätte sich Lena wohl zuvor auch nicht zu träumen gewagt.

Die Prüfung lief weitestgehend ohne Probleme ab. Die Prüfer stellten Fragen zur Bachelor-Thesis, die die Studentin beantwortete. Es entwickelte sich ein Fachgespräch. Die einzige Besonderheit: Lenas Bild war aus irgendeinem Grund im Querformat, die Prüfer bekamen sie also horizontal zu Gesicht. „Das hat aber keinen gestört, wir konnten uns ja hören, das war ja das Wichtigste“, erzählt sie.

Als Unterstützung durfte sie die Bachelor-Thesis mit ins Gespräch nehmen. Die hat sie aber kein einziges Mal angeschaut. Auch sonstige Hilfsmaterialien hätten nicht viel gebracht, es ging schließlich um ein tieferes Verständnis der Thematik.

Auch die Notengebung war recht unkompliziert. Nach Ablauf der Prüfung wurde Lena aus dem Chat entfernt, damit die Prüfer sich besprechen können. Sobald das Ergebnis feststand, wurde sie dann wieder eingeladen.

Insgesamt hat die Studentin positive Erfahrungen mit der Online-Prüfung gemacht. Das Einzige was ihr gefehlt hat, war die Autofahrt zur Hochschule. „Normalerweise nutze ich die Zeit, um vor der Prüfung zu entspannen“, erklärt sie. Durch die entspannte Atmosphäre zuhause war sie aber möglicherweise generell weniger nervös, als sie es vielleicht im Prüfungsraum gewesen wäre.

Lena gehört wohl zu den ersten Studierenden an der Hochschule, die ihren Bachelor spontan online abgeschlossen haben. Grund zum Feiern hätte sie also genug. Aufgrund der aktuellen Lage musste allerdings auch die Bachelor-Feier abgesagt werden. Die Enttäuschung im Kurs ist deshalb groß. Zwar wurde ein neuer Termin festgelegt, doch dieser findet erst im Oktober statt, wenn die nächsten Absolventen ihren Abschluss feiern. Lena erzählt von der geknickten Stimmung unter ihren Kommilitonen: „So haben wir keine eigene Feier mehr, das ist schade. Das nimmt uns unseren Moment.“

Dennoch zeigen sich alle verständlich für die Lage. Die Hochschule hat Lena und ihre Mitstudierenden in der ungewohnten Situation gut unterstützt, lobt sie. Sie findet es toll, dass die Hochschule so flexibel reagiert hat und auch die Dozenten sich darauf eingelassen haben. Das hat ihr eine Menge Stress genommen und Sicherheit gegeben. Lena ist jetzt erstmal erleichtert, dass alles gut funktioniert hat. Das Feiern werden die Bachelor-Absolventen auf jeden Fall noch nachholen.