Gesundheit nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Mündige Patient*innen möchten eine aktive Rolle im Behandlungsprozess spielen und nutzen aktiv zusätzliche Informationsangebote zur Erweiterung ihrer Wissenskompetenzen, beispielsweise solche auf Social-Media-Kanälen. Unser Alumni Noah Fassian (Foto) gibt einen Einblick.

Das soziale Netzwerk Instagram verzeichnet monatlich eine Milliarde Nutzer. Dort sind neben Beauty, Fashion und Lifestyle Blogger auch Accounts zu finden, die in erster Linie das Ziel haben Aufklärung über gesundheitsbezogene Themen zu betreiben, zu einem gesunden Lifestyle zu motivieren sowie komplexe medizinische Sachverhalte laienverständlich zu vermitteln.

Eine weitere Tendenz, die sich in den letzten Jahren zeigt, ist der Anstieg an Kanälen, die sich mit physiotherapeutischen Inhalten auseinandersetzen. Unter dem Hashtag physiotherapie findet man eine große Auswahl an Inhalten – Videos mit Übungen, um die Rumpfmuskulatur zu stärken, zahlreiche Tipps, um Verletzungen zu vermeiden, Evaluationen von Behandlungsmethoden und vieles mehr.

Doch was bedeutet die digitale Kommunikation über Gesundheit für Patient*innen und Therapeut*innen?

Noah Fassian, Absolvent des Studiengangs Physiotherapie (B.Sc.) und anschließend bis Ende 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der SRH Hochschule Heidelberg, erklärt die Chancen und Risiken für Patient*innen und Therapeut*innen, die sich auf Instagram über medizinische Inhalte informieren. Als größter Vorteil betrachtet er die mannigfaltigen therapeutischen Informationen und die Möglichkeit anhand von Videos ihre praktische Anwendung zu sehen. Weiterhin ist Instagram eine gute Möglichkeit Patient*innen im Behandlungsprozess aktiv einzubinden und ihre Compliance zu steigern. Therapeut*innen können sich auf Instagram auch mit anderen Fachleuten vernetzen und austauschen. „Konstruktive Kritik gegenüber dargestellten Behandlungsmethoden ist erwünscht, damit hochwertige Beiträge entstehen können“, so Fassian, der selber auf Instagram aktiv ist und auf die Verbreitung von wissenschaftlich fundierten Informationen achtet.

Neben den Vorteilen weist Instagram allerdings gewisse Nachteile auf – Quellen sind häufig nicht deutlich nachvollziehbar und es mangelt an einer wissenschaftlichen Fundierung. Nicht selten werden sogar irreführende Informationen verbreitet und Übungen falsch durchgeführt. Folglich bleiben viele Patient*innen enttäuscht und stellen die Erfolge einer physiotherapeutischen Behandlung infrage.

Um diese negativen Folgen zu vermeiden, empfiehlt Fassian Konsument*innen darauf zu achten, ob Leitlinien und Studien in den Beiträgen einbezogen sind, welche Ausbildung und Hintergrund die/der Influencer/in hat und ob eine unabhängige, werbefreie Vermittlung von Inhalten erfolgt.

Trotz der vorhandenen Risiken ist Fassian zuversichtlich, dass Instagram eine hilfreiche Plattform sowohl für Patient*innen als auch für (angehende) Therapeut*innen sein könnte. Sie sollte jedoch mit einem kritischen Auge betrachtet und mit Bedacht genutzt werden. Beim Verbreiten von Beiträgen über diese Plattform ist es wichtig sich den Chancen und Gefahren eines Beitrags bewusst zu werden und verantwortungsbewusst mit diesem Medium umzugehen. Nur so könnten die Physiotherapie-Influencer*innen zukünftig auch als Chance bei der Gestaltung gesundheitsfördernder Maßnahmen betrachtet werden.