Julia studiert bei uns Medien- und Kommunikationsmanagement im 3. Semester. Für ihr Modul „Die Produktionsfirma“, drehte sie den Film „Schachta“. Was als normales Uni-Projekt begonnen hat, zog Kreise, welche sich Julia nicht hätte erträumen können.Wir-Online-Redakteurin Leonie Wagner berichtet.Nach einem Anstoß von ihrem Dozenten, Norbert Kaiser, meldete sich Julia bei „Girls-Go-Movie“, einem Kurzfilmfestival an. Aus ca. 70 Teilnehmerinnen ging sie als eine von sechs Siegerinnen aus ihrer Kategorie hervor und gewann den Sonderpreis von metropolregion.tv und dem Offene Kanal Ludwigshafen! Den Sachpreis, eine Go Pro, plant sie bei ihrem nächsten Filmprojekt einzusetzen.

Vorerfahrungen? Fehlanzeige. In der Abi-Zeit hat Julia mal kleine Filme gedreht, doch war dieses Projekt ihr erster professioneller Film. Sie war Schauspielerin, Regie und Kamerafrau in einem. Ihr einziges Hilfsmittel war ihre eigene Kamera und ein guter Freund, der ihr bei manchen Szenen die Kamera hielt.

Ihr Film dreht sich um die 23-jährige Alesya, geschauspielert von Julia selbst.

Wir befinden uns im Jahr 2020. Ein etwas anderes Jahr, für jeden von uns. Gerade in dieser Zeit hat man gerne seine Liebsten um sich. Besonders, wenn man wie Alesya in zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen ist und die Familie länderübergreifend lebt, klappt das leider nicht so einfach. Soziale Einsamkeit und politische Uneinigkeit sorgen schnell für Verwirrung, Verzweiflung und Unsicherheit. Wie schnell sich der Konflikt zwischen Familie und Pandemie aber auch die politische Lage zuspitzt, erfährt man in diesem Kurzfilm. Julia zeigt in emotionalen und sehr bewegenden Sequenzen, wie sich die politische Situation in ihrem Herkunftsland, Weißrussland/Belarus, zuspitzt. Nicht nur Corona, sondern auch Wahlfälschung und Verschleppungen werden aufgegriffen. Diese vielen Eindrücke, die Sehnsucht und die Verzweiflung verkörpert Julia so glaubhaft, dass man nicht abschalten kann. Hinter dem Filmtitel „Schachta“ (= Schacht im Bergbau), verbirgt sich eine tiefsinnige Bedeutung. „Bergwerke sind oft dunkel und haben lange Tunnel. Aber durch die Bodenschätze ist es auch etwas Besonderes, Schönes und Wertvolles – wie ein Licht am Ende des Tunnels. Wenn man lange genug gräbt, findet man das was man sucht und weiß es sehr zu schätzen“, erklärt Julia im Interview. Hinter diesen Sätzen steckt die Entwicklung der Hauptprotagonistin und deren Findungsphase.

Natürlich steckt in diesem Werk viel Arbeit. Gerechnet hat Julia mit dem Sieg aber nicht ansatzweise. Sie saß sprachlos in ihrem Zimmer, mit Freudetränen im Gesicht. Überwältigt von ihren Emotionen. „Ich dachte wirklich, dass das ein Fehler sein muss, bei dieser großen und wirklich guten Konkurrenz“, teilte uns Julia im Interview mit – dabei strahlt sie nach wie vor über beide Ohren. Auch ihre Familie, die teilweise im Film mitspielte, ist auf diese Leistung besonders stolz. Denn Julia hat mit diesem Projekt nicht nur einen Film produziert, sondern noch viel mehr überwunden. In einer Welt, in der alle Menschen furchtbar taff zu scheinen sein, ist sie über ihren eigenen Schatten gesprungen, hat ihr eigenes Leben und ihre Gefühle offengelegt. Dieser Mut hat sich ausgezahlt, denn genau das macht ihren Film so besonders. Der Zuschauer ist gefesselt von den vielen Emotionen. Gerade weil sie so viel von sich und ihrer persönlichen Geschichte preisgibt, möchte sie den Film nicht für jedermann einsehbar machen.

„Einfach machen und die Angst vor dem Unbekannten loslassen.“ Das ist Julias Message. Denn sich bewusst zu machen, dass man nichts zu verlieren hat und theoretisch nur gewinnen kann – wenn auch „nur“ an Erfahrungen, hat sie selbst überzeugt an dem Contest teilzunehmen. Es bleibt also nicht mehr zu sagen als: Traut euch!

Wer den Film „Schachta“ gerne sehen möchte, kann sich gerne via MS Teams oder per Mail direkt an Julia Königseder wenden.

18. Januar 2021 Leonie Wagner Wir-Online-Redakteurin und MuK-Studentin