Autohändler, Immobilienhändler, Juweliere: Besonders Händler von hochpreisigen Produkten sind nicht vor Geldwäsche gefeit. Prof. Dr. Stephan Schöning, Akademischer Leiter des Campus Calw der SRH Hochschule Heidelberg, begrüßte beim „Kaminabend“ zu diesem Thema im Dezember Eugen Schlosser, Senior Manager im Bereich Financial Advisory | Forensic der Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart, im Tower der SRH Hochschule Heidelberg. Der FACT UnternehmerDialog wird gemeinsam von der SRH Hochschule Heidelberg und dem gemeinnützigen Forschungsverein FACT-Center e.V. Center for Finance, Accounting, Controlling and Taxation veranstaltet; er soll die Brücke zwischen Hochschule und Praxis schlagen und Studierenden Einblicke in Praxistätigkeiten geben.

In seinem kurzweiligen Vortrag zum Thema „Geldwäsche-Compliance bei Güterhändlern: ein unterschätztes Risiko“ begann Herr Schlosser mit einem einprägsamen Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie sind Autohändler. Zu Ihnen kommt ein Kunde, er will ein hochpreisiges Auto kaufen und stellt Ihnen als Bezahlung einen Koffer mit 100.000 Euro in bar auf den Tresen. Was machen Sie?“ Schnell wurde damit allen Zuhörern klar, dass Geldwäsche nicht nur ein Problem der Finanzbranche ist, sondern dass auch Güterhändler betroffen sein können. Speziell Händler von hochpreisigen Produkten wie Edelmetalle, Schmuck, Immobilien und Fahrzeugen von Autos über Flugzeuge bis hin zu Schiffen können von Geldwäschern für ihre Zwecke missbraucht werden. Vielen Güterhandlern ist dabei gar nicht bewusst, dass sie als Verpflichtete des Geldwäschegesetzes (GwG) anzusehen sind. Mithin fehlt selbst bei größeren Unternehmen das Bewusstsein, dass eine Auseinandersetzung mit neuen Anforderungen erforderlich ist und umfangreiche präventive und risikomitigierende Maßnahmen zu implementieren sind. Herr Schlosser gab einen Überblick über die von jedem Verpflichteten des GwG zu stellenden Fragen nach den gesetzlichen Anforderungen und den zu bewertenden Risiken. Auch die potentiellen Konsequenzen, etwa in Form von drakonischen Strafzahlungen, Gewinnabschöpfungen und Beschlagnahmungen, wurden angesprochen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die für die Aufsicht von Güterhändlern zuständigen Behörden angekündigt haben, verstärkt Kontrollen durchzuführen, wird die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dieser Thematik zunehmend wichtiger. Doch die Umsetzung der gesetzlich geforderten Maßnahmen bereitet Güterhändlern Probleme, allein schon deshalb, weil in Deutschland je nach Bundesland unterschiedliche Behörden für die Einhaltung des GwG zuständig sind. Neben der Geldwäsche gilt es für Unternehmen auch die Bereiche Terrorismusfinanzierung, Embargoverstöße, Korruption und verbotenen Bildung von Kartellen im Auge zu behalten. „Es kann durchaus bei einer Geschäftsbeziehung eines deutschen Unternehmens mit einem chinesischen Unternehmen relevant sein, dass jenes Unternehmen gleichzeitig auch Geschäfte mit Nordkorea betreibt.“

Der Bereich Forensik konzentriert sich klassisch auf Sonderuntersuchungen und Compliance-Themen, kommt jedoch verstärkt sowohl im Rahmen der Vorbereitung von Unternehmenskäufen als auch in der Integrationsphase nach dem Kauf beratend zum Einsatz. Eine formale Ausbildung für den Bereich gibt es nicht, im Team finden sich neben Wirtschaftswissenschaftlern auch Juristen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, IT-Spezialisten, Psychologen und Naturwissenschaftler.

Der Abend klang gemütlich mit einem kleinen Imbiss und intensiven Gesprächen aus.