Corona hat den ganzen Hochschulalltag umgekrempelt. Wie die Studierenden die Ausnahmesituation an der SRH Hochschule Heidelberg erleben, von Online-Vorlesungen bis hin zur digitalen Prüfung – Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig berichtet in einer kleinen Serie.

Der Campus ist zwar leer, doch das neue Semester ist schon in vollem Gange. Seitdem am 16. März die Hochschulen des Landes geschlossen wurden, findet das Studium an der SRH Hochschule Heidelberg digital statt. Die gesamte Hochschule befindet sich im Online-Modus.

Mein Interview mit Jessica Volkwein findet wie viele Lehrveranstaltungen momentan via Videocall statt. Die Sonne strahlt, im Hintergrund ist der Garten erkennbar. Die Gesundheitspsychologie-Studentin sitzt bequem auf dem Gartensofa, während sie mir von ihren Erfahrungen in der aktuellen Situation berichtet.

Normalerweise gibt es an der SRH Hochschule Heidelberg recht wenige Vorlesungen. Man erarbeitet sich in kleinen Lerngruppen gemeinsam und interaktiv die Inhalte. Aber Jessica befindet sich im zweiten Semester, momentan hat sie zwei Module gleichzeitig. Und ein Modul ist Statistik 2, das nun mal hauptsächlich auf Vorlesungen basiert und mit einer schriftlichen Klausur abgeschlossen wird. Auf Microsoft Teams gibt es dafür den Channel „Lernvideos“, auf dem der Dozent den Foliensatz sowie Videos hochlädt, in denen er die Folien erklärt. Zusätzlich gibt es einen Termin, bei dem aufkommende Fragen im Chat geklärt werden können. Um die Inhalte zu vertiefen, erhalten die Studierenden Übungen und Tutoriumsaufgaben, deren Lösungen in extra Channels ebenfalls besprochen werden. Jessica erwähnt mehrfach, dass insbesondere die Videochats hilfreich sind, um offene Fragen zu klären.

Ein vorlesungsbasiertes Modul wie Statistik ist relativ einfach online umzusetzen. Schwieriger wird es beim empirisch experimentellen Praktikum (EXPRA), das ebenfalls zu Jessicas Fünf-Wochen-Block gehört. Normalerweise geht es dabei darum, in Gruppen einen experimentellen Versuchsplan zu erstellen und durchzuführen sowie eine Studienarbeit darüber zu schreiben. Viele Studierende wählen dabei ein selbst durchgeführtes Feldexperiment, bei dem sie erste Erfahrungen im praktisch-experimentellen Vorgehen sammeln können. Durch die Corona-Krise ist das allerdings schwer umzusetzen, es musste improvisiert werden.

Die Datenerhebung wird nun via SoSciSurvey, einer Online-Fragebogen Plattform, durchgeführt und durch den Modulleiter Andrés Steffanowski ausgewertet. Die Studierenden erhalten die Daten und arbeiten mit diesen weiter. Das übergeordnete Thema der durchzuführenden Untersuchung wurde ebenfalls geändert: Psychische Gesundheit in Zeiten von Corona, aktueller könnte es nicht sein. In enger Betreuung erarbeiten sich die Studierenden nun also die statistischen und analytischen Fähigkeiten, der Spaß am eigenen Experimentieren muss dabei leider ausbleiben. Dafür bietet sich in dieser außergewöhnlichen Situation aber ein ganz neues Themenspektrum, schließlich hat man selten die Möglichkeit psychische Gesundheit in Krisenzeiten zu untersuchen. Jessy und ihre Kommilitonen sind gespannt, was bei den Untersuchungen herauskommt.

Mit Microsoft Teams hat Jessica bis jetzt gute Erfahrungen gemacht. Außer, dass ab und an die Verbindung bei manch einem schlecht ist, gab es noch keine Probleme. Jessica und ihre Kommilitonen*innen haben ein System entwickelt, wie sie Chaos im Chat vermeiden: „Wir haben beschlossen, dass bei mehr als fünf Leuten alle ihr Mikro und Video aushaben. Wir ernennen dann immer einen Teamchannelleiter, der den Chat im Blick hat und Fragen übers Mikrofon stellt“.

Es hat nicht lange gedauert, bis die Studentin sich mit den Online-Vorlesungen und Chats angefreundet hat. Mittlerweile findet sie es sogar besser als den Alltag an der Hochschule, da ihr dadurch auch die Anfahrt von ihrer Wohnung in Bammental zur Hochschule erspart bleibt. Während sie anfangs noch größtenteils vom Büro aus an den Vorlesungen teilgenommen hat, verlagerte sie ihre Lernsessions ab Ende der ersten Woche immer öfters auf das Sofa oder machte währenddessen andere Dinge. „Also ich hab dann zum Beispiel auch während einer Vorlesung mal gekocht“, lacht sie. Bei schönem Wetter lernt sie jetzt auch immer öfter im Garten. Sie erzählt: „In der Uni habe ich das immer in der Bibliothek gemacht, hier mache ich das jetzt im Garten, habe neben mir irgendein leckeres Getränk oder mein Müsli, und dann ist das halt einfach viel entspannter.“ Nur, wenn der Akku schlapp macht, zieht es sie zurück ins Büro.

Um den Überblick zu behalten und sich auf die Aufgaben konzentrieren zu können, macht Jessy To-Do Listen. „Das Problem ist, dass man gar nicht dazu kommt, irgendwas abzuhaken“ erzählt sie. „Man ist halt durchgängig auf Teams unterwegs. Es werden ständig Fragen gestellt und Inhalte hochgeladen, sodass es schwierig ist „up to date“ zu bleiben, ohne dass man etwas vergisst.“ Trotzdem kommt sie gut voran.

Wie die Klausur aussehen wird, ist noch unklar. „Es wäre eine Idee, die Leute in die Uni kommen zu lassen und auf die Räume aufzuteilen“, überlegt sie. Bis jetzt aber weiß noch niemand, wie es ablaufen wird, wenn bis dahin die Hochschulen noch geschlossen sind. Wir sind gespannt, was sie uns von der Klausur berichten wird.