Er kennt die Hochschule, und die Hochschule kennt ihn, allerdings bisher in anderer Funktion: Im Interview beschreibt der neue Rektor der SRH Hochschule Heidelberg, wie er seine Aufgaben insbesondere in Corona-Zeiten angehen möchte, was er vermissen wird und wie er sich am liebsten entspannt.

Herr Diener, seit dem 1. Mai hat die SRH Hochschule Heidelberg einen neuen Rektor: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Position! Seit 2017 waren Sie ja bereits als Prorektor für Forschung und Praxistransfer im Rektorat tätig. Wie wird sich Ihr Alltag an der Hochschule nun ändern?
Mein Alltag hat sich mit dem ersten Tag geändert! Bislang habe ich ein umgrenztes Ressort – Forschung und Praxistransfer – an unserer Hochschule verantwortlich geführt. Nun darf ich die Entwicklung der Hochschule in der ganzen Breite entscheidend mitgestalten.
Dabei ist natürlich der Zeitpunkt der Amtsübernahme herausfordernd und interessant zugleich. Der Umgang mit den Anforderungen, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, verlangt von uns allen extrem adaptionsfähige und dennoch solide und ausgewogene Entscheidungen. Dabei müssen wir stets die Zukunft der Hochschule im Blick behalten. Neben all den ‚daily hassles‘, mit den wir aktuell konfrontiert sind, ist die Innovationskraft unserer Hochschule, die tagtäglich von unseren Mitarbeitern und auch Studierenden gelebt wird, eine enorme Motivation für mich.

Welche Erfahrungen haben Sie als Prorektor und Studiengangsleiter der Psychologie gemacht, die Sie jetzt nutzen können?
Ich war ja bereits viele Jahre an unserer Hochschule als Professor tätig, bevor ich die eine oder andere Leitungsfunktion übernehmen durfte. Ich darf also sagen, dass ich die Hochschule und die Hochschule mich kennt. Wichtig ist mir –  und das war immer mit positiven Erfahrungen verbunden  –  dass eine Kommunikation auf Augenhöhe gepflegt wird, mit Kolleginnen und Kollegen wie mit Studentinnen und Studenten. Das schafft eines der wichtigsten „Grundgüter“ im Miteinander, egal ob beruflich oder privat, nämlich Vertrauen. Alle bisherigen Aufgaben habe ich ausnahmslos in größeren oder kleineren Teams gelöst und dabei erlebt, dass ein vertrauensvolles und offenes, aber zugleich auch zielorientiertes und fokussiertes Herangehen erfolgreich ist.

Tut es Ihnen auch ein bisschen Leid, nun andere Aufgaben abgeben zu müssen?
Ja! Ich werde zwar meine aktuellen Lehrverpflichtungen noch erfüllen können. Aber dann muss ich leider akzeptieren, dass ich keinen 5-Wochen-Block mehr mit den Studentinnen und Studenten habe, um mich über die faszinierende Welt der Biologischen Psychologie oder die Schönheit des Erkenntnisgewinns durch Forschungsmethoden austauschen zu können. Das vitalisiert mich sehr und ich vermisse es schon jetzt. Aber vielleicht werde ich ja – wenn die Zeiten etwas ruhiger geworden sind – gefragt, ob ich nicht hier und da mal in der Lehre einspringen kann …

Was sind Ihre ersten Amtshandlungen?
Ich habe gerade gestern das erste Mal als Rektor Bachelor-Urkunden unterschrieben. Das war schon ein würdevolles Gefühl. Heute war ich bei den ersten Präsenzklausuren dabei, um zu schauen, ob alles klappt und sich alle an die Sicherheits- und Hygienevorschriften halten. Das Top-Thema ist aktuell natürlich für uns und auch für mich der Umgang mit der Corona-Pandemie. Nach der erfolgreichen Bewältigung des ersten Themenblocks in digitaler Form – wofür ich allen und gerade auch der SRH IT-Solutions ganz herzlich für ihr großartiges Engagement danken möchte – geht es zunehmend um die Frage, wie wir die gemachten ‚Learnings‘ proaktiv in eine zeitgemäße Gestaltung unseres Lehrportfolios und auch der innerbetrieblichen Zusammenarbeit überführen. Ich sehe, dass wir hier zunehmend von einem reinen Reaktionsmodus in einen stärkeren Aktionsmodus kommen können. Dazu haben wir eine Task Force gegründet, deren Akteure aus der Mitte der Hochschule kommen, um diesen Prozess produktiv zu gestalten. Unsere Hochschule wird post Corona eine andere als prä Corona sein. Wir bleiben selbstverständlich eine Präsenzhochschule, werden aber in Zukunft digitaler sein. Damit sollten wir ebenfalls unsere Qualitätsversprechen, für die wir mit dem CORE-Prinzip stehen, noch prononcierter und nachhaltiger realisieren können.

Wie entspannen Sie sich am liebsten? Vielleicht auch gerade in Corona-Zeiten?
Ganz ehrlich? Ich habe in den letzten Jahren eine Leidenschaft für den Garten entwickelt. Meine Gedanken werden ruhig und nichts stört in meinem Kopf, wenn ich frisch gemähtes Gras rieche, eine schön geschnittene Hecke sehe oder eigene Tomaten esse.
Zum Glück gibt es dann aber meine beiden Jungs, die meinen schönen Rasen, die Hecke und alles was so blüht und gedeiht, mit Fußballspielen wieder ruinieren. Herrlich diese Dialektik des Lebens, nicht wahr?