Sie schrie und schubste ihren Mitbewohner vom Balkon – im Kopf: In ihrer nächsten WG-Kolumne erzählt Wir-Online-Redakteurin Isabelle Schulz von ihrem Heizungskrieg.Willkommen, willkommen! Um euch auch diesmal eine kleine Einführung in mein Leben zu gewähren, lasse ich euch teilhaben an meiner Gemütslage bezüglich des Wetters: Die Sonne ist wieder da und ich liebe es! Nun kann man sich fragen, warum ich das Bedürfnis habe das mitzuteilen. Eigentlich bin ich ein Winterkind. Ich friere zwar immer und überall, jedoch ziehe ich das ganz klar dem Schwitzen bei 30°C im Schatten vor. Frei nach dem Motto: „Es gibt immer noch ein weiteres Paar Socken, weniger wie Sommerkleid kann ich in der Öffentlichkeit jedoch nicht tragen.“

Somit gehöre auch ich zu „dieser“ Sorte von Mensch. Von Kopfschmerzen bis Wetterfühligkeit, für Unwohlsein jeglicher Art, lässt sich das Problem dem wechselnden Wetter zuschreiben. „Diese“ Sorte, meist Deutsche, die sich liebend gerne über das Wetter beschweren. Nein, diesmal nicht. Der Frühling ist endlich da und ich könnte nicht glücklicher darüber sein. Die Erklärung dafür ist ganz einfach… 

Die kaputte Heizung

Als ich Oktober letzten Jahres in die Wohnung einzog, hatte es knackige 25°C. Nachts war es kühl, tagsüber immer noch schön sonnig, sodass mein Zimmer spätestens mittags stets eine angenehme Temperatur erreichte. Als dann jedoch Mitte November Minustemperaturen einbrachen, war es an der Zeit die Heizung aufzudrehen. So lautete zumindest der Plan.

Da man mir bereits beim Einzug mitteilte, dass die Heizung relativ schwach sei, stellte ich mich darauf ein, dass es möglicherweise ein, zwei Stunden dauern könnte, bis die Heizung ihr volles Potential erreichen würde. Da sie nach zwei Tagen jedoch immer noch eiskalt war, ahnte ich bereits, dass hier etwas nicht stimmen kann. Mein Mitbewohner war erneut keine große Hilfe, mein Vater konnte die Lage von so weit entfernt auch nicht beurteilen, also schrieb ich dem Vermieter eine E-Mail. Dieser verwies mich an den Hausmeister (den Nachbar), welcher mir dann erklärte, dass er eigentlich gar nicht der Hausmeister sei, mir aber trotzdem die Heizung reparieren würde. Gesagt, getan.

Der Heizungskrieg

Der nächste logische Schritt war für mich nun, in der ganzen Wohnung die Heizungen anzuschalten, zumindest auf eins oder zwei, um einmal eine Grundtemperatur über dem Gefrierpunkt zu erreichen. Denn, wenn man am nächsten Morgen krank ist nach dem Haare waschen, weil die Haare noch nass waren, dann ist das ein Zeichen, dass es in der Wohnung zu kalt ist. Wer die letzten Episoden verfolgt hast, weiß bereits, dass mein Mitbewohner mit nichts einverstanden ist, was ich einführen möchte. So auch diesmal. Ich machte die Heizung an, mein Mitbewohner wieder aus. Ein stiller, aber ernst zu nehmender Heizungskrieg entbrannte.

Irgendwann bekam ich dann eine WhatsApp, ich solle doch die Heizung in meinem Zimmer ausmachen, wenn ich nicht da bin. Ich zerfetzte Kissen, schrie, sprang auf den Tisch und schubste meinen Mitbewohner vom Balkon… in meinem Kopf. Diplomatisch versuchte ich eine Diskussion zu führen, ob wir nun die Heizung an- oder ausmachen, verlor sie, erreichte jedoch einen Kompromiss:

Wenn er morgens um 6 Uhr aufstand, drehte er die Heizung im Bad auf, wenn ich dann drin war, machte ich sie wieder aus. Der Rest der Wohnung blieb kalt. So wie der Master es wünschte. Ich meine, -3°C beim Frühstück in der Küche sind schon auszuhalten. Ich will mich ja nicht so anstellen.

Ebenso ließ ich mich runterhandeln, dass ich, wenn ich am Wochenende bei meinen Eltern bin, die Heizung wenigstens runterdrehe. Dass das von 5 auf 4 bedeutet, muss er ja nicht wissen…

Wer jetzt denkt: „Isabelle, warum musst du die Heizung überhaupt so stark aufgedreht lassen, wenn du eh nicht zu Hause bist?!“ Lasst es mich erklären: Dieses Mehrfamilienhaus, in dem ich lebe, ist gefühlt 600 Jahre alt. Die Wände sind schlecht isoliert, der Boden ist eiskalt und der Grundriss ist krumm und schief. Ich könnte meinen rechten Fuß verwetten, dass auch noch Asbest in unserer Dämmung ist.

Bei einer Außentemperatur von -3°C hat mein Zimmer ebenfalls Minusgrade. Jedoch heizt das Zimmer sich keinesfalls in zwei Stunden wieder auf. Das ist ein Prozess, der mehrere Stunden andauert. Und den Erfolg von 22°C schmeißt man nicht einfach weg, nur weil man eineinhalb Tage nicht da ist. Außerdem heizt mein Mitbewohner ja sowieso nicht. Das Geld, das wir bei ihm sparen, kann ich ja wieder rausschlagen…

Meine Eltern würden jetzt sagen, ich bin ein Sturkopf. Ja, keine Widerrede. Aber wenn sich ein Problem nur durch Gezeitenänderung lösen lässt, dann kann das Problem keinesfalls nur auf meiner Seite liegen.

Aber noch ein kleiner Witz zum Schluss: Mein Mitbewohner hat das „Heizung Anschalten“ Anfang Februar wieder „vergessen“. Als dann vor kurzem eine Freundin spontan bei mir übernachtete, lief morgens erstaunlicherweise die Heizung im Bad. Ich bin nicht sicher, ob er diese Nacht aufwachte und dachte: „Mist, all die Zeit habe ich vergessen die Heizung für Isabelle anzumachen!“, oder ob er sie einfach deutlicher lieber mag als mich. Das werde ich wohl niemals erfahren…

 

Naja, schön dass ihr wieder da wart!

Mit freundlichen Grüßen

Isabelle