Im zweiten Teil seiner Kolumne stellt Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke Heidelberg und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg, die Frage: Mögen Sie das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben?

Sind Sie in der Orientierungsphase und fragen sich, bei welchem Unternehmen Sie Ihren Berufseinstieg starten möchten? Dann nutzen Sie schon den ersten Kontakt mit den Unternehmen, bei denen Sie sich bewerben, für einen Sympathiecheck: Mögen Sie das Unternehmen, bei dem Sie sich gerade vorstellen? Und wie steht es mit dem Menschen, der mein künftiger Chef sein soll – ist auch er mir sympathisch? Wer sich um eine Stelle bewirbt, sollte beide Fragen mit Ja beantworten. Ein positives Grundgefühl zu Unternehmen und Chef bildet die Basis, um eine Position erfolgreich ausfüllen zu können.

Eigentlich klar, das klingt nach Binsenweisheit. Nur zeigt die Realität im Vorstellungsgesprächs immer wieder: Wenn es darum geht, die Stelle zu bekommen, blenden viele den Aspekt „Sympathie“ gerne aus. Im Vordergrund steht das Bestreben, das Spiel zu gewinnen und sich erfolgreich gegen alle Mitbewerber durchzusetzen. Ob die Bewerberin oder der Bewerber das Unternehmen und den künftigen Chef mag, gerät dabei in den Hintergrund.

Gehen Sie mit offenen Sinnen auf das Unternehmen zu, das Sie gerade kennenlernen. Welcher Geist ist zu spüren, wenn Sie das Haus betreten? Wie werden Sie an der Pforte, wie im Vorzimmer empfangen? Wie begegnen Ihnen die Menschen? Grüßen sie, lächeln sie? Prüfen Sie, ob die Kultur zu Ihnen und Ihren Werten passt. Wenn Sie der Pförtner schnodderig und desinteressiert empfängt, man Sie in einem kahlen Warteraum vergisst, die Toiletten an ein Bahnhofsklo erinnern, der Personalleiter ungeübt oder überlastet wirkt und der zukünftige Chef den vereinbarten Termin verstreichen lässt – wie wirkt das auf Sie? Möchten Sie hier wirklich arbeiten? Können Sie hier erfolgreich sein?

Wirken Räumlichkeiten und Menschen angenehm, folgt mit dem Beginn des Vorstellungsgesprächs der zweite Test: Spüren Sie auch eine gewisse Zuneigung zu Ihrem potenziellen Chef? Meist entscheiden hier die ersten Augenblicke, in denen bereits deutlich wird, dass die „Chemie stimmt“ und man wahrscheinlich „miteinander kann“.

Vorsicht, wenn das nicht der Fall ist. Angenommen Sie verstehen Ihren künftigen Vorgesetzten und glauben auch, seine Probleme lösen zu können – prüfen Sie dennoch kritisch, ob Sie das auch wollen. Wie fühlt es sich an, künftig für diesen Menschen, der Ihnen da jetzt gegenübersitzt, zu arbeiten? Eine Abneigung lässt sich auf Dauer nicht verbergen, früher oder später bewahrheitet sich der alte Spruch: „Es kommt dir aus allen Knopflöchern heraus, dass du den Typ nicht leiden kannst.“

Eine bewährte Grundregel für ein Bewerbungsgespräch lautet: authentisch sein – und beide Seiten stellen fest, ob sie zueinander passen. Schauspielkünste, um eine Stelle unbedingt zu bekommen, widersprechen dieser Regel. Die bessere Strategie ist es, offen in das Gespräch zu gehen und ehrlich auszuloten, ob man dem möglichen Vorgesetzten einen Nutzen bieten kann und will. Denn das gelingt Ihnen am besten, wenn sie ehrliche Sympathie für ihn und das Unternehmen haben.