Die SRH Hochschule Heidelberg hat viele Angebote auf den Weg gebracht, um Mitarbeitenden und Studierenden die Verienbarkeit von Familie und Beruf bzw. Studium zu erleichtern. Eine Studentin und eine Mitarbeiterin berichten.

Studieren mit Kind? Für BWL-Studentin Nicole Koch hat es sich so ergeben. Sie war schon einige Jahre mit ihrem heutigen Mann zusammen, als sie das erste Mal schwanger wurde. Zu diesem Zeitpunkt studierte sie noch in Ludwigshafen- und kam mit ihrem Studium ins Straucheln. „Ich hatte es mir einfacher vorgestellt „, sagt sie rückblickend. „Die Semester waren zu vollgestopft. Es war schwierig für mich, alles unter einen Hut zu bekommen.“

Sie zog die Reißleine, suchte nach Alternativen- und fand so zur SRH Hochschule Heidelberg. Mit dem CORE- Prinzip ist einiges leichter geworden.“Durch die Struktur in Fünf-Wochen-Blöcken kann ich einen verpassten Block einfach später nachholen. Der Kontakt zu den Professoren ist hier viel persönlicher, sie zeigen Verständnis für meine besondere Situation.“

Mit 31 Jahren gehört Koch zu den älteren ihres Studiengangs. Denoch fühlt sie sich gut integriert. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Dezember 2017 hat sie nur vier Wochen ausgesetzt- mehr Auszeit wollte sie nicht nehmen. „Es ist mir wichtig, meinen Abschluss zu machen, um später in meinem Wunschberuf – idealerweise in einer Personalabteilung – arbeiten zu können“, sagt Koch. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann, der Elternzeit genommen hat.

Regelmäßige Zertifizierungen

Nicht nur für Studierende, sondern auch für die Mitarbeitenden an Hochschulen ist es schwierig, Familie und Studium unter einen Hut zu bringen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert deshalb verschiedene Programme- wie zum Beispiel das „audit familiengerechte Hochschule“ der berufundfamilie Service GmbH, eine Initiative der gemeinnützigen Hertie Stiftung.

Die SRH Hochschule Heidelberg gehört zu den 41 Hochschulen, die 2017 erfolgreich an dem Programm teilgenommen haben. Das Zertifikat „familiengerechte Hochschule“ ist für Urs Heck, Gleichstellungsbeauftragter der Hochschule, ein strategisches Managementinstrument: „Das Programm bietet uns die Möglichkeit, uns mit anderen Hochschulen zu messen, und hilft uns dabei, Maßnahmen zu priorisieren und in einem bestimmten Zeitraum umzusetzen“,sagt er.

Er selbst war nach der Geburt seiner Tochter drei Monate in Elternzeit.“Das war für mich selbstverständlich und ich möchte diese Zeit mit meiner Familie nicht missen“, sagt er. Damit gehört er zu der großen Mehrheit der Väter an der Hochschule, die diese durch den Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit genutzt haben.

Der Betriebsratvorsitzende Kay-Uwe Messmer begrüßt diese Entwicklung und sieht sie als Zeichen dafür, wie sehr sich die Denkweise innerhalb der Hochschule, aber auch der Gesellschaft gewandelt hat: „Früher wäre man gar nicht auf die Idee gekommen, Elternzeit zu nehmen. Da wäre man ausgelacht worden!“, sagt er. Heutzutage sei es selbstverständlich, dass sich Väter mehr Zeit nehmen für ihre Familie – und es sei ebenso selbstverändlich, dass Frauen nach der Geburt ihres Kindes oftmals wieder arbeiten gingen.

Silke Lehmann, Mitarbeiterin im Einkauf, ist ein Beispiel dafür, wie de Wiedereinstieg nach der Schwangerschaft gelingen kann. Als sie acht Monate nach der Geburt ihres Sohnes im Januar 2015 zurückkam, konnte sie direkt auf ihren Posten zurückkehren. „Das Tollste war für mich, dass ich trotz meiner Elternzeit direkt übernommen wurde“, sagt sie. Zunächst arbeitete sie zehn Stunden pro Woche. Nach einem Jahr stockte sie auf 25 Stunden auf.

Bei ihrer zweiten Schwangerschaft wurde ihre Schwangerschaftsvertretung selbst schwanger. Lehmann kehrte deshalb früher zurück als ursprünglich geplant. Trotzdem sagt sie rückblickend, dass sie extrem dankbar sei für das Vertrauen, das ihr entgegebengebracht wurde. Auch heute profitiert sie mit ihren dreieinhalb Jahre und fünfzehn Monate alten Söhnen von flexiblen Arbeitszeiten und der Möglichkeit von Home-Office-Tagen.

Flexible Arbeitszeiten

Die Flexibilität der Arbeitszeit sei einer der Gründe dafür, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen an der Hochschule hoch sei, meint Dr. Dorothee Hofer, als Verwaltungsleiterin selbst Mitglied der Führungsspitze und Mutter von drei Kindern. Drei von vier Positionen im Rektorat sind aktuell mit Frauen besetzt. Auf der Ebene der Fakultäts- und Institutsleitungen sind vier von elf Stellen mit Frauen besetzt. Insgesamt beträgt der Frauenanteil an der Hochschule 53%. „Wir haben in den letzte Jahren unsere Kernarbeitszeit auf einen schmalen Korridor verringert- 10 bis 14 Uhr-, das kommt natürlich vor allem Eltern mit kleinen Kindern zugute“, erklärt Hofer. Dass an der Hochschule eine hohe gelebte Familienfreundlichkeit herrscht, kann auch Messmer bestätigen. „Seit ich hier Betriebsratvorsitzender bin, ist mir kein Fall bekannt, in dem es um Benachteiligung aufgrund des Geschlechts oder der Familiensituation ging“, sagt er. Selbst bei akuten Ereignissen, wie z.B. schwerwiegender Krankheit eines Angehörigen oder Pflege, bestünde eine hohe Bereitschaft, auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehehn: „Die Kolleginnen und Kollegen gehen in solchen Fällen direkt auf ihren Vorgesetzten oder die Personalabteilung zu und wir finden gemeinsam eine lösung“,betont Dorothee Hofer.

Trotzdem will sich die Hochschule nicht auf dem Erreichten ausuhen. „In den letzten Jahren hat sich die Rolle des Gleichstellungsbeauftragten stark gewandelt“, sagt Heck. „Es geht den Mitarbeitern heute nicht mehr um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern vielmehr um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.“ Deshalb sieht er den Schwerpunkt dieser Funktion in Zukunft im Bereich Diversity Management und hat hierfür dem Hochschulesenat bereits ein Konzept vorgestellt. „Das Thema steht bei uns weiter auf der Agenda“, sagt auch Hofer. „Wir freuen uns immer über Anregungen aus der Belegschaft und von Seiten der Studierenden.“