Bitte, danke, Wiedersehen: In ihrer Kolumne “MANUal” geht MuK-Studentin Manuela Martin der Frage nach, wo Höflichkeit beginnt und wo sie endet. (English version below)

(Un)Höflichkeit

Höflichkeit – den Deutschen wird häufig nachgesagt, dies sei eine Charaktereigenschaft. Schon als kleines Kind lernt man, wie wichtig Höflichkeit ist, angefangen damit, immer bitte und danke zu sagen. Wobei ich nun behaupten würde, dass Höflichkeit nicht bei allen Menschen denselben Stellenwert hat. Wer in seinem Leben schon einmal kassiert oder Menschen bedient hat, wird wissen, was ich meine, wenn ich sage, dass manchen Menschen die Worte „bitte“ und „danke“ wohl zu viel Aufwand sind. Ob das jetzt unhöflich ist oder kleinlich, das kann an dieser Stelle jeder für sich selbst entscheiden.

Jedoch bin ich der Meinung, dass man sogar zu höflich beziehungsweise zuvorkommend sein kann. Kennt ihr diese Situation? Ihr lauft auf ein Gebäude zu, die Eingangstür ist gefühlt noch 20 Meter entfernt, und die Person, die gerade durch die Tür geht, hält die Tür für einen auf, sodass man unfreiwillig einen kleinen Sprint hinlegt, damit die Person die Tür nicht zu lange aufhalten muss.

Doch zurück zur Contra-Fraktion: Etwas, das gerade zu dieser Jahreszeit bestimmt jedem schon einmal passiert ist: Menschen husten einen einfach an, ohne sich wegzudrehen oder die Hand oder gar den Arm vor den Mund zu nehmen. Das finde ich persönlich nicht nur unhöflich, sondern auch eklig. Außerdem möchte ich schließlich nicht krank werden, besten Dank! Zum Glück sensibilisiert die aktuelle Berichterstattung zum Coronavirus zumindest gerade mal für dieses Thema.

Wer im Studi-Alter ist, kennt es bestimmt: Ältere Menschen (75 Jahre aufwärts) sind der Meinung, dass unsere komplette Generation, ebenso wie die nachfolgenden, allesamt unverschämt und unhöflich ist. Da ich auf keinen Fall in diese Schublade gesteckt werden will, grüße ich diese Menschen besonders freundlich, um ihnen das Gegenteil zu beweisen. Vielleicht erkennt sich ja jemand wieder. Allerdings habe ich auch schon ältere Menschen beobachten können, die sich einfach nur unhöflich verhalten. Vor ein paar Wochen hat sich eine ältere Dame einfach in den Zug gedrängt, bevor auch nur eine einzige Person aussteigen konnte. Dies mag eine Ausnahme sein, da ich so etwas bis jetzt nur ein einziges Mal gesehen habe, dennoch ist es passiert.

Ihr solltet wissen, dass ich mich nicht als Moralapostel aufspielen möchte. Schließlich hat jeder mal einen schlechten Tag, ist traurig oder möchte einfach nur seine Ruhe haben. In solchen Situationen hat man dann eben auch einfach anderes zu tun, als irgendwelchen fremden Menschen auf der Straße „Hallo“ zu sagen. Man sollte immer daran denken, dass man den Menschen eben nicht ansieht, was sie vielleicht gerade in ihrem Leben durchmachen, bevor man sie verurteilt oder als unhöflich abstempelt.

Ich möchte hier nicht festlegen, was höflich, unhöflich oder unverschämt ist. Ich finde, das ist situationsabhängig und es bleibt jedem selbst überlassen, dies für sich selbst einzuschätzen.

 

(Im)politeness

With her „MANUal“ the media- and communication management student Manuela Martin shares a new column.

Politeness, a word that is attached to Germans as if it were a character trait. Even as a small kid you learn how important politeness is, starting with saying ‘please’ and ‘thank you’. But I would say that the significance of politeness isn’t the same for everyone. Whoever has worked as a cashier or waiter/waitress will recognize what I mean by stating that for some people the words “please” and “thank you” are too much of an effort. Everyone should decide on his/her own if this is impolite/rude or fussy.

Nevertheless, in my opinion, there is a possibility of being too polite or obliging. Have you been in this situation? You are walking towards a building and the person walking through the entrance decides to hold this door for you. So, without really wanting it, you have to do a little sprint so that the person doesn’t have to hold the door for too long.

But let’s take a step back to consider the opposite; something that must have happened to everyone before, especially at this time of the year.  Some people decide to cough directly at you, without turning away or covering their mouth with their hand. For me that isn’t only rude but also disgusting. Besides I don’t fancy getting ill, thank you very much!

Those of you who are my age (early twenties) will know it for sure; elderly people (75 plus) think that our whole generation, as well as the following ones, are rude and impolite. As I really don’t want to be put in this box, I tend to greet those people extra friendly, to show them the opposite. Maybe some of you will recognize this in yourself. However, I have seen elderly people being simply impolite. A few weeks ago, an elderly lady pushed herself onto the train, without letting the other people get off first.

Maybe that is an exception, as I have seen it only once, but it has happened.

You should know that I don’t claim to be an upholder of moral standards. In the end, everyone occasionally tends to have a bad day, is sad or just wants to be left alone. In such situations one clearly has other things to do than to greet strangers in the streets. You should always keep in mind that you can’t see what is happening in other people’s lives before you judge them or label them as impolite.

Last but not least, I want to note that I don’t want to define the terms of being polite, impolite or rude. I think it depends on the situation and everyone should decide on their own.