Gediegener kann man sich kaum auf das Studium vorbereiten: Der Kurs „Musiktherapie in Aktion!“ an der Landesakademie Ochsenhausen für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg vermittelt jährlich spannende Einblicke in Ausbildung, Berufsbild und Praxisfelder der Musiktherapie. Juilette Reuter und Dominik Stenzhorn waren 2019 dabei und berichten.

Es ist ein lauer Nachmittag Anfang Mai. Auf dem Vorplatz des Klostergebäudes in Ochsenhausen finden immer mehr junge Menschen zusammen. Eine aufgeregte Stimmung ist zu spüren. Die Zimmer werden verteilt und bezogen. Und dann geht es auch schon los mit der ersten Begrüßung durch die Kursleiter Thomas Keemss, Dozent an der SRH, und Philipp Wolfart, ehemaliger akademischer Mitarbeiter. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird die Woche eröffnet mit dem Kennenlernen und Ausprobieren von Perkussionsinstrumenten. Die Teilnehmer werden anschließend in zwei Gruppen unterteilt, welche in den nächsten fünf Tagen abwechselnd aktive und rezeptive Musiktherapie erfahren sollen.

Blick in den Speisesaal

Abends geht es auf Erkundungstour. Die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg ist eine ehemalige Reichsabtei der Benediktiner, welches zu einer Jugendherberge mit musikalischem Schwerpunkt umgewandelt wurde. Wer das Wort „Jugendherberge“ eher negativ konnotiert, wird hier  definitiv eines Besseren belehrt. Das Gebäude ist sehr groß und imposant, ebenso wie die Räume, die mit beeindruckenden Malereien und Stuck verziert sind. Die geräumigen Zimmer werden täglich vom Hauspersonal gesäubert und haben ein eigenes Badezimmer sowie einen schönen Ausblick auf den Klostergarten. Auch  der Speisesaal ist nicht zu verachten: Prunkvoll verzierte Decken und Bilder ermöglichen eine Zeitreise in die Vergangenheit. Jeden Tag werden verschiedene, selbst gekochte (!) und leckere (!) Speisen auf den Tisch gebracht; hier wird jeglicher Ernährungsstil berücksichtigt.

Außerhalb des Geländes kann man schöne Spaziergänge oder kleine Wanderungen entlang des Klosterwaals unternehmen, einem von den damals lebenden Mönchen angelegter, künstlicher Bach. Gegenüber befindet sich eine kleine, gemütliche Gaststätte, welche abends von Touristen sowie Einheimischen gut besucht ist.

Die folgenden fünf Tage sind intensiv und informativ, wobei stets darauf geachtet wird, ausreichend Pause zu machen im abwechslungsreichen Programm, welches keine Langeweile zulässt. Bereiche, in denen Musiktherapie stattfindet, werden erläutert, Videos aus der Praxis werden gezeigt und besprochen. Es gibt einen Einblick in den Perkussionsunterricht des Studiums sowie in ein paar musiktherapeutische Methoden (Trommeln im Kreis, Entspannungsmusik) und Spiele wie das „wandelnde Duo“ – zwei Personen improvisieren, eine dritte gesellt sich hinzu und löst die erste ab. So wird eine Methode wird besonders stark in den Fokus genommen, nämlich das Improvisieren mit verschiedenen Instrumenten oder auch nur mit der Stimme. Hier wird eine grundlegende Sache schnell klar: Es gibt kein „Richtig“ und „Falsch“ in der Musiktherapie, nur Musik. Und das ist sehr angenehm und beruhigend.

Des Weiteren werden umfangreiche Informationen zur Aufnahmeprüfung gegeben und jeder Aufgabenteil wird erklärt und einmal beispielhaft durchgeführt. In der Gruppe ist danach eine allgemeine Beruhigung spürbar und einige sagen, dass sie jetzt keine Angst mehr vor der Prüfung haben.

Die Dozenten leiten den Kurs mit einer guten Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Man kann immer zu ihnen hingehen, und sie stehen jeder Frage Rede und Antwort. Es ist eine sehr angenehme und produktive Zusammenarbeit, in der viele interessante Gespräche entstehen.

Die Pausen kann man in verschiedene Räume nutzen, wo viele Instrumente stehen zum gemeinsamen oder auch alleinigen Musizieren oder Improvisieren. Auch wird eine Führung durchs Haus angeboten.

Am Ende der Woche sind erste Freundschaften entstanden und eine Kerngruppe aus Kursteilnehmern hat sich gebildet, welche zum nächsten Wintersemesterstart das Studium antreten wird. Sogar eine Wohngemeinschaft hat sich herauskristallisiert. Das Zusammensein mit den anderen ist erheiternd und gibt einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet Student zu sein. Man lernt Menschen kennen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands, von Flensburg bis nach Garmisch.

Der nächste Kurs findet vom 6. bis 10. Mai statt, mehr Infos zur Anmeldung und zu den Kosten gibt es  hier.