Mit Prof. Dr. Katja Rade steht ab dem 1. April 2017 erstmals eine Frau an der Spitze der SRH Hochschule Heidelberg. Wer ist sie und was treibt sie an? Ein erstes Kennenlernen.

Es ist Montagnachmittag, Mitte Dezember 2016. Draußen dämmert es bereits, als Prof. Dr. Katja Rade das Foyer der SRH Hochschule Heidelberg betritt. Sie hat gerade zwei Stunden Senatssitzung hinter sich, in der sie Rede und Antwort stehen durfte. Zwei Stunden, in denen es um ihre berufliche Zukunft ging – und um die Zukunft der SRH Hochschule Heidelberg. Ihr herzliches Lachen bei der Begrüßung verrät, dass es gut gelaufen ist. Der Senat hat sie einstimmig gewählt und damit eine positive Empfehlung abgegeben. Der letzten Hürde, ihrer Wahl durch den Hochschulrat, sieht sie zuversichtlich entgegen. „Es ist ein schönes Gefühl“, sagt sie. „Bis zum heutigen Tag habe ich immer nur in kleinen Etappen gedacht, nun kann ich allmählich mit der konkreten Planung beginnen.“

Die 51-jährige hat ihre berufliche Laufbahn als Luftverkehrskauffrau der Deutschen Lufthansa AG begonnen. Parallel dazu studierte die Darmstädterin Betriebswirtschaft an der Universität Frankfurt. Es folgten berufliche Stationen im Controlling der Lufthansa, dem Sustainable Business Institute (vormals EBS, Oestrich-Winkel) und die Promotion an der Technischen Universität in Berlin. Ihren ersten Ruf als Professorin für Betriebswirtschaftslehre erhielt sie 2001 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. 2007 wechselte sie an die Hochschule Pforzheim, wo sie derzeit noch Prorektorin für strategische Planung und Hochschulentwicklung ist.

Lange Zeit war sie die einzige Frau unter Männern: in der Verkehrsbetriebszentrale der Deutschen Lufthansa, als Professorin für Betriebswirtschaftslehre an ihrer Fakultät, zuletzt auch als Prorektorin der Hochschule Pforzheim. An der SRH Hochschule Heidelberg wird sich das ändern: Mit Prorektorin Prof. Dr. Carolin Sutter ist das Rektorat an der SRH Hochschule Heidelbergbereits mit einer weiteren Frau besetzt. „Das war für mich natürlich etwas ganz Besonderes“, sagt Katja Rade. „Ich habe mich sehr darüber gefreut.“ Sport als Leidenschaft Eine gemeinsame Leidenschaft haben die beiden Frauen bereits identifizieren können: den Sport.

Wie Sutter spielte auch Rade Handball auf hohem Niveau. Dazu gehört Ehrgeiz, Disziplin und Fleiß, aber auch eine große Portion Teamgeist. Besonders beeindruckt zeigte sich Sutter bei den ersten Gesprächen vom hohen Energielevel der zukünftigen Rektorin. „Die positive Energie, die sie ausstrahlt, ist wirklich ansteckend“, sagt sie. Zwar sind es bis zu ihrer offiziellen Amtsübernahme am 1. April 2017 noch einige Wochen, doch Rade hat längst damit begonnen, sich einzuarbeiten. Bereits im Vorfeld ihrer Bewerbung hat sie sich intensiv mit der SRH Hochschule Heidelberg auseinandergesetzt, ihre Strukturen und ihr Lehrkonzept analysiert, Bewertungen von Studierenden und Mitarbeitern gelesen. Sie hat sich einen ersten Eindruck verschafft.

Die starke Positionierung der SRH Hochschule Heidelberg über das CORE-Prinzip, die Innovationsfreude und nicht zuletzt die Menschen, die dahinter stehen, haben sie überzeugt. Sie ist angetan von den Gestaltungsmöglichkeiten, die eine private Hochschule mit ihren flexibleren Strukturen und schnelleren Wegen bietet und fest dazu entschlossen, diese auszuschöpfen. Die Lust, etwas zu bewegen, treibt sie an.

Management by objectives

Welche Projekte sie konkret angehen wird, kann sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Ich habe bisher nur die Außensicht und muss mir erst ein Bild  machen, was gut läuft und wo weitere Potenziale liegen.“ In den monatlichen Leitungskreisen, an denen sie bis zu ihrem Amtsantritt im April teilnehmen wird,  sowie in der Strategiesitzung Ende Januar werde sie deshalb vor allem zuhören. Und sie wird Fragen stellen. Manchmal ganz einfache, so wie diese, mit der sie während der Senatssitzung Mitte Dezember die Runde überraschte: „Mögen Sie sich?“ Die Antwort darauf war ihr wichtig. Denn gegenseitige Wertschätzung sieht sie als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Hochschulmanagement.

Die positive Energie, die sie ausstrahlt, ist wirklich ansteckend. Sie glaubt fest an die „Ökonomie des Vertrauens“. „Ich möchte die Vertrauenskultur an der SRH Hochschule Heidelberg fördern und leben“, sagt sie. Die Mutter von drei Kindern im Alter von 19, 20 und 23 Jahren hat gelernt, die Dinge anzupacken und gleichzeitig effektiv zu arbeiten. Struktur ist für sie essentiell: Wer macht was bis wann? Bei ihr gibt es keine Sitzung ohne Ergebnis. Als Controllerin sind ihr klare und messbare Ziele wichtig. „Management by objectives“ nennt sich die Führungsmethode, mit der sie arbeitet. Ihr Credo dabei: „Betroffene zu Beteiligten machen“.

Von ihrem Umfeld wird sie als lösungsorientierte Macherin beschrieben. „Ich kann Probleme nicht lange aushalten und lasse nicht locker, bevor sie aus dem Weg geräumt sind“, bekennt sie. Kurze Wege sind ihr wichtig. Auch ihren Wohnsitz wird sie deshalb auf absehbare Zeit von Pforzheim nach Heidelberg verlegen. „Ich habe immer da gewohnt, wo ich gearbeitet habe“, sagt sie. Fragt man sie nach ihren persönlichen Zielen für die Zukunft, verweist sie auf ihr Auto-Nummernschild: PF-K-2060. „Im Jahr 2060 werde ich 95 Jahre alt sein und an den Deutschen Meisterschaften über 50 Meter Brustschwimmen teilnehmen“, sagt sie. Seit sie vor drei Jahren den Handballsport aufgegeben hat, trainiert sie dreimal in der Woche in einer Trainingsgruppe auf dieses Ziel hin, das aus ihrer Sicht durchaus realistisch ist: „Meine Trainingspartnerinnen sind alle viel schneller als ich, da habe ich nur eine Chance, wenn sich die evolutionsbedingten Rahmenbedingungen deutlich zu meinen Gunsten verändern.“ Selbstironie und Humor gehören zu ihren Stärken.

1. April 2017 Christiane Désiré
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