Vorsicht vor Copy and Paste: Das Anschreiben ist das Eingangstor zur Bewerbung, da stoßen Fehler schnell negativ auf. Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg gibt wertvolle Tipps für die Berufsstarter.Da bewirbt sich ein junger Mann bei den Stadtwerken Heidelberg. Den Umschlag hat er korrekt adressiert. Im Anschreiben jedoch führt er aus, wie toll er die „Stadtwerke Düsseldorf“ findet und wie gerne er dort arbeiten würde. Ein anderer Bewerber richtet das Anschreiben an den „sehr geehrten Herrn Müller“ – doch weder der Personalleiter heißt Müller noch der Abteilungsleiter, der die Stelle besetzen möchte. Wohl aber der Personalchef eines anderen Versorgers.

Ist ja okay, denkt man da als Arbeitgeber, aber muss das wirklich sein?

Fälle wie diese kommen immer wieder vor. Sie sind Symptom einer Gepflogenheit, die bei Bewerbungen recht weit verbreitet ist: Das Anschreiben wird einmal entworfen und weitgehend unverändert für alle Unternehmen verwendet, bei denen man sich bewirbt. Die Vorgehensweise ist nachvollziehbar, wirkt aber desinteressiert am Unternehmen. Vor allem lassen solche weitgehend standardisierten Bewerbungsschreiben eine wesentliche Frage unbeantwortet, die jeder Arbeitgeber stellt: „Warum möchte diese Bewerberin oder dieser Bewerber gerade zu uns?“

Das Anschreiben ist das Eingangstor zur Bewerbung. Wirkt es einladend und weckt das Interesse des Arbeitgebers, tritt dieser in den Bewerbungsprozess ein; dann sichtet er die Unterlagen und lädt gegebenenfalls zum Vorstellungsgespräch. Aus Bewerbersicht lohnt es sich, diesem Entrée besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Im Idealfall gelingt es, das Schreiben so zu verfassen, dass schon nach wenigen Zeilen beim potenziellen Arbeitgeber das Gefühl entsteht: „Das könnte passen!“

Leider klappt das nicht immer. Viele Anschreiben verlieren sich in Details, die mit der Stelle nichts zu tun haben – was auf den Personalleiter, der zahlreiche Bewerbungsschreiben liest, ermüdend wirkt. Auf eine Stelle in der Unternehmenskommunikation bewirbt sich zum Beispiel eine Frau, die einen Absatz lang über ihr kaufmännisches Praktikum in einer Kosmetikfirma schreibt. Was hat das mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun? Welchen Schluss sollen wir daraus ziehen?

Ein anderer Bewerber um dieselbe Stelle berichtet von seinen Erfahrungen in einem Marktforschungsinstitut. Damit, so legt er dar, verstehe er es hervorragend, Zielgruppen zu segmentieren und zu analysieren. Vermutlich glaubt er mit diesem Hinweis zu punkten. Tatsächlich vermittelt er aber den Eindruck, von den Realitäten einer Kommunikationsabteilung bei einem Stadtwerk wenig Ahnung zu haben. Da geht es nicht um akademische Zielgruppendifferenzierungen, sondern darum, den Kommunikationsbedarf ganz unterschiedlicher Unternehmensbereiche unter Zeitdruck abzudecken – von Energiewirtschaft über Energievertrieb und Netzgesellschaft bis hin zu Bädern, Garagen und Bergbahnen. In Zielgruppen zu denken, ist dabei eine selbstverständliche Basis, um die gesamte Klaviatur an Themen und Kanälen überhaupt spielen zu können.

Ein gut überlegtes, auf die jeweilige Stelle zugeschnittenes Anschreiben öffnet das Tor zu einer erfolgreichen Bewerbung. Konkret heißt das: Halten Sie das Anschreiben kurz, eine Seite. Gehen Sie präzise auf die Anforderungen der Stelle ein. Begründen Sie, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben. Nennen Sie ein oder zwei spezifische Details, an denen der Personalleiter und der mögliche künftige Vorgesetzte erkennen: „Wir sind damit wirklich gemeint!“ und „dieser Bewerber kann uns einen Nutzen bieten“.