Mimik und Emotionen – Kommunikation bedeutet viel mehr als nur das Aneinanderreihen von Worten. Wir-Online-Redakteurin Claudia Fröhlich berichtet über einen Workshop innerhalb ihres Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement (MuK) – ein Workshop der eher leisen Art.

Am Morgen wird Angelika von einer Vibration unter ihrem Kopfkissen geweckt. So weiß sie, dass es an der Zeit ist aufzustehen. Von einem schlichten Wecker würde Angelika nicht aufwachen, da sie gehörlos ist.

Nach dem Aufstehen geht es weiter zum Bäcker. Mittlerweile kennt die Verkäuferin sie schon und begrüßt sie mit einem freundlichen Winken. Angelika macht mit ihren Fingern verständlich, welches Brot sie gerne kaufen möchte. Nachdem die Verkäuferin sie nur mit Hilfe ihrer Gestik gefragt hat, ob sie ihr das Brot schneiden soll, zeigt sie ihr abschließend noch den zu zahlenden Preis auf dem Kassendisplay. Wieder zu Hause angekommen wartet Angelika auf den Postboten. Da sie eine Klingel nicht hören könnte, schaut sie auf das Licht in der Steckdose, welches grell aufblickt, als es endlich läutet.

So beschrieb Angelika Brandt ihren Alltag als Gehörlose während des Workshops zur Gebärdensprache. Diesen hat sie gemeinsam mit ihrer hörenden Tochter und MuK-Studentin Kathrin geleitet. Am 30. März begrüßten die Referentinnen etwa 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen online – zuerst ganz ohne Worte, nur mit Gebärden. Während des Workshops haben Kathrin und Angelika dann beides benutzt: Gebärden und ihre Stimmen.

Gleich zu Beginn informierten Mutter und Tochter über die Gehörlosenkultur, auf die viele Gehörlose sehr stolz seien und diese auch gerne weiter vermitteln würden. Von Theater über Poesie bis hin zur Kunst – die Gehörlosenkultur sei geprägt von viel Mimik und Emotionen. In der letzten Zeit hätte man zur Freude der beiden beobachten können, dass die Gehörlosenkultur auch in den Medien immer präsenter wird. So hätten beispielsweise beim Supertalent, Germanys Next Topmodel oder auch bei Let´s Dance Gehörlose teilnehmen dürfen. Wenn Angelika an ihre Schulzeit in den 80er Jahren zurückdenkt, in welcher die Nutzung von Gebärden verboten war, kann sie es selbst kaum glauben.

Anschließend haben die Workshopteilnehmer und -teilnehmerinnen etwas über die Gebärdensprache an sich erfahren. Genau wie auch bei den oralen Sprachen variiere die Gebärdensprache von Land zu Land. Im Allgemeinen sei der Satzbau aber sehr vereinfacht und bestehe aus Subjekt – Objekt – Verb. Die Betroffenen zeigen oft auf Sachen oder Personen. Aber nicht nur die Gestik sei Teil der Gebärdensprache, einer ausgeprägten Mimik käme ein mindestens genauso wichtiger Anteil zu. Besonders bei Gebärden, die sich sehr ähnlich sähen, würden Lippenbewegungen dabei helfen, die Wörter zu unterscheiden.

Um diese Informationen verständlicher zu machen, wurde ein kleines Spiel mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen gespielt. Dabei mussten die Gebärden für verschiedene Länder erraten werden. Anschließend durften die Anwesenden selbst aktiv werden und verschiedene Gebärden ausprobieren. Hier die wichtigsten Gebärden:

Nach dieser kurzen Auflockerung gab es ein paar Tipps für die Kommunikation mit Gehörlosen im Alltag. Dabei wurden insbesondere die Offenheit und das Interesse, mit denen man einem Gehörlosen entgegentreten sollte, betont. Wenn Menschen Zivilcourage zeigen und dabei aktiv auf Gehörlose zugehen würden, wäre das laut Kathrin schon ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem solle die Annahme, gehörlose Menschen seien automatisch auch stumm, abgelegt werden, da dies ein falsches Vorurteil sei.

Falls man sich noch mehr mit dem Thema Hörbehinderung beschäftigen möchte oder die Sprache sogar lernen möchte, empfiehlt Kathrin die App „Spread the Sign“. Auch das Buch „Man hört nur mit dem Herzen gut“ von Let`s Dance-Teilnehmer Benjamin Piwko oder auch verschiedene Zeitschriften wie zum Beispiel die „Deutsche Gehörlosenzeitung“ seien gute Quellen.

Abschließend wurden noch alle offengebliebenen Fragen beantwortet. Angelika und Kathrin bedankten sich bei der SRH Hochschule für die Möglichkeit, Außenstehenden die Gehörlosenkultur näherzubringen.

Die SRH schreibt sich Vielfalt auf die Fahnen. Mit Workshops wie diesem verfolgt sie diesen Ansatz, der insbesondere das Verständnis für das Gegenüber in den Mittelpunkt stellt. Das Berufsförderungswerk der SRH setzt sich u.a. für hörbehinderte Menschen ein und unterstützt sie bei der Berufsfindung, Ausbildung, Umschulungen oder den ersten Schritten auf dem Arbeitsmarkt.

In Zukunft plant die SRH Hochschule Heidelberg weitere Workshops in diesem Themenbereich und freut sich auf einen engen Austausch mit der Gehörlosenkultur.