Im Projekt „Präventionskultur 360°“ hat ein Team rund um Prof. Dr. Ralf Brinkmann aus der Fakultät für Angewandte Psychologie in Zusammenarbeit mit dem ASD*BGN den BGN Selbstcheck entwickelt, der den Stand der Präventionskultur in einem Unternehmen messbar macht. Basierend auf diesen Ergebnissen hat die BGN die App „BGN Selbstcheck“ erstellt, die es auch als Onlinetool gibt. (Bild: BGN)


Wie schnell ist es geschehen: Ein Mitarbeiter kommt ins Stolpern, rutscht oder stürzt. Aber auch das Hantieren mit Messern oder Werkzeugen zählt zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Zwar haben die wirtschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritte insgesamt für einen Rückgang der Arbeits- und Wegeunfälle gesorgt, doch die veränderten Belastungen im Berufsalltag bedingen heute neue Ansätze zur Prävention. Ein wichtiges Thema für den ASD*BGN (Arbeitsmedizinischer und Sicherheitstechnischer Dienst der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe): „Deshalb haben wir einen Partner gesucht, der dieses Thema proaktiv und wissenschaftlich mit uns angeht“, sagt Gerhard Blatt, Projektleiter der Studie „Präventionskultur 360°“ und Leiter des ASD*BGN.

Prof. Dr. Ralf Brinkmann, Studiengangsleiter Psychologie (M.Sc.), hat mit dem Forschungsprojekt einen Ansatz geschaffen, der Unternehmer, Führungskräfte, Sicherheits- und Gesundheitsexperten sowie Beschäftigte aus verschiedenen Branchen einschließt: Fleischwirtschaft, Backgewerbe, Gastgewerbe. Diese Branchen präsentieren das Spektrum der BGN-Mitgliedsbetriebe von familiär geprägten Klein unternehmen bis hin zu industriell orientierten Großunternehmen. „Wichtig war uns, die Expertensicht und die Kunden perspektive zusammenzubringen“, sagt Brinkmann. „So können wir die organisationskulturellen Einflussfaktoren des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in den Unternehmen genauer eingrenzen.“ Ziel des Projektes war es, ein Tool zu entwickeln, das es ermöglicht, den Stand der Präventionskultur in einem Unternehmen festzustellen. So ist die App BGN Selbstcheck (http://bgncheck.de) entstanden.

Die Wissenschaftler befragten in 140 Interviews 60 Führungskräfte, 30 Beschäftigte und 50 Sicherheits- und Gesundheitsexperten zu ihrer Einschätzung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. So entstand ein ganzheitliches und zugleich praxistaugliches Konzept zur Präventions kultur. „Auffällig war, dass Arbeitssicherheit grundsätzlich einen höheren Stellenwert als das Thema Gesundheit hatte“, äußert sich Brinkmann zu den Ergebnissen. Die Großbetriebe verzeichneten einen höheren Anteil an der Präventionskultur als Kleinbetriebe, bedingt auch durch die unterschiedlichen finanziellen und personellen Ressourcen in den Unternehmen. Aus den Ergebnissen leitet das Wissenschaftsteam einen wichtigen Veränderungsprozess ab: „Bei der Prävention von Arbeitsunfällen müssen alle Bereiche einbezogen und eine neue Denkweise, eine Kultur der Prävention, etabliert werden. Diese Denkweise muss sich in allen Prozessen wiederfinden und in ‚Fleisch und Blut‘ übergehen“, sagt Brinkmann. „Die Ergebnisse werden wir einsetzen, um Führungskräfte künftig noch gezielter für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren. Denn sie tragen bei der Prävention eine große Vorbildrolle“, folgert Blatt aus dem nun erfolgreich abgeschlossenen Forschungsprojekt.

 

DIE BERUFSGENOSSENSCHAFT
NAHRUNGSMITTEL UND
GASTGEWERBE (BGN)
Die BGN ist die gesetzliche Unfallversicherung für mehr
als 3,7 Millionen Versicherte in über 400.000 Mitgliedsbetrieben.
Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2016
195.870 Unfälle gemeldet. Die Entschädigungsleistungen
der BGN beliefen sich im Jahr 2015 auf 1,3 Millionen Euro
pro Kalendertag.