Die Lage für Studierende auf der Suche nach einem Praktikumsplatz ist angespannt, doch wie fühlen sich diejenigen, die bereits im Praktikum sind? Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig berichtet in einer kleinen Serie: Von der Praktikumssuche über das Praktikum bis hin zur Jobsuche.

Kaum hatte die Master-Studentin Daisy Weydert ihr dreimonatiges Praktikum angefangen, da war es auch schon wieder vorbei – abgesagt wegen der Corona-Krise. Für sie hat die SRH Hochschule eine Lösung gefunden, die allen weiterhilft: Sie berät Studierende, auch das wird als Praktikum gewertet (s. Bericht https://wir-online.news/studentin-beraet-studierende/).

Praktikum beim ZDF

Max Kasel

Max Kasel hingegen kann sein Praktikum fortsetzen. Der 25-jährige Student hat über eine Initiativbewerbung einen dreimonatigen Praktikumsplatz in der Hauptredaktion Show/Development bei ZDF ergattert. Die legendäre Torwand aus dem „aktuellen Sportstudio“ einmal live sehen, für Max ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. „Wenn also demnächst mal jemand alle sechs Bälle reinhaut: gern geschehen!“, witzelt er.

Max befindet sich momentan im sechsten Semester des Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement. Zwar konnte er sein Praktikum beginnen, wurde wegen der Pandemie allerdings bereits in der zweiten Praktikumswoche ins Home-Office geschickt. Der Student berichtet: „Im Home-Office gab es eine kurze Eingewöhnungsphase. Danach lief aber alles reibungslos ab. Regelmäßige Meetings und Aufgaben konnte ich von zuhause aus ausführen. Durch Corona gab es auch neue Aufgabenfelder, die kurzfristig entstanden sind.“ Zu Hause kann er sich die Zeit selbst einteilen, aber das sei auch gefährlich, wie er sagt: „Die Herausforderung ist es, bei allen möglichen Ablenkungen trotzdem seine acht Stunden seriös zu arbeiten oder eben auch mal Feierabend zu machen und nicht zu viel zu arbeiten“, erklärt er.

Beim Supreme Court

Vanessa Vierling

Internationales Recht hautnah miterleben. Dieser Wunsch sollte für Wirtschaftsrecht-Studentin Vanessa Vierling durch ihr Praktikum in Erfüllung gehen. Dafür war sie bereit, einen weiten Weg auf sich zu nehmen. Schon im Juli 2019 hat sich die 23-jährige ein sechs-monatiges Praktikum beim Supreme Court in Virginia USA ergattert. Doch statt Gerichtsprozesse live mit zu verfolgen, arbeitet die Studentin nun im Home-Office von Deutschland aus. „Ich bekomme die gesamten Unterlagen von dem Gerichtsprozess bzw. der Vorgeschichte und muss anhand dieser entscheiden, ob der Fall angenommen wird und somit in Berufung geht oder nicht“, erzählt die Studentin von ihren Aufgaben. Über Zoom bleibt sie mit ihren Arbeitskollegen in Kontakt. Problematisch ist dabei allerdings die Zeitverschiebung von sechs Stunden. Meetings finden oft spät abends statt.

Im International Office

Roxane VelfringerAuslandpraktika sind bei vielen Studierenden beliebt. Während Vanessas Plan war, Deutschland für die sechs Monate zu verlassen, bereitete Roxane Velfringer sich auf ihr Praktikum in Deutschland vor.  Die 22-Jährige kommt aus Frankreich und ist für ein sechsmonatiges Praktikum an der SRH Hochschule Heidelberg. In Paris hat sie erst Übersetzungswissenschaften studiert und steht gerade am Ende ihres Master-Studiums im Studiengang Internationale Beziehungen. Das Praktikum absolviert sie im International Office der Hochschule. Aufgrund der Ausgangssperre Frankreichs konnte Roxane ihr Praktikum nicht wie geplant Mitte April beginnen, sondern reiste erst am 1. Mai an – hier begann sie im Home-Office zu arbeiten. Erst ab Mitte Juni durfte wieder vor Ort an der Hochschule gearbeitet werden, allerdings ebenfalls unter Auflagen. Trotzdem war Roxane froh, wenigstens die halbe Woche im Büro verbringen zu können. Vor allem die Einarbeitung war eine Herausforderung. „Im Home-Office ist der Kontakt anders, ich muss viel mehr allein verstehen und machen“, berichtet Roxane. Zwar stehen ihre Kolleginnen für Fragen immer zur Verfügung und das Team trifft sich jede Woche für ein Online-Meeting, um die verschiedene Aufgaben zu diskutieren, doch trotzdem hat ihr der persönliche Kontakt gefehlt. Einige ihrer Kolleginnen hat sie erst zweieinhalb Monate nach Beginn ihres Praktikums in Person kennengelernt, wie sie erzählt:  „Ich bin glücklich, dass die heutigen Tools mir ermöglicht haben, mein Praktikum zu machen, aber ich bin auch sehr froh, so langsam wieder fast normale Arbeitsbedingungen zu haben. Aber man kann sich schon fragen: Was sind heute überhaupt normale Arbeitsbedingungen?“

Im Gründer-Institut

Ja, was sind denn überhaupt normale Arbeitsbedingungen? Home-Office war schon vor Corona ein viel diskutiertes Thema. So waren bei dem Praktikum von David Geuder die Themen Home-Office und New Work ohnehin inhaltlich verankert. Von März bis Mai dieses Jahrs machte der Studienfach-Student ein Praktikum beim Gründer-Institut der SRH Hochschule Heidelberg. Das Praktikum fiel also in die Hochzeit der Pandemie. Die Gelegenheit, die behandelten Themen umzusetzen. Benjamin Zierock, Professor für Design und Innovationsentwicklung am Gründer-Institut und Mentor von David, erzählt: „Grundsätzlich haben wir zweimal die Woche telefoniert, um uns gegenseitig über Aufgaben und Meilensteine abzustimmen. Im Detail mussten wir einige Themen in die digitale Welt transferieren.“ Die alternative Gestaltung des Praktikums bot einen wichtigen Mehrwert, sowohl für den Praktikanten als auch für seinen Mentor. „Wir hatten beide dabei eine spannende Lernkurve“, erzählt Benjamin Zierock rückblickend.

Bei Bosch

Sahana Wukkadada

Auch Sahana Wukkadada sieht das Praktikum in Corona-Zeiten als spannenden Lernprozess. Die Studentin des International Business and Engineering absolviert derzeit ihr sechsmonatiges Praktikum bei der Robert Bosch GmbH. Das Praktikum hat im März begonnen. Gerade einmal zwei Tage verbrachte Sahana an ihrem neuen Arbeitsplatz, bevor sie ihr Praktikum aufgrund von Corona ins Home-Office verlagern musste – für sie weder positiv noch negativ. Sie sieht es als Lernprozess an, weil Arbeitsprozesse in Zukunft möglicherweise auf diese Weise ablaufen werden. Nach drei Monaten im Home-Office ist es ihr nun freigestellt, an zwei Tagen die Woche wieder ins Büro zu gehen. Dieses Angebot nimmt die 24-Jährige gerne an. Auch wenn für sie durch das Home-Office der Arbeitsweg wegfallen würde, hat sie das Gefühl, im Büro produktiver zu sein und mehr zu lernen.

Ihr weiterer Weg nach dem Praktikum ist allerdings noch sehr unsicher. Sie befindet sich im letzten Semester des Master-Studiengangs. Normalerweise hätte es viele Möglichkeiten gegeben, nach dem Praktikum bei Bosch zu bleiben, doch durch die derzeitige Situation gestaltet sich das schwierig. Sie hofft, dass ihr die Hochschule bei der Jobsuche in Corona-Zeiten helfen kann.

Wie Sahana geht es einigen Studierenden. Wir haben nun erfahren, wie schwierig momentan die Praktikumssuche ist und welche alternativen Praktikumsausgestaltungen in Krisenzeiten geformt werden. Chancen und Herausforderungen bei der Praktikumssuche in der Corona-Zeit spiegeln sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. In der nächsten Folge berichten wir deshalb, wie das Career Development Center bei der Jobsuche hilft.

3. August 2020 Jana Ladwig