Die Vorurteile gegenüber privaten Hochschulen nehmen in Deutschland nicht ab. Wir-Online-Redakteurin und SRH-Studentin Paulina Kaupmann über Klischees und Realität.

Alexander, 19 Jahre, fährt mit seinem neuen Porsche 911 Carrera S vor. Er ist zu spät, wie eigentlich jeden Tag. „Nicht so schlimm“, denkt er sich und wischt seufzend einen Krümel von seinem Boss-Anzug. Die Dozenten sind ja schließlich bestechlich und sein 1,0 Abschluss für das nächste Jahr ist gesichert. Zunächst geht es allerdings erst einmal ins sechs monatige Praktikum nach L.A. – das hat sein Papi ihm vermittelt. Wieso sollte er sich auch selbst darum kümmern? Geld regelt das und davon hat seine Familie eine ganze Menge…

Diese Geschichte ist frei erfunden. Die Vorurteile allerdings nicht. In Deutschland haben viele Menschen eine negative Einstellung gegenüber privaten Hochschulen. Dort spiele Geld keine Rolle, die elitären Studierenden seien arrogant und der Abschluss ja sowieso gekauft und nicht gleichwertig mit denen von öffentlichen Universitäten. Da sitzen das Muttersöhnchen, die Zicke und der Schnösel nebeneinander in der Vorlesung und übertreffen sich gegenseitig mit ihren Sommerplänen auf Ibiza, in Nizza, in den Hamptons oder in Mexiko – so die Vorstellung.

Was viele vergessen: In anderen Ländern der Welt ist es normal für das College zu bezahlen und Kredite aufzunehmen wenn es für das Stipendium nicht gereicht hat. Die meisten privaten Hochschulen bieten verschiedenste Finanzierungsmodelle an und unterstützen ihre Studierenden dort, wo es ihnen möglich ist. Denn ihnen ist bewusst, dass sich nicht jeder ein Studium leisten kann, dessen Kosten jährlich teilweise im fünfstelligen Bereich liegen.

Umgekehrt kann eine private Hochschule ihren Studierenden vieles ermöglichen: Die neueste Technik, viele Lernräume, Gastdozenten und eine moderne Ausstattung der Räume und Lernmaterialien sind nur einige Beispiele. Ebenfalls ist der persönliche Kontakt zu den Dozenten und das Studieren in kleineren Gruppen ein Vorteil – überfüllte Hörsäle gibt es hier nicht. Daher beenden die Studierenden ihr Studium meistens in Regelstudienzeit und es gibt eine geringere Abbruchquote.

Die Akademisierung von ehemaligen Ausbildungsberufen prägt eine meist praxisorientierte Lehrweise und es werden viele Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. Private Hochschulen haben daher ein hohes Ansehen bei Unternehmen – die Chancen auf einen tollen Job nach dem Abschluss steigen. Ebenso erhalten die Studierenden, durch den praxisnahen Bezug, aussagekräftige Arbeitsproben, die ihnen in ihrer Zukunft helfen werden.

„Es gibt viele Hollywood-Filme, in denen es an den amerikanischen Universitäten sowohl die steinreiche „Elite“ als auch die „Normalos“ gibt, die am Ende wegen ihrer Sympathie die Herzen aller Studierenden gewinnen. Natürlich kann man davon ausgehen, dass einige Studierende bei uns nicht auf ein Stipendium oder ähnliches angewiesen sind. Außerdem sieht man auch die ein oder andere Designer-Tasche oder Jacke. Allerdings kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass der Großteil meiner Kommilitonen nebenher viel arbeitet oder zuhause wohnen bleibt, um sich ihr Studium finanzieren zu können“, fasst Ines, Studentin des Medien- und Kommunikationsmanagement-Studienganges, ihre bisherige Zeit an der SRH Hochschule Heidelberg zusammen.

Private Hochschulen haben in Deutschland noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten: Einige Schüler sind wegen der Kosten und wahrscheinlich auch wegen der zahlreichen Vorurteile abgeschreckt und entscheiden sich nach ihrem Abitur lieber für die staatliche Universität. Eine offene Kommunikation über Finanzierungsmodelle oder Stipendien wäre hier ein erster Ansatz. Denn eines ist klar: Viele angebotene Stipendien in Deutschland sind ungenutzt und die steigende Anzahl der privaten Hochschulen in Deutschland lässt darauf schließen, dass dieses Studienmodell insgesamt an Beliebtheit gewinnt.

Finanzierungstipps für dein Studium findest du hier: https://www.hochschule-heidelberg.de/de/academics/information-application/studienfinanzierung/?L=1