Die Hochschule positioniert sich am 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und setzt durch ihre Tower-Farbe und Online-Banner klare Zeichen, um Mut zu wecken, über das Tabuthema häusliche Gewalt zu sprechen.

Etwa 80 Prozent der Betroffenen schweigen über die erlebte Gewalt

Es begann mit kleinen Grenzüberschreitungen: Svenja Becks Partner warf ihren Labello aus dem Autofenster, weil er sauer auf sie war. Von diesem Moment der „Mikro-Gewalt“ an schaukelte sich die Gewalt höher und höher, bis hin zum versuchten Mord. Jedoch sind auch viele Menschen bereits zu Anfang der Gewaltspirale schlimmen Gewalthandlungen ausgesetzt, wie Prof. Dr. Nadia Sosnowsky-Waschek von der SRH Hochschule Heidelberg in einer Umfrage in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg und im Rahmen des EU-Projektes GUIDE4YOU festgestellt hat – „das ist erschreckend“, sagt sie. Circa 80 Prozent der befragten Personen zeigen die Täter nicht an, suchen keine Hilfe und schweigen über Jahre und Jahrzehnte. „Auch von Seiten der Wissenschaft müssen wir mehr tun“, ist die Psychologie-Professorin überzeugt. „Zum Beispiel die Gründe der Gewaltentstehung besser verstehen und Konzepte zur Prävention entwickeln. Ebenso wichtig ist es, systematisch auf die Situation der Betroffenen und die Folgen von Gewalterfahrungen aufmerksam zu machen. Gewaltbetroffene Menschen müssen einen einfacheren und schnelleren Zugang zu Psychotherapie erhalten. Auch das vorhandene Hilfsnetz sollte besser genutzt werden können.“ Aus diesem Grund setzt die SRH Hochschule Heidelberg am sogenannten „Orange Day“, dem 25. November 2021 ein Zeichen gegen die Gewalt an Frauen: Sie lässt ihren Tower orange erstrahlen und widmet ihre Webseite dem heutigen Tag.

Viele von Gewalt betroffene Personen fühlen sich allein gelassen. Dies wurde auch beim kürzlich ausgestrahlten SRH Campus Talk „Gewalt im eigenen Haus“ deutlich. Neben Sosnowsky-Waschek wiesen Tanja Kramper, Opferschutzkoordinatorin des Polizeipräsidiums Mannheim, Dr. Marie-Luise Löffler, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Heidelberg sowie Svenja Beck als Betroffene und Leiterin einer Selbsthilfegruppe auf die Situation in Deutschland hin. Im Rahmen von GUIDE4YOU hat die Stadt Heidelberg ein Lots:innenkonzept entwickelt, wie Dr. Marie-Luise Löffler berichtet: „Bei diesem niedrigschwelligen Angebot nehmen wir die Betroffenen vom ersten Kontakt an die Hand und leiten sie kompetent und empathisch durch die Systeme.“

„Haben Sie Mut“, ruft Tanja Kramper auf. „Sprechen Sie mit jemandem über die Situation zu Hause, wenn Sie sich bedroht fühlen.“ Als Opferschutzkoordinatorin der Polizei weiß sie, wie schwierig das ist – „ein Konstrukt, aus dem man nicht so schnell herauskommt. Das Benennen auch von psychischer Gewalt ist aber ein sehr wichtiger erster Schritt!“ Svenja Beck empfindet jede einzelne Gewalttat als Katastrophe. „Die Vorstellung, dass in der Pandemie-Zeit viele Betroffene noch enger zu Hause leben und nicht raus können, nimmt mir die Luft zum Atmen.“ Auch sie hofft, dass sich mehr Betroffene an die verschiedenen Anlaufstellen wenden. „Brecht euer Schweigen!“

Der SRH Campus Talk „Gewalt gegen Frauen“ ist im Youtube-Channel der SRH Hochschule Heidelberg weiterhin einsehbar: Zum Youtube-Film SRH Campus Talk

Auch auf das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ weist die SRH Hochschule hin: Betroffene können sich an die Nummer 08000 116 016 wenden.