BWL-Student und Wir-Online-Redakteur Philipp Osewold stellt im heutigen Artikel Prof. Dr. Frederic Vobbe und sein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsprojekt „Human“ zum Thema „Entwicklung von Handlungsempfehlungen für den Umgang mit sexualisierter Gewalt mit digitalem Medieneinsatz“ vor.

Was hat Sie denn zur SRH Heidelberg geführt?

Vobbe: Die Stellenbeschreibung hat mich sehr interessiert.

Sie arbeiten seit einiger Zeit an einem Forschungsprojekt mit dem eindrucksvollen Titel: „Entwicklung von Empfehlungen für den Umgang mit sexualisierter Gewalt mit digitalem Medieneinsatz“. Worum genau handelt es sich dabei?

Zusammen mit meinen Kolleginnen, vor allem Katharina Kärgel, entwickele ich Handlungsempfehlungen, die pädagogischen Fachkräften helfen sollen adäquat mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche umzugehen, bei der digitale Medien im Spiel sind. Wir entwickeln anhand prototypischer Fälle, Qualitativer Interviews und Gruppendiskussionen Orientierungshilfen.

Aus welchem Grund haben sie sich gerade diesem Thema angenommen?

Es gibt noch keine derart empirisch entwickelten Handlungsempfehlungen.

Arbeiten Sie bei Ihrer Forschungsarbeit noch mit anderen Parteien zusammen?

Vobbe: Ja. Der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt, Innocence in Danger, der Bundeskoordinierung Spezialisierte Fachberatung, dem Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe sowie verschiedenen Verbänden, die sich für die Belange von Menschen einsetzen, denen sexualisierte Gewalt in der Kindheit widerfahren ist. Dazu kommen Wissenschaftler sowie Wissenschaftlerinnen und hochspezialisierte Praxisexperten und -expertinnen aus den Bereichen Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Psychologie, Recht und der Strafverfolgung.

Wie wird Ihre Arbeit denn von Kollegen und Bekannten gesehen? Was sind da die häufigsten Fragen und Meinungen die sie zu hören bekommen?

Die meisten Menschen halten das Thema für wichtig. Viele haben schon einmal davon gehört, dass Kinder und Jugendliche mittels Kommunikationsmedien sexuell ausgebeutet werden, oder in Jugendgruppen Nacktaufnahmen gegen den Willen der Abgebildeten die Runde machen.

Gefragt werden meine Kolleginnen und ich oft, wie wir die Auseinandersetzung mit den belastenden Gewaltschilderungen aushalten. Die von uns analysierten Verletzungshandlungen und das Unrecht, welches Gewaltbetroffene erleben, kann einen wirklich traurig oder wütend stimmen. Aber die Hoffnung, dass das Projekt einen Beitrag zur Verbesserung leistet, ist doch etwas Erfreuliches. Außerdem werden wir durch eine erfahrene Therapeutin supervidiert.

Werden die Ergebnisse Ihres Forschungsprojektes für die Öffentlichkeit zugänglich sein?

Ja, nach dem Open Access Prinzip. Dafür haben wir eine separate Website eingerichtet, deren Adresse Sie gern mit dem Interview veröffentlichen können. Auch werden wir die Forschungsergebnisse für mit Unterstützung unserer Kooperationspartner*innen verbreiten. Ein Teil unserer Ergebnisse erscheint zudem in Fachzeitschriften. Die Empfehlungen selbst sind so ausgelegt, dass sie so verständlich wie möglich sein sollen, um Hilfen möglichst breit zu installieren.

Werden bei Ihrer Arbeit auch Studierende miteinbezogen?

Wir beschäftigen eine Hilfswissenschaftlerin, die an einem Actor Mapping arbeitet, unsere Homepage pflegt, Literatur recherchiert und an der Ausrichtung von Fachveranstaltungen beteiligt ist. Außerdem haben wir Masterstudierende an unserer Erhebung beteiligt. Informationen hierzu finden Sie auch auf der Homepage.

Wir von Wir-Online wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei Ihrer Forschungsarbeit!

 

Prof. Dr. Frederic Vobbe

Studium: Soziale Arbeit in Freiburg

Promotion: Thema Erziehungswissenschaften in Hildesheim

Vier Jahre fachpolitische Beratung in Köln.

Seit drei Jahren als Professor an der SRH in Heidelberg.

Zum Forschungsprojekt

Thema: Entwicklung von Empfehlungen für den Umgang mit sexualisierter Gewalt mit digitalem Medieneinsatz

Gesamtdauer: 3 Jahre

Läuft seit: ca. 1 Jahr und 3 Monaten

Fördervolumen: 387.000 €

Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie „Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ (FKZ 01SR1711).

Homepage: https://www.human-srh.de/