Über die Todesstrafe in Weißrussland sprechen – das ist durchaus mutig. Bei der Summer School in der Polotsk State University waren auch fünf Psychologie-Kolleginnen und -Kollegen der SRH Hochschule Heidelberg dabei. Wir-Online-Redakteurin Jana Ladwig berichtet.

„Internationale Forschungsergebnisse zeigen einheitlich, dass die Todesstrafe nicht zur Reduzierung schwerer Straftaten beiträgt. Ich sehe hier die Aufgabe, etwas zu einem Umdenken im Lande beizutragen.“

Dieses Ziel hat Herr Prof. Helmut Kury, Psychologe und Kriminologe aus Freiburg, vor Augen. Doch wie sieht die Umsetzung dieses Ziels aus?

Anfang Juni lud die Polotsk State University (PSU) in Novopolotsk in der Republik Belarus zur Summer School ein. Dabei reisten sieben deutsche Gastdozenten, fünf davon Mitarbeiter der SRH Hochschule Heidelberg an, um dort fünf Tage lang Vorträge auf eine Tagung zum Thema „Crime and Punishment“ zu halten. Bei der Initiierung dieses Projekts spielt Helmut Kury eine entscheidende Rolle. Durch seine Kontakte nach Weißrussland leitete er eine Kooperation zwischen der SRH Hochschule und der Universität in Weißrussland in die Wege. Bei einer Konferenz entstand dann die Idee der Summer School. Es sollte darum gehen, im Austausch mit insgesamt 21 Jura-Studierenden der Polotsk State University Rechtsthemen aus psychologischer Sichtweise zu beleuchten. Dazu wurde ein bunt gemischtes Team an Dozenten mit unterschiedlichen Expertisen zusammengestellt. Extern waren Helmut Kury und Barbara Horten, ebenfalls Kriminologin und Soziologin an der Universität Heidelberg beteiligt, sowie von der SRH Hochschule Heidelberg Juliane Knabe und Katrin Kleinscheck als Methodenexperten, Nadia Ksiazek, die den Bereich der Entwicklungspsychologie abdecken konnte, Niels Habermann, Studiengangsleiter der Rechtspsychologie, sowie Svenja Haußner, die das Projekt als Länderbeauftragte für Belarus von Seiten unserer Hochschule organisierte.

Für die meisten von ihnen war es eine unbekannte Situation, da sie das erste Mal an einer Veranstaltung in diesem Rahmen teilnahmen.

Niels Habermann war schon zuvor an der Partneruniversität gewesen, um dort zu unterrichten. Er berichtet von seinen Erfahrungen: „Die Menschen dort sind uns sehr zuvorkommend und aufgeschlossen begegnet. Sehr positiv habe ich zudem empfunden, dass alles, was uns interessiert hat, angesprochen werden konnte– jedenfalls im akademischen Milieu –, also z.B. auch die politische Situation und die Existenz der Todesstrafe“.

In diesem Klima war eine intensive Auseinandersetzung im Rahmen von Workshops möglich, die die Studierenden aktiv mitgestalteten. So konnten neue Perspektiven geteilt werden. Angefangen von basalen Themen wie Aggression und Persönlichkeitsmerkmale im Zusammenhang mit Kriminalität bis hin zu spannenden Diskussionen über die Wirksamkeit von Bestrafung führten die Workshops, die im Sinne des CORE-Prinzips angeleitet wurden, zu neuen Ideen und Ergebnissen.

Besonders positiv fiel den deutschen Gästen dabei die Mentalität der Studierenden auf. Diese waren hochmotiviert und engagiert dabei. Am meisten beeindruckte Juliane Knabe dabei das Feedback der Studierenden: „Bei der Abschlussveranstaltung haben sie jedem Dozierenden ein individuelles Zertifikat ausgestellt, das die tiefe Verbundenheit, welche in dieser kurzen Zeit entstanden ist, widergespiegelt hat.“ Diese Verbundenheit entstand aber nicht nur innerhalb der Workshops. Auch außerhalb des fachlichen Rahmens verbrachten Studierende und Dozenten eine aufregende Zeit miteinander. Von einer Stadtführung der Studierenden über einen Grill-Abend bis hin zu einem spannenden Karaoke-Contest mit überraschendem Sieg war alles dabei.

Am Ende blicken alle mit positiven Gedanken auf die Summer School zurück. Als Gastdozenten und Studenten sind die Teilnehmer am Anfang dieser Woche zusammengekommen, auseinander gegangen sind sie als Freunde und Verbündete.

Im Namen der Fakultät für Angewandte Psychologie sprach Svenja Haußner einen besonderen Dank an Dr. Yuliia Prykolotina aus, die zahlreiche organisatorische Aufgaben vor Ort übernommen hat. Darüber hinaus möchten sich alle Beteiligten beim Institut für Angewandte Forschung bedanken. Durch die Unterstützung von Eike-Marie Nolte, Anastasia Zhukovets, Henock Lebasse und Duygu Yurdakul konnte ein DAAD-Antrag zur Förderung der Sommerschule gestellt werden. Dies hatte zur Folge, dass sämtliche Kosten übernommen wurden.

Zu den Sommerschulen

Zwischen 2008 und 2018 wurden insgesamt 214 Sommerschulen gefördert, 24% der geförderten Sommerschulen im Ausland wurden von Fachhochschulen in Deutschland beantragt. Die Sommerschule „Crime & Punishment“ war die einzige Sommerschule, die in diesem Zeitraum in Weißrussland gefördert wurde.

Seit 2015 wurden an der SRH Hochschule Heidelberg insgesamt drei Sommerschulen mit 76.900 Euro im Rahmen des DAAD Programms „Sommerschulen in Deutschland“ aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) gefördert.

2016: DIVERSITY – Europäisch denken, lokal handeln (22.000 €)

2016: Manipulation in Professional Sports (30.400 €)

2019: International Music Therapy Summer School: Challenges in psychosomatics – a German perspective (24.500 €)

Zwischen 2008 und 2018 wurden insgesamt 257 Sommerschulen gefördert, nur neun Prozent der geförderten Sommerschulen in Deutschland fanden an Fachhochschulen statt. 15 Sommerschulen (sechs Prozent) wurden an baden-württembergischen Hochschulen gefördert. Davon drei an der SRH Hochschule Heidelberg.

Seit 2015 wurden an der SRH Hochschule Heidelberg insgesamt zwei Sommerschulen im Ausland mit 35.078 € aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

2018: Between the Spheres: when Sport meets Politics – Chances, Risks and Limitations of Sport as an Instrument of Political Influence, im Rahmen des DAAD Programms “Ost-West-Dialog – Akademischer Austausch und wissenschaftliche Kooperation für Sicherheit, Zusammenarbeit und zivilgesellschaftliche Entwicklung in Europa 2018“ (10.118 €)

2019: Crime & Punishment , Weißrussland, im Rahmen des DAAD Programms „Sommerschulen im Ausland“ (24.960 €)