Dies rät Prof. Dr. Rudolf Irmscher, Geschäftsführer der Stadtwerke und Honorarprofessor an der SRH Hochschule Heidelberg. Heute gibt er Tipps für professionelle Absagen von Jobangeboten.

Gerade in Zeiten knapper Fachkräfte geraten Bewerber hin und wieder in die komfortable Lage, zwischen mehreren Stellen wählen zu können. Man entscheidet sich für das am besten erscheinende Angebot, die anderen sagt man ab. Auch wenn sich jetzt alles um die neue Stelle dreht – es lohnt sich, einen Augenblick bei den Absagen zu verweilen.

Viele Absagen, die ein Arbeitgeber erhält, mögen ehrlich gemeint sein. Doch oft sind sie unprofessionell verfasst, im Extremfall sogar so, dass sie der künftigen Karriere schaden können. Ein Kandidat schrieb zum Beispiel:

„… Sie erfüllen mit dem Angebot weder meinen Gehaltswunsch noch meine Erwartungen für eine zukünftige berufliche Ausrichtung. Zum Glück gibt es noch Unternehmen, die meinen Wert besser einzuschätzen wissen. Beiliegend erhalten Sie deshalb zu meiner Entlastung Ihr Vertragsangebot zurück. Und noch ein Tipp: Ihre Mitarbeiter sollten sich künftig besser auf Interviews vorbereiten und dabei versuchen, den Wert der Bewerber besser einzuschätzen.“

Eine derart harsche Zurückweisung schmerzt. Sie bleibt im Gedächtnis der beteiligten Gesprächspartner hängen.

Was der Kandidat nicht bedachte, sich aber im Geschäftsleben immer wieder auf verblüffende Weise bewahrheitet, ist eine alte Weisheit: Man sieht sich im Leben zwei Mal.

Denkbar ist zum Beispiel folgendes Szenario. Seit der Einstellung des Kandidaten sind fünf Jahre vergangen. In ihm reift der Gedanke, sich nach einer neuen Position umzusehen. Er möchte mehr Führungsverantwortung übernehmen, sieht dazu in seinem Unternehmen aber kaum Chancen. Also hält er die Augen offen und stößt auf eine spannende Stelle, die ein Unternehmen über eine Personalberatung ausgeschrieben hat. Er reicht seine Bewerbungsunterlagen ein und erhält eine Einladung.

Das Gespräch mit dem Personalberater verläuft vielversprechend. Doch als dieser nach einer Weile den Namen des Unternehmens nennt, erschrickt der Kandidat: Es handelt sich um jenes Unternehmen, das er vor fünf Jahren mit dem harschen Absageschreiben bedacht hat. Würde sich die Personalabteilung an ihn erinnern? Sind die damaligen Gesprächspartner noch im Haus? Würde man ihm das Schreiben vorhalten? Oder ihn womöglich gleich aus dem Bewerbungsprozess herausnehmen?

Was gerne übersehen wird: Ein Unternehmen ist ein lebendes, vom Menschen und seinen Emotionen geprägtes Gebilde. Dementsprechend wertschätzend und sensibel sollte eine Absage formuliert sein. Etwa mit den Worten:

„Über Ihr Vertragsangebot habe ich mich sehr gefreut und ich bedanke mich ausdrücklich dafür. Während der Gespräche habe ich Ihr Unternehmen als einen interessanten Arbeitgeber kennengelernt. Nach sorgfältiger Abwägung habe ich mich aber für ein anderes Unternehmen entschieden. Ich bitte um Verständnis dafür.“

Das mag formell klingen, vielleicht ein wenig geschönt sein. Doch es signalisiert Wertschätzung. Anstatt verbrannte Erde zu hinterlassen, bleiben Sie als angenehmer Gesprächspartner in Erinnerung – und wahren die Chance, die Beziehung später wieder aufzunehmen.