Bernhard Küppers, Professor für Entrepreneurship an der SRH Mobile University und Leiter des Gründer-Institut der SRH Hochschule Heidelberg, äußert sich zu den  den Herausforderungen und Chancen, vor denen die Start-ups aktuell stehen:

Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. sehen sich rund neun von zehn Startups von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen, 70 Prozent befürchten eine Existenzgefährdung in den nächsten sechs Monaten. Ende April kündigte die Bundesregierung nun ein 2 Mrd. Euro-Maßnahmenpaket für Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell an.

Die Corona-Krise bedroht selbst gesunde, erfolgreiche Unternehmen existentiell, Liquiditätsengpässe drohen. Was bedeutet der wirtschaftliche Stillstand für Startups in Deutschland?

Bernhard Küppers: Im Gegensatz zu etablierten Unternehmen können sich Startups in der Regel nicht aus dem laufenden Geschäft oder mit Hilfe von Bankkrediten finanzieren. Sie sind auf Wagniskapitalgeber angewiesen, die so in Innovation und den Aufbau von Arbeitsplätzen investieren. Vor allem Startups, die sich aktuell in der Finanzierungsphase befinden, sind nun existentiell gefährdet. Ihr noch vor wenigen Wochen als realistisch eingestuften Konzepte sind nun obsolet. Die Vermeidung kurzfristiger Liquiditätsengpässe stehen zwar auch für Startups im Vordergrund, doch die bisherigen, kreditfinanzierten Rettungsschirme greifen hier nicht. Hilfsmaßnahmen müssen an die verschiedenen Entwicklungsphasen von jungen Unternehmen angepasst werden.

Nun hat der Bund ein 2 Mrd. Euro-Maßnahmenpaket für Startups angekündigt. Wie genau funktioniert dieses Schutzschild?

Bernhard Küppers: Für Startups spielen private Eigenkapitalgeber eine wichtige Rolle. Daher basiert dieses Schutzschild auf der Idee der Kombination von privaten und öffentlichen Mitteln. Diese werden Wagniskapital-Finanzierern über die neue Corona Matching Fazilität zur Verfügung gestellt, damit Investoren auch während der Krise hoch innovative und zukunftsträchtige Startups finanzieren. In einem zweiten Schritt und in Zusammenarbeit mit den Ländern sollen auch die Startups und kleine Mittelständler finanziell unterstützt werden, die keinen Zugang über die Corona Matching Fazilität haben. Ein wichtiger Schritt, wie ich finde. Denn Startups in Deutschland beschäftigen inzwischen mehr als 150.000 Menschen mit steigender Tendenz und setzen nicht selten die Impulse für innovative Ideen. In diesem Prozess hat der Bundesverband Deutscher Startups mit seinem Präsidenten Christian Miele eine wichtige und richtige Rolle gespielt.

Sie unterstützen selbst seit Jahren als Business Angel junge Unternehmer bei der Gründung und leiten das SRH Gründer-Institut in Heidelberg. Wie erleben Sie die Situation aktuell?

Bernhard Küppers: Für Startups gerade in der Frühphase sind Pilotprojekte, Testimonials und erste Kunden entscheidend für den Durchbruch. Alles, was nun von Dritten auf die lange Bank der Unsicherheit geschoben wird, belastet fast noch mehr als die fehlende Liquidität. Fehlende Perspektive kann nur durch Kooperationspartner und potentielle Kunden aufgefangen werden, die ihre geplanten Projekte mit den Startups umsetzen. Das ist nicht immer eine Frage des Geldes. Man sollte die jungen Gründer*innen gerade jetzt nicht hängenlassen und die entstandenen zeitlichen Kapazitäten nutzen, um Pilotprojekte voranzubringen. Und für die Gründerszene selbst ist mein Tipp: Potentielle und bereits aktive Gründer*innen, aber auch die Mitglieder ihrer Teams können die Zeit nutzen, ihre Idee und ihre jeweilige Fragestellung auf Herz und Nieren zu prüfen.

Seit Oktober 2019 bietet die Mobile University der SRH Fernhochschule den Master-Studiengang „Entrepreneurship“ an, indem das eigene Projekt Gegenstand des Studiums sein kann. Mit überregionalem Netzwerk und mit Einbindung von Fördermittel. Mit dem Bundesverband Deutscher Startups wurde vereinbart, dass die ersten Module kostenfrei genutzt werden können (bei Anmeldung bis 30. September), um die nächsten Schritte bestmöglich vorzubereiten (inklusive Fördermittelprüfung) und Zeit zu gewinnen.

Sie bezeichnen diesen Fernstudiengang selbst als Pionierprojekt. Warum?

Bernhard Küppers: Das Besondere an unserem Studiengang: Das Gründungsprojekt kann direkt in das Studium mit einbezogen werden. Dadurch bieten wir Lösungen für grundlegende Probleme studierender Gründer*innen an. Sie müssen sich oft zwischen Kundentermin und Pflichtvorlesung entscheiden. Auch Investoren erwarten eine Fokussierung auf das Projekt und sehen diese Schwerpunktsetzung bei einem parallelen Studium oft als nicht gegeben. Bei uns ist das Projekt gleichzeitig Studieninhalt mit dem Plus einer professionellen Unterstützung. Dadurch können junge Unternehmer*innen ihre Zeit effektiv nutzen und bei potentiellen Investoren punkten. Und klappt es nicht mit der Gründung, bleibt immer noch der Master. Tatsächlich ist mir derzeit kein vergleichbares Studienangebot zu „Startup oder Master? Beides!“ bekannt.