Eine aufgebrochene Badezimmertür, wochenlanges Duschexil, haltlose Zustände in der Zweier-WG: In ihrer Kolumne „über das glorreiche WG-Leben“ setzt SRH-Studentin Isabelle Schulz ihre Bad-Hetze fort.

Was bereits geschah:

Hallo und herzlich willkommen zu dem nun schon dritten Teil dieser Kolumne. Ich kann es fast nicht glauben: Ihr seid immer noch dabei, und für mich gibt es ja sowieso kein Entkommen. In der letzten Episode habe ich von meinem neuen Badregal und meines Mitbewohners schönen Wäschekorb erzählt. Unzählige Diskussionen, Hin- und Hergeschiebe von Möbeln und allgemeine Unzufriedenheit bleiben in Erinnerung. Doch folgende Geschichte soll ausnahmsweise nicht ausschließlich von meinem Mitbewohner und dessen Eigenheiten handeln. Denn ich habe mittlerweile auch Bekanntschaft mit neuen seltsamen Wesen in diesem Wohnungsdrama gemacht. Es ist wie in einem guten Thriller – man denkt, man hat den Mörder gebändigt und auf der nächsten Seite erwartet einen schon das nächste Übel.

Doch lasst uns beginnen: In guter Manier und alter Frische folgt hier die nächste aufregende Geschichte.

Die Badezimmertür:

Wie bereits angeteasert, machte ich auch in den letzten Wochen Bekanntschaft mit neuen Leuten, die sich in diesem Wohnungsnetz befinden. Am deutlichsten blieb mir jedoch die Begegnung mit unserem Vermieter in Erinnerung.

Aber lasst uns von vorne beginnen: In diesem Winter kam ich von einem Wochenendbesuch bei meinen Eltern zurück in die Wohnung. Es war schon abends, ich wollte kein Licht im Gang anmachen, stieß mir also Ellbogen und Zeh an und verschwand möglichst lautlos in meinem Zimmer. Kurze Zeit später, am gleichen Tag noch, begab ich mich auf die Suche nach einem Snack, als mein Mitbewohner lauten Schrittes in die Küche gestürmt kam: „Du hast es vielleicht schon gesehen, die Badezimmertür ist kaputt……“ Ich hatte es zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht gesehen und musste mir nun das Ausmaß meiner Abwesenheit am Wochenende aufzeigen lassen. Eine aufgebrochene Badezimmertür, die sich weder schließen noch anlehnen ließ.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass ich mit einem fremden 33-Jährigen Mann zusammenwohne, der mir gerade erzählt hat, dass ich beim Toilettengang oder Duschen die Tür nicht zumachen kann.

Somit erzählte er mir nun, dass er sich eines Morgens nach dem Aufstehen ins Bad begab und die Tür schloss (nicht abschloss). Als er dann wieder gehen wollte, ging die Tür nicht mehr auf, und nach mehrmaligem Rütteln sah er handylos im Pyjama keine andere Lösung, als aus dem Fenster zu klettern. Da saß er dann, mitten im Winter bei Minusgraden auf dem Vordach des Mehrfamilienhauses und schrie um Hilfe. Der Nachbar unter uns öffnete dann mit dem Zweitschlüssel zwar die Haustür, aber die Badezimmertür bewegte sich immer noch keinen Millimeter. Somit musste ein Schlosser her, der jedoch auch nichts ausrichten konnte, außer die Tür gewaltsam aufzutreten. Zurückzuführen war das Problem übrigens auf das von mir geschätzte Alter der Tür von ca. 400 Jahren.

Da soll nochmal Einer sagen, Studenten haben ein entspanntes Leben. Vier Wochen lang vermied ich es also, in der Wohnung duschen zu gehen, solange mein Mitbewohner da war, und wenn es nicht anders ging, musste ich erst Warnungen durch die Wohnung rufen, damit nichts Unangenehmes passiert.

Es gibt Leute, die suchen beim Bungeesprung in die Tiefe nach dem ultimativen Adrenalinkick. Lasst mich sagen, dieser Monat hat mir schon für das ganze Jahr gereicht.

Doch hier endet die Geschichte ja auch noch nicht. Ihr fragt euch warum ich so lange woanders duschte? Nun, das lag daran, dass unser Vermieter trotz Gutachten nicht anerkannte, warum die Tür aufgetreten werden musste. Er beschrieb es als mutwillige Zerstörung und glaubte schlichtweg die Geschichte meines Mitbewohners nicht.

Nötig waren also eine Einschaltung des Anwalts und des Mieterschutzbundes, um eine Erneuerung der Tür zu erreichen. Neuer Wert der Tür: 30€, die muss jetzt also erstmal die nächsten 50 Jahre so halten.

Wer jetzt der Meinung ist, ich wäre fertig mit meiner Hetze über unser Bad, der irrt. Denn wir haben uns noch gar nicht über unsere Heizungssituation unterhalten…

Mit freundlichen Grüßen

Isabelle