Fabian Heimpel steht kur vor seinem Master-Abschluss an der SRH Hochschule Heidelberg und vor einem Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn. Sein großes Ziel: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 im 7er-Rugby.

Die Zeit von Fabian Heimpel ist knapp bemessen: Als der Master-Student um 12 Uhr im Foyer des Science Towers zum vereinbarten Gesprächstermin erscheint, hat er schon eine komplette Trainingseinheit hinter sich. Begonnen hat sein Tag um 7:30 Uhr am Olympiastützpunkt (OSP) Heidelberg mit einem 75-minütigen Krafttraining, das er zusammen mit dem 7er-Rugby-Kader absolviert hat. Nach einer kurzen Physioeinheit war er zusammen mit seinen Mannschaftskollegen auf dem Platz: erst beim Mannschaftstraining, dann beim Kicktraining, das für Heimpel als Spielmacher zusätzlich auf dem Programm steht. Das Training endet gegen 11:30 Uhr. Je nach Wochentag folgt am Abend nochmal eine zweistündige Trainingseinheit bei der RG Heidelberg, seinem Verein. Dazwischen bleibt Zeit fürs Studium.

„Insgesamt komme ich auf etwa 15 Trainingseinheiten pro Woche“, sagt Heimpel. „Wenn ich die Zeit fürs Studium und meine Werkstudententätigkeit dazuzähle, bleibt wenig Luft, um zwischendurch abzuschalten.“ Ein paar Tage später wird er zum Trainingslager nach Südafrika aufbrechen – zur Vorbereitung auf die Hong Kong Sevens, die zu den wichtigsten Wettkämpfen im 7-er-Rugby zählen. „Das Turnier hat Festival-Charakter“, schwärmt er. „Vor 50.000 Zuschauern zu spielen – das ist Gänsehaut pur.“

Das große Ziel: Olympia

Mit einem Sieg käme Heimpel auch dem großen Ziel Olympia 2020 in Tokio ein Stück näher. Zum zweiten Mal überhaupt steht 7er-Rugby auf der Liste der olympischen Disziplinen. 2016 wäre dem deutschen Team fast ein Überraschungscoup gelungen: Beim letzten Ausscheidungsturnier verlor er erst im Halbfinale. „Für uns als Mannschaft war es damals kein Tiefschlag, weil wenige mit uns gerrechnet hatten“, sagt Heimpel rückblickend. „Sehr schnell haben wir für uns als Gruppe erkannt, dass wir noch sehr viel erreichen können. Die Generation, die seit vielen Jahren dabei ist, hat jetzt nochmal die Chance, sich für Tokio zu qualifizieren. Wir werden alles daransetzen, dieses Mal dabei zu sein.“

Nach sehs Jahren Studium und Spitzensport hat sich Heimpel an die Doppelbelastung gewöhnt. Als er angefangen hat zu studieren, musste sich alles erst mal einspielen. An die SRH Hochschule Heidelberg kam er 2012 nach einem einjährigen Aufenthalt in Kapstadt, von dem er voller Leidenschaft für sein Sport, aber auch mit einem unbehaglichen Gefühl zurückkam: „Obwohl ich in einem relativ sicheren Viertel lebte, sind in der Zeit meines Aufenhalts zwei Menschen in meiner Straße erschossen worden, erzählt er bedrückt.

Nach seiner Rückkehr war schnell klar, dass er studieren würde. „Ein zweites Standbein neben dem Sport zu haben ist in unserer Disziplin unabdingbar“, sagt er. Und er wollte in Heidelberg bleiben: Seit seinem fünften Lebensjahr trainiert er bei der RG Heidelberg. Sein Vater hat den Verein mit aufgebaut und die sportlichen Ambitionen seines Sohnes stets unterstützt. Seine Trainingsbedingungen am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar sind ideal. Wer in Deutschland im Rugby etwas werden will, kommt hierher: Gleich vier Heidelberger Rugby-Vereine spielen in der Ersten Bundesliga.

Studium mit vielfältigen Berufschancen

Heimpel entschied sich für ein Bachelor-Studium Betriebswirtschaft, um möglichst vielfältige Berufschancen zu haben, und stieß aufgrund ihrer Kooperation mit dem deutschen Rugby-Verband auf die SRH Hochschule Heidelberg. Das Gesamtpaket überzeugte ihn: „Leistungssport auf dem hohen Niveau zu betreiben ist sehr schwer und ich glaube, man braucht ein Konzept, wie es die SRH Hochschule Heidelberg anbietet- mit Stipendium und individueller Betreuung-, sonst kann man es kaum schaffen“, sagt er. Für ihn als Spitzensportler hat das Studium an der Hochschule viele Vorteile, angefangen beim CORE-Prinzip.: „Wenn ich in einer Wettkampfphase bin, verpasse ich durch die Fünf-Wochen-Struktur maximal ein bis zwei Klausuren. An der Uni hätte ich das komplette Semester wiederholen müssen.“ Auch die individuelle Betreuung durch Prof. Dr. Markus Breuer weiß Heimpel zu schätzen: „Es war unheimlich hilfreich für mich, einen Ansprechpartner zu haben, der die komplette Koordination zwischen dem OSP, dem Rugby-Verband und der Hochschule übernimmt. „Das hat er wirklich weltklasse gemacht“,sagt er. So kam Heimpel trotz des intensiven Trainings auch in seinem Studium zügig voran: Für sein BWL-Studium brauchte er vier Jahre, sein Master-Stuidum Management and Leadership wird er in der Regelzeit absolvieren. Die Organisation und Finanzierung des Studiums bleibt für ihn dennoch eine Herausforderung: Zwar profitiert Heimpel dank der Kooperation derr Hochschule mit de m Deutschen Rugby-Verband von angepassten Studiengebühren und erhält als Spitzenathlet eine Förderung der Sporthilfe in Höhe von 700 Euro. Trotzdem wird es am Monatsende oft knapp. „Ich möchte es ohne zusätzliche Hilfe meiner Eltern schaffen, denn sie haben schon so viel in mein Sport investiert“, sagt er. Er wohnt umsonst in der Sportler-WG seines Vereins; für die Summer School, die er dieses Jahr noch absolvieren wird, um die fehlenden Credits zu erhalten, bekommt er zustätzliche Unterstützung von Team Tokio, das Athleten in der Metropolregion Rhein-Neckar dabei unterstützt, ihre sportlichen und persönlichen Ziele zu erreichen.

Wenn alles nach Plan läuft, darf sich Heimpel ab Herbst mit dem Titel „Master of Arts“ schmücken und kann sich mit voller Kraft der Olympia-Qualifikation 2020 widmen. Für den 27-Jährigen steht fest: Es wird sein letztes Turnier. Sorgen über die Zeit danach braucht er sich nicht zu machen. Aktuell arbeitet er als Werkstudent bei SAP, wo er auch ein Praktikum absolviert hat. Mit seinem Studium hat er viele Karrieremöglichkeiten- nicht nur im sportlichen Bereich.