Wer heilt hat Recht. Dieser Grundsatz reicht heute jedoch nicht mehr aus. Es wird erwartet, dass auch Physiotherapeuten evidenzbasiert arbeiten. Das bedeutet unter anderem, die Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung in den eigenen Therapiealltag zu integrieren. Vier Studierende des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften haben ein Konzept zur Implementierung evidenzbasierten Arbeitens in die Praxis entwickelt.

„In der Realität wird die aktuelle Forschung leider kaum in den Therapiealltag integriert“, berichten die Studierenden. „Die Therapeutinnen und Therapeuten sehen Barrieren vor allem im Zugang zur Forschungsliteratur oder bei den eigenen wissenschaftlichen Kompetenzen, z.B. im Bereich Literaturrecherche oder der Bewertung von Evidenz.“ Stefan Adelhelm, Michael Adams, Melissa Wolf und Martin Elgeti (auf dem Bild von links neben ihrer Projektleiterin Prof. Dr. Mieke Wasner) haben sich mit dieser Problematik im Rahmen einer Projektarbeit beschäftigt Das Ergebnis ist „science4practice“ – ein Konzept, welches individuell für eine konkrete Praxis und deren Mitarbeiter erstellt wurde und eine realistische und nachhaltige Maßnahme zur durchgängigen Integration von Wissenschaft in die Praxis beinhaltet.

Kooperationspartner für das Projekt ist Stefan Korn, Geschäftsführer und Inhaber der Praxisgruppe THERASPORT Heidelberg. Über das berufliche Netzwerk des Projektteams konnte der Kontakt zu Herrn Korn aufgenommen und das Physiotherapiezentrum THERASPORT St. Elisabeth als Einrichtung für das Projekt gewonnen werden. Insgesamt sind im THERASPORT St. Elisabeth 13 Mitarbeiter angestellt. Es handelt sich um eine ambulante Physiotherapiepraxis in den Räumlichkeiten des St. Elisabeth Krankenhaus in Heidelberg. Der Projektpartner war bei der Prüfung im Gründer-Institut dabei (auf dem Bild von rechts Nico Bender, Manuel Knittel und Janina Keßler)

„Es ist toll zu erleben, dass die Projektpartner zur Projektpräsentation an die Hochschule gekommen sind und so die Diskussion um wichtige Aspekte aus der Praxis bereichern konnten. Das zeigt, dass die Projektpartner in das Projekt involviert sind, die Arbeit und Leidenschaft, welche die Studierenden investiert haben, wertschätzen und hohes Interesse an einer Implementierung des Konzepts haben“, sagt Frau Prof. Dr. Mieke Wasner.

Manuel Knittel, leitender Physiotherapeut von THERASPORT, zeigte sich von der Arbeit der Studierenden begeistert: „Das Thema ist aktuell und für die Physiotherapie extrem wichtig und genau solche Konzept brauchen wir, um Wissenschaft in die Praxis zu bringen. Wir sind hochmotiviert und nehmen uns fest vor, das Konzept umzusetzen. Wir haben ja jetzt alles, was wir dafür brauchen.“

Ein anderes Projekt der Therapiewissenschaftler an der SRH Hochschule Heidelberg beschäftigte sich mit der Steigerung der physischen Aktivität von Personen in einer stationären neurologischen Rehabilitation.  Auch hier war ein deutlicher Praxisbezug gegeben, deshalb diente eine neurologische Reha-Klinik als Projektpartner. So legte die zweite Studentengruppe in der Prüfung den Fokus auf die neurologische Rehabilitation. „Physisch sind sie während der stationären Behandlung häufig kaum aktiv, und das widerspricht den grundlegenden Prinzipien des motorischen Lernens in der neurologischen Reha“, betonen Marilena Marino, Julia-Marie Neu, Carole Geimer und Yannick Henes. „Deshalb sind neue Strategien notwendig, welche zu einer Steigerung der physischen Aktivität führen und somit dieser beschriebenen Inaktivität entgegenwirken.“ Als Ursachen für die Inaktivität identifizieren die Studierenden einen möglichen Mangel an Personalressourcen, einen Mangel an Patientenautonomie sowie mangelnde Anreize in der stationären Umgebung. „Das interprofessionelle Arbeiten und der Einbezug der Angehörigen in den Rehabilitationsprozess fördern das Patientenoutcome. Zudem zeigen Angehörige oft Interesse und Bereitschaft den Therapieprozess zu unterstützen, welche man sinnvoll nutzen kann“, sagt die Projektgruppe. Die Studierenden erstellten ein umfassendes Konzept, das die physische Aktivität von Rehabilitanden in einer neurologischen Klinik steigern soll und arbeiteten eine konkrete Maßnahme aus. Die Ressourcen wie Personal und Kosten wurden dabei berücksichtigt.

Die Modulverantwortliche Frau Prof. Dr. Mieke Wasner ist begeistert von der Arbeit ihrer Studierenden und resümiert: „Alle von den Studierenden erarbeiteten Konzepte adressieren aktuelle Herausforderungen. Sie bieten Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch die Integration von Evidenz in den therapeutischen Praxis- und Klinikalltag. Das ist für die Zukunft der Therapie und des Gesundheitssystems von großer Bedeutung.“

Die beiden Projektgruppen des Studiengangs Therapiewissenschaften:

Obere Reihe von links: Yannick Henes, Annemarie Schäfer, Theresa Ziefle, Carole Geimer, Julia-Marie Neu, Marilena Marino, Stefan Adelhelm; Untere Reihe von links: Martin Elgeti, Melissa Wolf, Michael Adams