Beim Heidelberger Fachtag für Angewandte Rechtspsychologie ließen sie Studierende und andere Interessierte hinter die Kulissen ihrer Arbeit blicken: Kriminalkommissare, BKA-Mitarbeiter, Strafrechtler und Psychologen boten spannende Workshops und Vorträge.

Schätzungen der UNICEF (2008) und des Kinderschutznetzwerks ECPAT (End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes) zufolge, handelt es sich bei Kinderpornografie um einen profitträchtigen Kriminalitätsbereich. Die globalen Umsatzschätzungen reichen von mehreren Millionen bis zu 20 Mrd. US-Dollar. Im Workshop wurde insbesondere auf zwei Formen von Internetsexualstraftaten näher eingegangen: Webcam Child Sex Tourism (WCST) und Cyber-Child-Grooming. Beide stellen relativ neue und kriminologisch weitgehend unerforschte Phänomene dar. Webcam Child Sex Tourism (WCST) stellt phänomenologisch eine Mischung zwischen Kinderpornografie und Kinderprostitution dar. „Wir wissen heute viel über Kinderpornografie und Kinderprostitution. Bei den neuen Formen der Internetsexualstraftaten sind jedoch die Grenzen zwischen Hands-On und Hand-Off-Straftaten nicht mehr so scharf bzw. diese Differenzierung, ob Körperkontakt stattgefunden hat, ist zu hinterfragen. So gestaltet bei WCST der Kunde – auch ohne Körperkontakt – den Missbrauch des Kindes online aktiv mit. Hierbei muss die kriminalprognostische Relevanz der Unterscheidung in Hands-On und Hand-Off- Straftaten grundsätzlich hinterfragt werden“, erklärte Dr. Malgorzata Okulicz-Kozaryn vom BKA beim Fachtag an der SRH Hochschule Heidelberg.

In seinem Workshop zur systemisch orientierten Gruppentherapie mit Straftätern drehte der Psychologe René Cuadra-Braatz den Spieß um und spielte selbst die Rolle des Straftäters, der von den Teilnehmern therapiert werden sollte:. „Ein möglicher Umgang mit einem depressiven Straftäter wäre zum Beispiel, Empörung auszulösen“, sagte Cuadra, beispielsweise: „Also ich hätte mich an Ihrer Stelle schon längst umgebracht.“ Er hatte viele wertvolle Tipps für die angehenden Rechtspsychologen in der Tasche, und spitzte sie schön zu: „Man muss halt auch mal den Esel am Schwanz aus dem Stall ziehen, wenn er nicht vorwärts gehen will.“

Auch die anderen Workshops am ersten Fachtag waren gut besucht und ein voller Erfolg, wie Prof. Dr. Niels Habermann berichtet, der verantwortlich ist für den Studiengang Rechtspsychologie. Am zweiten Fachtag gaben hochkarätig besetzte Vorträge einen umfassenden Überblick über verschiedene Projekte.

Svenja Jasmin Haußner, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Angewandte Psychologie hat die Veranstaltung organisiert. Sie resümiert: „Das Beste an unserem Fachtag waren die zahlreichen und intensiven Diskussionen zwischen den Referenten und Teilnehmern. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und wir freuen uns auf nächstes Jahr.“ So gratulierte auch die Initiative Kurve kriegen“ zu dieser gelungenen Veranstaltung: https://www.kurvekriegen.nrw.de/fachtag-angewandte-rechtspsychologie-heidelberg/.