Boris Palmer, Oberbürgermeister in Tübingen und profilierter Politiker der Grünen, stellte am Campus Calw der SRH Hochschule Heidelberg auf Einladung der vhs Thesen aus seinem umstrittenen Buch „Wir können nicht allen helfen“ vor.

In seinem sehr lebhaften und kurzweiligen Vortrag schilderte Boris Palmer die Situation seit dem Beginn der Flüchtlingswelle 2015 und warnte eindringlich vor einer Überlastung von Städten und Gemeinden. Er mahnte dabei an, dass die Gesellschaft bei aller Hilfsbereitschaft auch offen über die Grenzen der Belastbarkeit sprechen müsse – etwa über die Lösung der Unterkunftsfrage vor dem Hintergrund von Wohnungsnot oder über die Bildungs- und Jobchancen der vielfach schlecht ausgebildeten Flüchtlinge. Auch der Umgang mit Gewalt und Abschiebung oder Fragen von Ordnung und Sicherheit dürfen nicht verschwiegen werden. Schließlich ließen sich in Zeiten des Internets Probleme nicht verbergen: „Nur wenn wir die Probleme offen benennen, können wir den Rechtspopulisten das Wasser abgraben.“

Zugleich plädierte er für einen pragmatischen Umgang mit den Herausforderungen, die durch die Flüchtlinge entstanden. Anhand von einprägsamen Beispielen zeigte er auf, wie Baurecht und Umweltbestimmungen den zügigen Bau von Unterkünften massiv erschweren: „An einem Tennisplatz durften wir wegen der Lärmbelästigung für die Bewohner keine Häuser bauen. Wir hätten allerdings die Häuser drehen können, mit dem Wohn- und Schlafzimmer nach Norden, direkt an einer 4 spurigen Straße. Für Freizeitlärm gelten in Deutschland niedrigere Grenzwerte als für Verkehrslärm“, so Palmer. Hier seien dringend Ausnahmeregelungen erforderlich.

Eine lebendige Diskussion schloss den Abend ab.