Prof. Dr. Daniel Görlich, Studiengangsleiter der Virtuellen Realitäten (B.Sc.), berichtet über eine ganz besondere digitale, aber würdige Feier.

Als ich 2005 mein Studium abschloss, damals auf Diplom und somit erst nach fünf Jahren, war das reine Routine: Da wurde nicht groß gefeiert. Mein Zeugnis konnte ich mir in einem Sekretariat meiner damaligen Hochschule abholen, und somit war die einzige Hochschulmitarbeiterin, die mir gratulierte, die Sekretärin. Jedes andere Finale meiner Laufbahn wurde gefeiert: Mit einem Abi-Ball, einem großen Dinner nach bestandener Promotion, einem Ausstand mit meinen früheren Kollegen… nicht jedoch mein Studienabschluss.

An der SRH Hochschule Heidelberg ist das glücklicherweise anders. In den neun Jahren, die ich hier schon arbeite, durfte ich ebensoviele Male an Graduierungsfeiern teilnehmen. Jedes Jahr sind sie ein würdiger Abschied von unseren Absolventen, eine Zeremonie zu ihren Ehren, mit feierlichen Reden, Feuerwerk und großem Büfett. Viele Absolventen gehen anschließend noch gemeinsam weiter feiern, zum Beispiel in „die Untere“, also die Untere Straße, Heidelbergs Bar- und Kneipenmeile.

Zu Corona-Zeiten müssen wir alle auf vieles verzichten – aber auch auf unsere Graduierungsfeier? Natürlich nicht! Gerade auch aufgrund meiner eigenen Erfahrung mit meinem wenig feierlichen Studienabschluss ist es mir ein Anliegen, meinen Studierenden selbst unter schwierigsten Bedingungen einen würdigen und feierlichen Studienabschluss zu ermöglichen. Meine Kollegen, das Dekanat unserer Fakultät und die Hochschulleitung teilen diese Einschätzung. Aus diesem Grund war es für uns vollkommen selbstverständlich, auch am 06. November 2020, am fünften Tag des zweiten Lockdowns, eine festliche Zeremonie zu veranstalten.

Natürlich durften die Absolventen nur online teilnehmen, aber konnten trotzdem ihre Familien, Freunde, Bekannten und Partner mit hinzuholen. Jeder von ihnen hatte zuvor ein Geschenkset erhalten, mit Sekt und Sektglas zum gemeinsamen Anstoßen, mit Knabberoni und natürlich einem Barett, dem traditionellen Studentenhut mit Quaste. Die Begrüßung durch Prorektor und Dekan, die Einladung zum Alumni-Netzwerk der Hochschule, die Absolventenrede, die musikalischen Einlagen und die Preisverleihungen wurden – natürlich unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen – im Foyer des Science Towers live aufgezeichnet und übertragen. Über die Online-Plattform Zoom waren die Absolventen und ihre Begleitungen zugeschaltet und konnten mit uns und miteinander anstoßen. In einem gemeinsamen Breakout Room wurden schließlich alle Studierenden der Studiengänge „Virtuelle Realitäten“ und „Crossmedia Design“ gruppenweise aufgerufen, genauso wie in allen anderen Jahren und allen anderen Graduierungsfeiern, abgesehen davon, dass sie nur über Zoom jubeln und grüßen brauchten, statt auf die große Festbühne im Foyer zu kommen. Und ein kleines Feuerwerk gab es auch noch – wenn auch nur als Hintergrundbild in Zoom.

Ich glaube, dass es trotz aller Einschränkungen eine schöne, würdige und feierliche Veranstaltung war. Von vielen Absolventen haben wir bereits sehr positives Feedback erhalten. Ich hoffe, dass sie alle diese Feier und ihr Studium in freudiger Erinnerung behalten. Natürlich fand ich es schade, dass ich meine Absolventen nach drei gemeinsamen Jahren nicht persönlich verabschieden konnte, aber die Graduierungsfeier fand ich rundum gelungen. Ich hoffe, dass alle meine Absolventen Corona trotzen, gesund bleiben, gute Jobs bekommen oder in einem Master-Programm weiter studieren, sich dem Alumni-Netzwerk unserer Hochschule anschließen und irgendwann mal wieder bei uns vorbeikommen, vielleicht als Besucher, vielleicht als Gastdozenten, vielleicht als zukünftige Kollegen. Prost – auf eure Zukunft!