Das Projekt der SRH Hochschule Heidelberg zur frühkindlichen Ernährungsbildung befand sich mitten in der sechsten Runde, als das Virus alles durcheinander brachte. Während eines Vernetzungstreffens mit den aktuell 15 teilnehmenden Einrichtungen stellte das Projektteam vor, welche Auswirkungen die aktuelle Krise auf die Ernährungsbildung der Kinder hat.

 

88 Kindergarten-Einrichtungen in der Metropolregion Rhein-Neckar haben bislang insgesamt am Projekt „Abenteuer Essen“ teilgenommen. In der nunmehr sechsten Runde  bilden sich 15 Einrichtungen in Sachen Ernährung weiter aus. „Covid-19 hat uns ordentlich getroffen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Annette Schneider, Leiterin des Studiengangs Kindheitspädagogik an der SRH Hochschule Heidelberg. „Kinder bilden sich immer!“, weiß die Professorin. Es komme nur auf die Bildungsangebote an. Im „harten“ Lockdown von Mitte März bis vielerorts in den Juni hinein fehlten nicht nur die Bildungsangebote in den Kindergarteneinrichtungen, sondern vor allem natürlich das soziale Miteinander.

Celine Goll ist Absolventin des Studiengangs Kindheitspädagogik und schrieb ihre Bachelor-Thesis über die Rolle der Bildung im Kindergarten in Corona-Zeiten. Die Studentin befragte für ihre Arbeit 201 Elternteile, 75 Prozent von ihnen berufstätig, die meisten aus Baden-Württemberg. „Die Eltern standen im Lockdown vor einer großen Mehrfachbelastung“, gibt sie an. Betreuung, Bildung, Homeoffice, Haushalt – alles musste unter einen Hut gebracht werden. Über die Hälfte der befragten, überwiegend weiblichen Personen gab an, dass sie Bildung von Geburt an wichtig finden. „Mehr als die Hälfte erfuhr jedoch in diesem Zeitraum keine Bildungs-Unterstützung durch die Kindergärten“, berichtet Goll.

Gerade die Ernährungsbildung geschieht im direkten Kontakt. Die Essgewohnheiten, die Kinder heute im Kindergarten oder eben während eines langen Zeitabschnitts nur zu Hause erfahren, prägen ihr Essverhalten lebenslang.  So hatte der Lockdown in den Kindergärten durchaus auch seine positiven Seiten: „Viele Familien haben in der Zeit mehr gekocht und gemeinsam gegessen“, stellt die Diplom-Oecotrophologin Sigrid Fellmeth fest. Sie besucht im Rahmen des Projektes Abenteuer Essen die Kindergärten und berät sowohl die Erzieherinnen und Erzieher als auch die Eltern, wie sie die Ernährungsbildung der Kinder positiv unterstützen können. „Es gab aber auch Familien, in denen keine geregelten Mahlzeiten stattfanden oder in denen Daueressen angesagt war.“

Auch jetzt ist die Ernährungsbildung trotz offener Kindergärten anders ausgerichtet als zuvor: Die Kinder dürfen nicht mehr selbst ihr Essen aus dem Topf schöpfen, nicht mehr so viel anfassen, keine Brotboxen teilen. „Das Projekt Abenteuer Essen ist heute aus all diesen Gründen wichtiger denn je“, betont Prof. Schneider. „Wir möchten den Erzieherinnen und Erziehern konkrete Tipps zur Ernährungsbildung in Corona-Zeiten mit auf den Weg geben.“ So plant das Projektteam von Abenteuer Essen einen Notfallkoffer mit Geschichten, Liedern, Bastelanleitungen, Rezepten und Versuchen, der den Kindergärten im Frühjahr 2021 zur Verfügung gestellt werden soll. Auf der Homepage finden  pädagogische Fachkräfte, aber auch Eltern und Kinder dann auch Angebote.

Initiiert wurde das Projekt „Abenteuer Essen“ 2014 von der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. 2019 hat die SRH Hochschule Heidelberg, die sich im Studiengang Kindheitspädagogik wissenschaftlich mit dem Thema frühkindliche Ernährungsbildung auseinandersetzt und von Anfang an in „Abenteuer Essen“ integriert war, die Projektleitung übernommen. Die Ausschreibung der siebten Runde wird auf 2021 verlegt. Ermöglicht wird das Projekt durch die Unterstützung folgender Sponsoren: BASF SE, BKK Pfalz, FUCHS PETROLUB SE, IKKclassic, pronova BKK und ADM Wild Europe GmbH & Co-KG.

Weitere Informationen: www.abenteueressen.de