Prof. Dr. Christian Hertel ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut auf der Krisen- und Akutstation an der SHG Klinik Kleinblittersdorf. 2013 hat er an der Heidelberger Akademie für Psychotherapie der SRH Hochschule Heidelberg approbiert.

Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr. Ich überprüfe, wie die Nacht gelaufen ist. Bei der Übergabe auf der Station werden die Krisenfälle aufgeteilt – Krisen gibt es eigentlich täglich. Viele Patienten kommen wegen Suizidgedanken oder selbstverletzenden Verhalten zu uns. Hintergrund sind oft traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder sexuelle Übergriffe. Dass viele der Probleme auf ein solches Ereignis zurückgeführt werden können, entlastet die meisten Patienten. So zählen hier die kleinen Schritte: Wenn wir den Jugendlichen und ihren Eltern Hoffnung geben können und für eine Entlastung sorgen, werten wir dies schon als großen Erfolg. Durch eine Krisenintervention kann so eine erste Stabilisierung erreicht werden und eine weitere Behandlung ambulant erfolgen. Von einigen Patienten hören wir nichts mehr – eigentlich ein gutes Zeichen! Aber auch wenn sich frühere Patienten im Notfall bei uns melden, zeigt das: Sie vertrauen uns und wissen, dass wir ihnen helfen können. Manche früheren Patienten kommen nochmal zu Besuch oder schreiben, dass sie sich durch unsere Hilfe besser und stabiler fühlen. Den Familien in ihrer Not Unterstützung zu geben ist sehr anstrengend – und ein gutes Gefühl, mit dem ich gegen 17 Uhr nach Hause gehe.